REPLY:
Keine mildernden Umstände

Das, Che, sehe ich fundamental anders. Was Du anführst, läuft auf die Annahme quasi „mildernder Umstände“ hinaus. Solche mildernden Umstände gibt es in meinem Universum nicht, in dem jedes Unrecht für sich allein steht. Ich vermag nicht nachzuvollziehen, warum Armut, vorangegangene Ungerechtigkeiten und Rechtsverstöße in einen Zusammenhang mit diesen Taten und Ideologien gebracht werden. Du verkennst, glaube ich, dass es diesen Leuten nicht um Teilhabe am Wohlstand, sondern um eine Gottesdiktatur geht. In diesem Weltbild ist es im übrigen vollkommen egal, ob man als „netter“ Rucksacktourist mit den Leuten auf der Straße spricht, oder sie als Luxusreisender angafft (und im Zweifelsfall mehr Geld vor Ort lässt, und mehr Leuten Arbeit verschafft, aber das ist ein anderes Thema).

In diesem Zusammenhang von „Krieg“ zu sprechen, finde ich im übrigen fast zynisch. Hier geht es nicht um bewaffnete Konflikte zwischen Staaten. Und wie schreiend ungerecht auch immer, wie skandalös auch immer, die Lebensumstände eines Menschen sein mögen: Nichts berechtigt ihn dazu, so etwas zu tun, oder auch nur mildernde Umstände zu genießen: Unrecht mag mit Unrecht in einem Ursache-Wirkungszusammenhang stehen, eine Art moralischer Verrechnung ist mir von Grund auf fremd.