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Schatten und Spiegelbilder
Ich glaube nicht, dass diese „Anbetung“ per Netz in den allermeisten Fällen auch nur ein erstes Treffen überstünde, bei dem Film und Wirklichkeit ja schon einmal heftig zusammenstoßen. In den allermeisten Fällen ist man allein schon deswegen nicht gemeint, weil in dem Film, der in diesem oder anderen Blogs läuft, ja wesentliche Teile der eigenen Persönlichkeit ganz einfach fehlen. Weil sie zu langweilig sind. Oder zu intim. Oder zu schmerzhaft, um sie aller Welt zu erzählen. Und weil die Lücken zwischen dem Erzählten vom Leser natürlich gefüllt werden mit Stoff aus seinem eigenen Kopf.
Natürlich ist das in vielen Fällen nicht anders, wenn man jemanden in einer Bar kennengelernt hat. Aber anzunehmen, jemanden zu kennen, dessen Texten man liest, und sich in diese Person zu verlieben, ohne ihr gegenüber gestanden zu haben, halte ich für eine zweifelhafte Sache, die eigentlich nur schiefgehen kann. Aber klar, Ausnahmen gibt´s immer.
Allerdings beruhen eine ganze Reihe der Beziehungen unter Bloggern, was man so hört, nicht auf Empfindungen, die per Lesen und Schreiben entstanden sind, sondern auf Zusammentreffen, die zwar ohne das jeweilige Blog wahrscheinlich nicht stattgefunden hätten, aber für die das jeweilige Blog eben nur der Anlass war, und nicht der eigentliche Gegenstand der Verliebtheit.