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Das habe ich letztlich gelesen, allerdings war ich angesichts der Vorschusslorbeeren der Kritik dann doch etwas enttäuscht. Der das Haus ausräumende Protagonist kommt in seiner ganzen Lethargie nicht wirklich näher. Das ist eine schwierige Identifikationsfigur, und mit seiner Freundin sieht es nicht besser aus. Was schwerer wiegt: Das Buch hat mir stilistisch nicht übermäßig gefallen.

Ganz interessant aber die Flut an Familiengeschichten in den letzten Jahren, die – anders als in den letzten Jahrzehnten – Familie oft einfach erzählen, und nicht die Dysfunktionalität in die Mitte des Geschehens rücken. Das nimmt den Büchern oft das Zentrum, gleichwohl ist Irene Disches Familienroman lesbar (anders als ihre anderen Bücher, die mir durchweg, sofern gelesen , nicht gefallen haben). Wirklich charmant ist Eva Menasses „Vienna“, auch wenn die Protagonisten durch die Konzentration aufs episodische sehr unterschiedlich stark konturiert werden. Sehr nett an letzterem Buch der Verzicht auf diese etwas anstrengenden formalistischen Attitüden, die eines Tages dazu führen werdne, dass der größere Teil der Gegenwartsliteratur in tot weggeschmissen werden wird.