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Ja, wer in dieser Wohnung gelebt hat, was diese Wände gehört haben, wüsste auch ich gern. Bei Mietshäusern ist leider nicht einmal leicht herauszufinden, Herr 500Beine, wer hier gelebt hat, bei Häusern, die gemeinhin der Eigentümer bewohnt, kann man – gute gründe vorausgesetzt – immerhin Einsicht in die Grundbücher oder die Bauunterlagen nehmen.
Dass, Herr MC, sich auch all das am Ende gelohnt haben wird, was man nicht mehr weiß, ist meine feste Überzeugung. Mit allem, was wir tun oder lassen, lösen wir Gefühle oder Vorgänge aus, die ihre Wirkung auch dann entfalten, wenn wir selbst es nicht mehr wissen, und auch sonst keiner. Die Pyramiden ständen nicht ohne die namnelosen Bauarbeiter, und ohne die Atmosphäre der Pariser Salons mit ihren vergessenen Gästen gäbe es die Recherche nicht.
Dass an vielen Gegenständen Geschichten hängen, Herr Kid, macht die Dinge auch mir teurer, als sie es frisch von IKEA wären. Leider weiß ich nicht, was aus dem Brautpaar von 1926 geworden ist, dessen Bild ich beim Photoladen bei mir um die Ecke gekauft habe, weil die Braut so glücklich strahlt. Ist er vielleicht im Krieg gefallen? Hat sie ihn betrogen und verlassen? Sind sie zusammen glücklich und alt geworden? Wer hat das silberne Mokkagedeck einmal gekauft, dass auf meiner Komode steht, und auf dem ich meinen Schmuck aufbewahre? War das ein geschenk? Wenn ja, wer hat es geschenkt, wie wurde es aufgenommen, wurde es geliebt, benutzt, vererbt? Wie ist es zu dem Trödler gekommen, bei dem ich es leicht verstaubt gefunden habe?
Ich wüsste es gerne. Aber niemand wird es mir erzählen. Und die Dinge, da stimme ich Herrn Stimme zu, sprechen ziemlich undeutlich.