Mit Verlaub: Die reinigende Wirksamkeit kultureller Taufsakramente scheint mir doch ziemlich fragwürdig angesichts der Tatsache, dass auch der kultivierte Doktor Mengele seinen Mozart so sehr liebte, dass er sich von ergreifend gespielten Stücken zu Tränen rühren ließ.

Ich will das jedoch nicht als Totschlagargument gegen kulturelles Dazulernen verstanden wissen. Ich finde nur das Pathos mit dem „neu und rein werden“ ziemlich dick aufgetragen. Aber letztlich ist das meine persönliche Geschmackssache ohne Anspruch auf kanonische Unfehlbarkeit. Und so bekenne ich gern, dass ein paar Abneigungen aus meiner 18er-Zeit ziemlich stabil geblieben sind: Mozart saugt größtenteils immer noch, und Fontane ist und bleibt ein Langweiler…