REPLY:
Ach, Che – was sollen wir uns hier herumstreiten. Ich sehe die öffentlichen Angelegenheiten ja weder als Ethnologe/Anthropologe/Soziologe/Historiker, sondern verstehe ganz eingestandenermaßen nichts von Politik, und interessiere mich auch nur sehr am Rande dafür. Im Rahmen dieser nicht besonders ausgeprägte politischen Weltsicht bin ich, wie uns beiden klar sein dürfte, vollkommen anderer Ansicht. Das Agieren der USA, so unangenehm und unsympathisch mir diese Politik vielfach ist, sehe ich nicht annähernd auf der selben Stufe wie das Handeln von religiös motivierten Kriminellen. Die fast feindlich anmutende (und nicht mehr nur kritische) Haltung vieler Linker zu den USA und auch Israel gehört zu jenen Punkten, die ich nicht vollkommen nachvollziehen kann, und die mich von der Linken trennen. Die Fokussierung auf wirtschaftliche Belange gehört gleichfalls zu diesem Komplex: Der Materialismus gehört zu jenen Punkten, an denen ich Marx nicht folgen kann noch möchte.
Kulturelle Unsensibilität gehört auch nicht gerade zu denjenigen Verhaltensweisen, die „der Westen“ gepachtet hat, und dass es derart in ihrem kulturellen Stolz beleidigte Menschen wären, die eines Tages losziehen, ein Gottesreich herbeizubomben, sehe ich nicht. Man kann und sollte solchen Reisenden jeden erdenklichen Vorwurf machen – aber die Erzeugung von „Gotteskriegern“ sehe ich da nicht, sondern lediglich schlechte Erziehung. Ich gehe auch (ungern und selten) durch einige Viertel dieser Stadt, ohne es mir angesichts gaffender und teilweise beleidigender und sogar zudringlicher Jugendlicher, die häufig aus dem östlichen Mittelmeerraum stammen, mit der EU-Mitgliedschaft der Türkei noch einmal zu überlegen.
Ich lese ungern Ausdrücke wie „US-Imperialismus“, und werde es zukünftig vielleicht auch hier so halten wie an meinem Esstisch: Politische Lieder werden woanders gesungen. Und die Gastgeberin, so sehr es ihr manchmal die Zunge juckt, hält einfach den Mund.