Ich begegne ihnen manchmal beruflich, bei diesen Temperaturen meist in ihren Wohnungen. Da trifft man dann auch ihre Kinder, die so dünne, durchsichtige Haut haben, und blau-braune Ringe unter den Augen. „Do Kleen koscht wieda so, musse zum Arzt mit gehn!“, motzen sie ihre Töchter an, die die Mütter der Kleinkinder sind. Die Herren selbst haben oft ganz schwarze Beine, wenn sie nämlich auch Diabetes haben, was gar nicht so selten ist. Rauchen und trinken natürlich weiter. „Mann, Frau F., isch hab doch sonst nix mehr im Leben!“, sagen sie. Fenster steht immer auf Kipp, immer, auch bei minus 15 Grad, „Der Rauch muss doch abziehn!“, die Heizkostennachzahlung wird nur teilweise von der ARGE übernommen, weil „unangemessen“. Logo. Heißt aber: Schulden beim Energieversorgen. Zusätzlich zu den Schulden bei Quelle, Vodafone, Telekom etc.
Die Frauen der Bierundkornmänner räumen derzeit die Weihnachtsdeko weg, die teurer war, als die kompletten Lebensmittelausgaben für Dezember. Ihnen ist das warme Licht der Lichterketten aber wichtiger als eine warme Suppe. Sie kaufen auch ihrer warmen Katze nur das teure Markenfutter. „Den Frass von Aldi krischt meine Minka nisch!“. Damit Minka nicht dieses Jahr wieder zwei mal sieben Kätzchen bekommt, habe ich einen Freund, der sich dunkle Schokolade mit Salz leisten kann, überreden können, die Sterilisation des Viehs zu bezahlen.
Und so weiter und so fort. Und doch: Ich bin ganz gerne dort, in den zugigen Sozialwohnungen, die vor 20 Jahren das letzte Mal renoviert wurden. Ich werde immer herzlich empfangen und verabschiedet. Es wird immer Klartext geredet und nichts nachgetragen. Die Ernsthaftigkeit, mit der der Bierundkornmann durch das Fenster in die Winterdämmerung schaut, rührt mich.