*****

Meine Frau sagt, mein Auftritt war ganz und gar nicht krawallig.

Selbstverständlich ist diese Diskussion urdeutsch. Daher mein Wortspiel „Faux pays“. Viele jüngere Bildungsbürger bekommen völlig zu Unrecht ein Unbehagen, wenn Ihnen etwas als „typisch deutsch“ unterstellt wird. Das allein ist noch keine Kritik.

Schwieriger sind die Anforderungen, die die Autorin an den Verfasser der Kommentare stellt. Sie wünscht, der Kommentator möge einen anderen Tonfall wählen bzw. seine „Argumente in eine etwas gefälligere Form … verpacken“. Ich glaube, hier gehen die Kategorien etwas durcheinander. Auf der Ebene der Kunst ist Form/Tonfall kritisierbar. Auf der Ebene der Kritik geht es um die Argumente/Analysen selbst. Dabei künstlerische Maßstäbe ansetzen zu wollen, ist so als wenn ein Tenor seinen Kritiker bittet, er möge doch bitte seine Kritik singen.

Bei erneuter Durchsicht, ist meine Kritik nicht unhöflich gewesen, bis auf die Namensbaselei von Arborektum. Sorry, dafür. Was das Duzen angeht, bitte ich das Bier nach der Lesung abzuwarten.

Zum Thema Respekt möchte ich sagen, dass meine Kritik die Autorin als Künstlerin ernst genommen hat. Das wird schon allein aus der Bezeichnung „Autorin“ deutlich. Ich habe sie z. B. nicht als „Bloggerin“ bezeichnet. Wie jeder weiß, ist das in Kreisen von Schriftstellern inzwischen eine beliebte, kumpelhafte Herabwürdigung. So wie „Du Taxifahrer“ unter Formel 1-Piloten.