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Gut, ich hatte die spezifische Erfahrung gemacht, als Schwerstverletzter in
einer Unfallklinik zu liegen und zu erleben, wie Mitpatienten um mich herum,
von denen keiner so übel dran war wie ich, im Gegensatz zu mir jammerten und klagten, während
ich das Ganze eher wie einen Film sah: Den Mikrosmos Krankenhaus als eine
interessante neue Welt, das Wiederaufdiebeinekommen als sportliche Herausforderung.
Dazu muss ich sagen, dass ich diverse asiatische Kampfsportarten praktiziert habe
und wir damals darin ausgebildet wurden, Schmerzen standzuhalten, Bushido halt. Letztlich zur Hälfte „ein Indianer kennt keinen Schmerz“ und zur Hälfte die buiddistische Strategie, dem Leiden mit einem Lächeln entgegenzutreten.
Letztendlich, obwohl ich bleibende Schäden davongetragen habe, ist dieser
Erfahrungshintergrund etwas, das mich stolz macht. Ob ich einer Folterung standhalten
würde, weiß ich nicht, aber die Haltung der Betreffenden finde ich extrem
bewundernswert. Ebenso wie die Haltung einer anderen Frau aus meinen Kreisen, die
die Leukämie besiegt hat. Ob man türkischen Gendarmen oder entarteten Blutzellen
trotzt, ist zweitrangig, was zählt, ist die innere Kraft.

Schwächen zu erkennen und zu akzeptieren ist genauso eine Art
von Stärke, aber Schwächen und Fehler, eigene Unvollkommenheiten zu
akzeptieren ist etwas völlig Anderes als Selbstmitleid. Aktuell habe ich meine eigene
Stärke erfahren, die sehr groß ist. Leid kann den Vorteil haben, das man durch seine Bemeisterung über sich selbst hinauswächst, wozu
von Vornherein wehleidige Menschen aber wahrscheinlich auch nicht in der Lage sein werden. Wenn ich sage, ich verachte Weicheier und Jammerlappen, dann verachte ich eigentlich nicht die Menschen als Solche, sondern nur diese Eigenschaften, die für ein Überwinden von Schmerz einfach nicht sehr hilfreich sind. OK, und eine Neigung zum Heroischen ist einfach bei mir einfach drin, und das ist auch gut so.

Die Eitelkeit des Barocks war sich des Todes stets bewusst.