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Was ist denn daran so makaber? Ich halte es für einen sehr gesunden mental-hygienischen Impuls, sich von Zeit zu Zeit aus dem medial erzeugten Dauer-Erregungssystem auszuklinken. Man muss es ja nicht mit der Attitüde von Gustave Flaubert tun, der sinngemäß sagte: Die Welt schert sich auch nicht um mein Elend – also muss sie damit leben, dass mich ihr Elend kalt lässt.

Ob man, wenn man mal „da draußen“ war, wieder zurückkann, hm, kommt drauf an, ob man das dann noch als erstrebenswert erachtet. Ich für mein Teil möchte nicht mehr dahin zurück, fremdgesteuert reagieren zu müssen auf jede neue Sau, die durchs Dorf getrieben wird. Vielleicht ist mir das deswegen klar geworden, weil es ja mein Beruf ist, selber mitzuwirken beim Säue durchs Dorf treiben. Und weil ich das, was ich da tue, schon von Zeit zu Zeit hinterfrage.

Schlagartig klargeworden bin ich mir über dieses Problem, als ich anno 91 durch das frisch in mein Wohnzimmer verlegte Kabelfernsehangebot zappte und irgendwann spät nachts wie hypnotisiert vor den grünstichigen CNN-Bildern aus Bagdad saß und Pete Arnett zuhörte, während in der Nähe seines Hotes die Granaten einschlugen. Irgendwann so gegen morgens um halb vier sagte ich zu meiner damaligen Freundin: Liebste, jetzt isses aber mal gut. Wenn nicht die Luftschutzsirene hier aufm Block gleich losheult, gibt es wirklich keinen vernünftigen Grund, sich das noch länger reinzuziehen. Keinem Menschen dort hilft es, dass ich hier betroffen vor der Glotze sitze. Stattdessen laufe ich Gefahr, morgen mein Tagwerk nicht gebacken zu kriegen, und dann ist noch mehr Übel auf der Welt und nicht weniger. Punkt. Ende der Vorstellung.

Die Fragen, was hat das alles mit mir zu tun, muss ich das wissen, wenn ja, erfordert es Handlungen meinerseits, sollte man sich von Zeit zu Zeit schon stellen. Wie gesagt, schon aus Gründen der mentalen Hygiene…