100%ige Zustimmung

Interessanterweise sehen Neu-Berliner (sprich alle, die nicht mindestens in 4.ter Generation in dieser Stadt leben 😉 die Stadt immer als groß, erstickend und völlig überdimensioniert.

Dem ist aber nicht so, wenn man in Berlin geboren ist. Ich würde sagen, daß ich mindestens in die Hälfte aller zwölf Berliner Bezirke nie einen Fuß gesetzt habe. Oder wenn, dann nur einmal ganz kurz. Das heißt, das Leben konzentriert sich auf Mitte, Prenzlauer Berg, Schöneberg und Friedrichshain. Wenns hochkommt, dann noch Wilmersdorf und Kreuzberg dazu. Das war’s dann schon. Und das macht es dann schon viel übersichtlicher, und gar nicht mehr so groß und unpersönlich.

Und wenn man in Berlin geboren ist und seinen Heimatbezirk besucht, kann man sich fast sicher sein, daß man einen alten Freund oder eine alte Freundin trifft.

Also: Nur Mut. Berlin ist gar nicht so groß und unpersönlich – sondern eher mehrere große Dörfer nebeneinander.

Und wie die geschätzte Frau Modeste schon schreibt: Ohne alle diese kulturellen Attraktionen wäre das Leben kaum lebenswert. Und selbst wenn man nicht alle nutzt, allein das Gefühl zu haben, sofort auf die Straße treten zu können und das zu bekommen, worauf man Lust hast – das ist unbezahlbar.

Wo kann man schon vormittags segeln, nachmittags im Biergarten sitzen, abends in die Oper gehen, anschließend ausführlich essen gehen, danach ein paar Drinks in einer Bar – um dann final dann durch vier Clubs zu ziehen. Vielleicht noch ein Frühstück danach. Anyone?

Überhaupt ist – um noch eine finale Lanze für diese Stadt zu brechen – Berlin eigentlich die einzige Stadt in Deutschland (!), in der man sich schnell daran gewöhnt, um jede Uhrzeit quasi alles zu bekommen und machen zu können. München – Sperrstunde? Putzig. Baden-Würtemberg: Mittagspause von 12-4? Lustig.

Das erinnert mich an eine Episode in Baden-Würtemberg. Ausgestattet mit allen wichtigen Restaurantführern fuhr ich durch das Land, wo sich gegen halb zwei ein gewisses Hungergefühl einstellte. Kurzer Anruf beim empfohlenen Restaurant in der Nähe:

Ich: „Guten Tag. Gibt es bei Ihnen ein Mittagessen?“
Er: „Es ist 14:30 Uhr!“
Ich: „Das ist mir bewußt. Also gibt es nichts mehr zu essen?“
Er (entrüstet): „NATÜRLICH nicht.“
Ich: „Bis wann hätte es denn etwas gegeben?“
Er: „Seit elf. (Kunstpause) Von elf bis zwei. (Kunstpause) Das sind DREI Stunden.“
Ich: „Also gibt es bei Ihnen jetzt nichts mehr?“
Er: „Wir sind doch kein McDonalds!“
Ich: „Danke für das Gespräch.“
*klick*

Welcome to the real world.

If you once fell in love with Berlin, you’ll never leave it.

So, und jetzt viel Spaß für alle Berlinhasser bei den Kommentaren. Gute Nacht.

P.S.: Und das nächste Mal erzähle ich die Geschichte, warum es in Berlin keine Sperrstunde gibt.

P.P.S: Und vielleicht ist es ganz gut, daß alle Münchener da bleiben, wo sie es besonders schön, hübsch und aufgeräumt finden 🙂