Ob das Experiment drei Wochen währt, ist gegenwärtig, Herr Thot, eher fraglich. Ein regnerischer Herbst ist nicht mit Salat zu überstehen. Dass die Kilos wiederkommen, ist wohl fast unvermeidbar, auf der anderen Seite bin ich gegenwärtig schon wesentlich stabiler, als es meinem „Normalfall“ entspricht, nachdem ich die Trennung von meinem letzten Freund erst einmal mit ziemlich viel Essen kompensiert habe.
Die entbehrungsbedingt schlechte Laune, MC, ist ein echtes Problem. Außerdem langweilt es meine Umgebung vermutlich irgendwann, bei jedem Zusammentreffen von Lebensmitteln zu hören. Gegenwärtig geht es aber noch und nächste Woche bin ich ohnehin erst einmal ein paar Tage nicht da. Dann freuen die sich hoffentlich so, wenn ich wieder auftauche, dann kann ich auch den ganzen Tag von Lebensmitteln und Übergewicht sprechen und andauernd fragen, ob ich eigentlich zu dick bin. – Und wenn mir einer ganz blöd daherkommen sollte, befolge ich einfach Herrn Maz´ guten Tipp.
Dass Sie, Herr Kid, tatsächlich von 60 gr. Reis oder Nudeln mit Beilagen satt werden, kann ich fast nicht glauben. Ich habe Sie als einen hochgewachsenen und auch nicht besonders verhungert wirkenden Herrn in Erinnerung, aber der norddeutsche Organismus funktioniert wahrscheinlich irgendwie anders. – Was einer dauerhaften Minimalernährung meinerseits entgegensteht, ist natürlich neben dem Hungergefühl auch die Tatsache, dass ich weniger eine Ernährungsesserin als eine Genuss-, Trost- und Gesellschaftsesserin bin, die sich für fertige Unterkapitel mit Tortenstücken belohnt, einsame Nächte mit Sahnesaucen und Pasta kompensiert, und mit Freunden häufig an gedeckten Tischen zusammentrifft. Auf die Gefahr, jetzt irgendwelche Leute mit diesbezüglich zartem Gemüt anzuwidern – ich esse normalerweise schon zweimal täglich warm, brauche nachmittags eigentlich immer irgendetwas Süßes, und gehe auch ungern ungefrühstückt aus dem Haus. Da fällt die Umstellung schon ziemlich schwer.