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Ich verrechne hier überhaupt nichts, ich spreche von actio und reactio. Dass die Leute
eines Gottesdiktatur wollen, finde ich ebenso erschreckend wie Du, ich finde es auch
richtig, gegen die vorzugehen, aber die ursprünglichen sozialen Wurzeln liegen woanders.
Wie würdest Du Dich denn verhalten, wenn jemand in ein Café kommt, in dem Du gerade
sitzt, Dich beim Essen filmt, beim Weitergehen zotige Witze reisst, die jedes landesübliche
Schamgefühl verletzen, und das erlebst Du ein paar Mal am Tag, und zwar täglich?

Ungefähr so kommen viele europäische Wohlstandstouristen bei traditionell islamisch
geprägten Menschen in ihren Heimatländern an. Ich habe traditionell islamisch
geprägten Gesellschaften mit ihrer furchbaren Frauenunterdrückung und ihrem
finsteren Tribalismus nichts, aber auch gar nichts abzugewinnen und fühle mich mit
meinem westlichen Lebensstil sehr wohl. Aber wer sich Jahrhunderte benimmt wie
ein Kampfstier im Porzellanladen, muss sich nicht wundern, wenn eines Tages ein
Porzellanladenbesitzer Amok läuft.

Mildernde oder erschwerende Umstände sind mir egal, ich sehe die Sache mit dem
analytischen Blick des Ethnologen/Anthropologen(Soziologen/Historikers.

Und liebe Modeste, was heißt hier zynisch, von Krieg zu sprechen? Ich bin der Überzeugung, dass der 11. September 2001 der Beginn des Dritten Weltkriegs war, der nicht als Krieg im herkömmlichenb Sinne geführt wird, sondern von einem weltweiten Terrornetzwerk mit unbeschreiblich brutalen Anschlägen gegen Zivilisten und von den Staaten der westlichen Welt und Rußland teils als konventioneller Krieg (Afghanistan, Irak), teils mit staatlichen Formen des Terrors (Tschetschenien, Guantanamo, Foltern lassen bei Freunden). Die Gotteskrieger sind jahrzehntelang von US-Geheimdiensten aufgebaut und gehätschelt worden, um a) gegen die Sowjets in Afghnaistan un d b) gegen die arabische Linke vorzugehen, der sie mit großen Erfolg, als sie stark genug waren, die Gefolgschaft abgeworben haben. Bin Laden ist doch nur ein Kettenhund des US-Imperialismus, der sich losgerissen hat und jetzt Herrchen die Kehle durchbeißen will. Hermann L. Gremliza hatte es treffend ausgedrückt, als er zu Clintons Äußerung nach den Anschlägen von Daressalam und Mombasa, er werde die Verantwortlichen zur Strecke bringen, kommentierte, das sei merkwürdig, einige der Verantwortlichen hätten ja gerade um ihn herum gestanden.