Desinteresse. Desinteresse, weil die Multioptionsgesellschaft (“ Immer mehr Möglichkeiten und immer weniger Gewissheiten“. Peter Gross) keinen Raum lässt für stringentes, engagiertes Handeln. Klar, der Lauch in der Thaisuppe muss vom Ökobauer sein. Aber auf das zweimonatliche Billigflugwochende möchte man auch nicht verzichten, da wird die Ökologie zur Nebensache. Solidarität zeigt man heute mit bunten Bändern am Handgelenk. Sehr elegant und ohne dass es den eigenen Rhythmus durcheinander bringt. Dass die Bänder in zwei chinesischen Fabriken hergestellt werden, in denen unsäglich schlechte Arbeitsbedingungen herrschen, ist auch nebensächlich. Im Internet weltweit shoppen ist Bürgerrecht. Dass die preiswerten Versandkosten mit Löhnen knapp über dem Existenzminimum für die Angestellten der Paketdienste erkauft werden, interessiert nur am Rande und ist kein Grund der einen davon abhält, sisch über den miesen Service der Paketboten aufzuregen, die im übrigen keine Chance haben von ihrem kümmerlichen Lohn jemals eine CD in Australien sich zu ordern.
Das könnte man noch seitenweise weiterführen. Man kann den gesellschaftlichen Mainstream beklagen, aber es wird sich nichts ändern, solange man Teil dieses Mainstreams ist indem man sich daraus die Teile rauspickt, die zur eigenen Selbstverwirklichung taugen.
Die globalisierte, kommerzialisierte und auf Effizienz getrimmte Welt ist ein Angebot mit Suchtcharakter. Ausser Nord-Korea sind dem wohl fast alle Staaten der Welt verfallen. Da darf man sich nicht wundern, wenn die Sozialstaatsforderungen linker Parteien im Grunde nur darauf zielen, die eigene Teilhabe an dem „Suchtstoff“ durch Umverteilung zu sichern.