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Liebe Melina,

um es vorweg zu nehmen: Ich bin seit 10 Monaten Papi einer süßen und pflegeleichten Tochter. Unsere Ehe ist intakt und großartig, wir leiden nicht an Schlafmangel, wir haben nach wie vor ein Sexualleben. Mit einem Wort, es ist wirklich sensationell, wie das alles hingehauen hat bisher inklusive Kitaplatz in der Firma, in der meine Frau die Brötchen verdient. Ja, wir sind so rundum glücklich wie man sein kann.

Aaaaber: Ich war lange genug solo und kinderlos, um immer noch Krätze zu kriegen, wenn ich dieses ganze verlogene Gewichse höre von wegen selbstsüchtiges Pack, das nicht in seine Zukunft investiert. Das klingt in meinen Ohren nach Nazi-Kacke (sorry, Frau Modeste).

Ist es etwa nicht egoistisch und selbstsüchtig wenn ich es für gottgegeben halte, dass meine Brut ja wohl ganz klar den personifizierten Menschheitsfortschritt darstellt, für dessen Aufzucht mir jeder ständig Lob und Anerkennung zu zollen hat? Und dass ich mich, nur weil mir der biologisch-banale Akt der Fortpflanzung geglückt ist, meine, über jeden erheben zu können, der diese Mühsal nicht auf sich genommen hat?

Wieviele Kinder werden denn allein für die Ego-Verlängerung ihrer Eltern in die Welt gesetzt? Und wieviele, nur weil die Eltern zu blöd und zu verantwortungslos waren, vernünftige Familienlpanung zu betreiben? Ist es etwa kein Zeichen von Selbstsucht, wenn ohne Rücksicht auf Konsquenzen drauflosgepoppt wird? Ich unterstelle nicht, dass das bei Ihnen auch so sein muss. Aber Ihre Unterstellung, dass man sich Nachwuchs ja nur aus völlig egoistischen und selbstsüchtigen Motiven verkeifen könne, verkennt ein paar ganz grundwsätzliche Realitäten. Ich finde es völlig in Ordnung, wenn Leute wie Frau Modeste oder Frau Kaltmamsell sich nicht zur Aufzucht von Nachwuchs berufen fühlen. Ich halte es für klug, nicht gegen die innere Stimme zu handeln, und es ist nicht an Ihnen oder mir, über individuelle Güterabwägungen anderer Menschen in dieser Frage zu rechten und zu richten.

Davon abgesehen bin ich völlig einer Meinung mit Ihnen, dass Familienleben eine ganz großartige Sache ist. Aber eben nur für den, der sich auch wirklich dazu berufen fühlt. Wer da am Zweifeln ist, sollte vielleicht lieber die Finger davon lassen. Gerade auch im Interesse der Kinder…