Das rosa Rauschen

Schon tückisch die Maschen der Profilneurotiker, die sich seit der Schulzeit für so wichtig halten, dass sie nach Abitur und Studium noch promovieren und dann auch noch in Parteien, Unis oder Bürgerinitiativen den Ton angeben wollen. Und das nur, weil ihre Eltern belanglos oder eben extrem erfolgreich waren. Wenn man das Gewese der Nachrichtenproduzenten verlassen will, empfiehlt sich nicht unbedingt das Weglassen von Fernseher oder Zeitung sondern das Selektieren der Informationen. Zugegeben es kostet Zeit, aber man kann schnell Filterregeln aufbauen: Talkshows sind immer Müllhalden humanen Wiederkäuens, Nachrichten sind die politisch erwünschten Desinformationen um Massen zu ködern, Spielfilme sind oft der forntale Angriff auf niedere, hier vor allem materielle Instinkte.

Aber: Es gibt noch Videso von Jacques Doillon oder Andreij Zulawski Filmen. Es gibt noch CDs von Joni Mitchell und Nick Drake. Es gibt noch Bücher von Thomas Bernhard, Cowper Powys oder Paul Eluard.

Das Rauschen der schnellen Welt um uns, die ihre schlechtesten Seiten in Medien konserviert, vergisst die Stare am Himmel, das Gekreische der ziehenden Reiher, den morgendlichen Nebel am Ufer und die beschlagenen Scheiben nach einer zärtlichen Nacht. Ich finde es toll, dass die Medinewelt eine zeigerfunktion übernommen hat und uns all das einmalig zeigt, was wir beim zweiten Blick in Sekundenbruchteilen als marginal gefiltert und ausgesondert haben.

Ich mag all die beschäftigungstherapeutischen Jobs wie Journalist, Politiker oder Vorstandschef. Was glaubst du, würde in der Kriminalstatistik passieren, wenn die sich nicht am rosa Rauschen beteiligten. Die kathartische Wirkung, die man den Huren zuschreibt, geht in Wirklichkeit von dem Gewese der Wichte aus, die wir jeden Tag in den Medien sehen, hören und lesen. Sie verstehen eben nicht zu leben. Das ist vielleicht auch gut so, da bleiben tagsüber die Bürgersteige, Parks und Flussufer leer, weil sie Katzbucken müssen. Und das nur, damit sie an der Ampel ihre quietschgelben Sportwagen 15 Minuten am Tag den staunenden Sekretärinen zeigen können…