Helmuts Frankreichreise

8 Stunden sitzen wir hier schon bei McDonalds fest. Aber jetzt kommt
sie endlich mit dem Auto aus dem Kreisverkehr auf uns zugefahren. Irgendwie sind uns die Systemgastronomen ja mittlerweile ans Herz gewachsene, aber viel schöner ist das wir jetzt abgeholt werden. Nachdem wir es am Anfang nicht einmal geschafft hatten einen Cafe ohne den großzügigen Einsatz von Händen und Füßen zu bestellen, wurde uns am Schluss nach einen „Cafe s.v.p.“ einfach zwei Becher entgegengestreckt und wir konnten per Fingerzeig ordern. Gut, eigentlich geht man ja nicht zu Kaffeetrinken zu einer amerikanischen Fastfoodbude. Aber wir waren an diesem Tag zum dritten Mal
nass geworden. Und hinter Strohballen kauernd, auf das Ende des
Gewitters wartend hatten wir beschlossen einfach in der nächsten Stadt an einem markanten Punkt zu warten bis meine Schwester uns aufsammeln würde. Und hier war ein warmes Plätzchen zum warten, das wir froh annahmen.

Dabei war es bisher noch richtig heiß gewesen. Gut und gerne 12 Liter
Wasser am Tag hatten wir zu zweit verbraucht, inklusive kochen.
Glücklicherweise hatten wir in keiner größeren Stadt vergessen „supermarche“, „auchan“ oder auch mal „Aldi“ zum Nachtanken zu besuchen. Sonntag hatten uns die Tabacs weitergeholfen. Allerdings war hier die Gefahr großer das doch mal ein Franzose versuchte uns in eine Gespräch zu verwickeln und unsere Sonnenbrillentarnung auffliegen würde. Schließlich hatte ich mir vor der Abfahrt erklären lassen was links, rechts, Reis und Nudeln heißt, aber ansonsten musste alles mit dem Satz „Madame / Monsieur direction Stadtname, camping place s.v.p.?“ funktionieren. Dabei war es immer wichtig die Sonnenbrille aufzulassen und kräftig mit „qui“ und nickten zu Antworten. Denn merkte der Gegenüber erstmal das man fast nichts verstanden hatte
und eigentlich nur konzentriert versuchte die Armbewegungen zu
interpretieren, konnte er leicht sein das er wieder von vorne anfing und dann war gar nichts mehr zu verstehen. Viel Schlimmer konnte es nur kommen wenn man dann versehentlich versuchte English zu sprechen. Schließlich ist dem Franzosen das harte „H“ des Engländer geradezu unbekannt. Wohingegen das stimmlose britisch „R“ zum Ausgleich fulminant betont.
Aber er gab keinen Grund zum schimpfen ganz selten hatte ein Franzose
versucht uns von der Strasse zu hupen und man hatte uns wunderbare
Plätze in Campingplatzen zugewiesen, ein hart verdientest Bier am Abend gegönnt und auf mach aufmunternd zugerufen. Und dafür waren wir auch sehr dankbar.

Schließlich seit unserer Einreise auch schon an einem Ententeich
übernachtet. Erstaunlich wie laut diese possierlichen Tiere sein
können. Und Kombination mit einer nahen Landstrasse gerade zu stressig. Das war aber noch gar nichts gegen die Nacht am Bahndamm. Dort grüßten sich nämliche die genau hier aufeinander treffenden Zugführer mit einem freundlichen Hupen. Am anderen Morgen war unsere Zelt dann auch noch umgeben von unangenehm großen
Pfützen gewesen. Schlimmer hätte es uns da hinter einem Wasserturm
erwischen können. Diese gab eine größere Menge Wasser von sich, genau an den Platz an dem wir unser Zelt Minuten später errichten wollten.
Aber auch mit Dauercampern die sich spätabends noch Kriegsfilme
reinziehen hatten wir schlecht Erfahrungen gemacht. Naja, aber eventuelle hatten die beiden ja genau im Krieg die Fähigkeit verloren, ihren TV Konsum etwas leise zu vollziehen. Wie dem auch sei.

Viel schlimmer war jedoch das unser Baguette die Nacht noch schlechter
als wir überlebt hatte. Überhaupt war die cusine etwas auf der Strecke
geblieben. Aufgrund unseres begrenzten Transportvolumens hatten wir
uns auf einen Topf eingeschränkt. Damit konnte man ganz wunderbar Nudeln machen und hinterher noch die passende Soße.
Als einzigen Luxus hatten wir uns eine Packung Meersalz gegönnte.
Einsamer Tiefpunkt war dann aber doch ein Frühstuck was aus zwei Baguette und einem Glas Nutella bestand.

Dieser Tribut an zahlten wir jedoch gerne. Bedeutete jeder Kilo weniger
doch, schneller fahren zu können und die Fahrräder etwas beweglicher
und leichter zu machen. Fast zwanzig Kilo sorgten aber dennoch für ordentlich Schwung beim Bergabfahren und für böse Verwünschungen am nächsten Anstieg. Und Anstiegen gab es viele in Vogesen und Eiffel. Bei so manchem Bergaufkilometer in brütender Sonne dacht man schon darüber nach warum man sich diese Qual antun sollte. Aber das Ziele war eigentlich sonnenklar gewesen.

Am Horizont Himmel und Wasser verschmelzen sehen, mit den Füssen die sandgewordene Unendlichkeit spüren, die ungreifbare Macht des Windes in den Haaren haben – wer möchte nicht Urlaub am Meer machen. Doch wie kommt man am schnellsten ans Ziel? Na klar bis Calais sind es nur 700km!

Um 3 Uhr morgends sind wir dank unserer Fahrerin da gelandet, wofür wir all die Strapazen in Kauf genommen haben. Und es hat sich gelohnt.

Vive la France!