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Ach, richten, Herr Timanfaya, wer das könnte….Aber auch Verständnis fällt nicht immer leicht, wenn man sich irgendwelchen Kindern gegenübersieht, die an U-Bahnhöfen um Geld bitten, und man möchte die Kinder einmal ordentlich am Kragen packen, schütteln und nach Hause schicken, die Schule beenden. Und warum mancher schon morgens um acht vorm Kiosk das erste Bier öffnen muss, versteht man auch nicht recht. Die ewigen Entschuldigungen, die bösen Verhältnisse, all das schreibt den Menschen, die man zu entschuldigen versucht, doch auch eine Unmündigkeit zu, die letztlich der Würde entbehrt.
Was da soziale Gewissen angeht, Herr Reuter, so wird da von unsereins eine ganze Menge verlangt, eine über staatliche Mechanismen transportierte Solidarität ebenso wie eine private Caritas, die dazu auch noch selbstlos zu sein hat, und keinerlei Erwartungen transportieren darf. Meine Bereitschaft zur Hilfe sinkt allerdings leider recht schnell, wenn die Hilfsbedürftigen keinerlei Anstalten machen, sich selbst aus der Situation zu befreien, in die sie durch eigene oder fremde Schud gelangt sind, oder Ansprüche formulieren, die ich mir auch nicht erlauben kann. Vor einigen Wochen war einmal ein Artikel in der ZEIT über den Einsatz deutscher Langzeitarbeitsloser bei der Salaternte, die reihenweise gar nicht erst gekommen sind oder sich erst einmal haben krank schreiben lassen. Über diese Seite von Armut zu sprechen provoziert natürlich sofort entrüstete Ansagen, man wolle wohl allen Arbeitslosen unterstellen etc. pp.. Will man natürlich nicht und weiß, wie ungünstig Verhältnisse sein können. Nur den ehrlichen Willen, den möchte man schon sehen, und sieht ihn allzu oft nicht.
Und nein, ich glaube schlicht nicht, das es nicht möglich wäre, ehrenamtlich jemanden zu finden, der diese Zeitungen besser layoutet, geschliffener schreibt oder vernünftig lektoriert.