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es war in dieser wunderschönen stadt aachen, als mich vor über zehn jahren ein mann auf der straße um geld ansprach. vielleicth anfang fünfzig, halbwegs gepflegt – und an seiner haltung und mimik konnte man deutlich ablesen, wie unangenehm ihm das alles war …

es ist eine von zwei bettelszenen in meinem leben, die ich behalten habe. die andere war in amsterdam. ein optischer lebenskünstler, auch anfang fünzig sprach mich zunächst auf englisch, dann auf deutsch an. er wolle nicht lang drum herum reden, er möchte ein bier trinken. war eine ehrliche nummer, hat er bekommen. hätte er gesagt, er hätte hunger, hätte ich ihn wortlos stehen lassen.

der mann in aachen sprach mich anfang der neunziger, in der am horizont bereits ausklingenden goldgräberstimmung an. und er hatte meinen nerv getroffen. ich, der ich als hans im glück student in meinem selbstverdienten geld schwamm – und er, der anderes erfahren hat, warum auch immer. und irgendwie hat mich diese szene aufs äußerste beschämt. ich gab ihm fünzig mark [nein, das mache ich nicht immer] mit dem satz, daß ich es erbärmlich finde, daß so etwas auf unseren straßen passieren muß. muß es nicht. auch heute nicht. und es gibt immer noch eine steigerung. der grund, warum ich einen großteil der welt nicht mehr bereisen mag. denn hilflosigkeit ist mir mein größtes greuel …

ich finde inhaltlich nicht den richtigen dreh, worauf ich hinaus will. mein früh gestorbener großvater sagte mal eines tages, als er wohl erkannte welches mögliche potential in mir steckt: stell dich vor die schwachen. oder wie ich es heute sagen würde: richte nicht über sie. ihr leben, ihre zeitungen. denn vieles im leben ist purer zufall und glück …