hm. vor einigen jahren hätte ich ihnen unbesehen zugestimmt, frau modeste. ich hatte mich in einer nische eingerichtet, in der auch andere lebten, die nichts mehr liebten als intellektuelle diskursgewitter, problematisieren über gott und die welt und wissen aus entlegensten gebieten.
und dann wechselte ich den beruf und bemerkte, daß es ungeheuer anstrengend ist, menschen kennenzulernen, die glaubten, nur wahrgenommen zu werden, wenn sie etwas leisteten. im falle der (be)werbungssituation für ihre person sich als femme fatale gerierten, als faktenwunder oder zorniger junger mann. statt auf einen anderen menschen zuzugehen mit: he, hallo, hier bin ich und wer bist du?
was gäbe ich in gewissen parkettsituationen nicht her, um wenigstens etwas smalltalkkompetenz zu haben. nicht um an der oberfläche herumzuschlittern, sondern um peu a peu in eine vertrauensvolle situation zu kommen, in der sich mein gegenüber so wohlfühlt, daß es mich auch weiterhin gern trifft. und nicht das gefühl zurückbehält, grade vor einer prüfungskommission gestanden zu haben oder der/die dümmere zu sein.
und so grusele ich mich weiter in solchen situationen. befremde leute mit absurden themen und fragen, mache unpassende witze, lache so laut wie ein 90-kilo-kerl und drücke hände zu fest.
ich lerne da gerade viel meinem freund. der sich ohne probleme zurücknehmen kann, wenn er als mann an meiner seite unterwegs ist. der mit der freundin meines klienten plaudert, ohne sich anmerken zu lassen, wie sturzlangweilig er sie findet und nebenbei noch die eine oder andere relevante hintergrundinformation für mich abspeichert. und ich trainiere mir gerade die profilneurose ab, als frau an seiner seite beachtung über meine leistung finden zu müssen.
interessant ist allerdings, daß ich mit einem 10 jahre älteren mann mit häuptlingsausstrahlung generell als gattin behandelt werde. keiner fragt mich, was ich beruflich mache, es sei denn, ich bringe die sprache darauf. er wird in der umgekehrten situation ganz schnell danach gefragt.
um zum ende dieses elend langen kommentars zu kommen: so zurückhaltend und gemessen, wie ich sie erlebt habe, kann ich mir garnicht vorstellen, daß das oben beschriebene ihr problem ist!