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Ich habe keinen Zweifel daran, dass die linke Szene für viele Beteiligte eine wichtige Lebensphase war. Darum geht es mir aber nicht. Mir fällt immer wieder auf, wie sehr das Ausmaß an Leidenschaft und Utopie abgesunken ist, ganz so, als hätte das 20. Jahrhrundert den Vorrat an politischer Energie ein wenig verbraucht. Dass linke Politik derzeit ohnehin als nicht sonderlich sexy gilt, hat sicherlich auch etwas mit einem Generationenwechsel zu tun, und vermutlich ist der politische Pragmatismus eine vernünftige Sache. Dass auf der einen Seite die Rebellion nichts an ästhetischer Ausstrahlung verloren hat, die politischen Inhalte aber kaum auf Anklang oder auch nur Aufmerksamkeit stoßen, ist eine Beobachtung, die ich nicht nur in meinem Umfeld mache, sondern auch medial. – ich kenne fast nur Liberale, die unterschiedliche Parteien wählen. Menschen, die sich einen anderen Staat wünschen, kenne ich so gut wie gar nicht. Auffällig ist überdies, dass trotz der starken Medienpräsenz von Wirtschafts- und Sozialthemen in meinem Umfeld die Wirtschafts- und insbesondere Arbeitsmarktpolitik auf wenig Interesse stößt. Die Rolle des Staates als Bezugspunkt scheint sich tatsächlich tiefgreifend geändert zu haben.