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Doch, Berlin kann brutal sein. Berlin geht die Verfeinerung vollkommen ab, die Paris oder Wien zu großartigen Orten macht, an denen man achtzig werden und notfalls begraben sein will. Berlin hat manchmal etwas geradezu schamlos Direktes. – Vital mutet das, und da hat Che recht, nicht an, Berlin imitiert Vitalität lediglich. Gerade das Zusammenspiel des Brutalen und des Künstlichen, Gemachten, macht aber einen guten Teil des Reizes aus, einer Art artifiziellen Gewöhnlichkeit, die man charmant finden kann, und der ich nie versucht habe, zu entgehen, weil sie sich richtig anfühlt, meistens.
Was den Tristan angeht, Herr Stimme, bin ich ganz elektrisiert und werde mich anlässlich des großen Ereignisses voraussichtlich in „Ekstase Modeste“ umbennen. – Dieser unglaubliche, großartige, überwältigende Ohrenprono! Den zumindest bis in die letzte Spielzeit laufenden Tristan muss man aber auch gesehen haben, ich würde mich vor Barenboim als Wagner-Dirgienten jederzeit und überall in den Staub werfen… und das ist wirklich wahr!