So ein Geselle zog irgendwann ins Erdgeschoss von dem Mannheimer Mehrparteienhaus, in dem ich lange Jahre wohnte. Hat mich auch oft genug genervt und abgestoßen mit seiner ordinären Art, seiner offensichtlichen Schmerzfreiheit was seine Außenwirkung angeht. Seine fidelen Kumpels in verschitzten Unterhemden, die es im Innenhof vor allem dann so richtig krachen ließen, wenn man wegen großer Sommerhitze eh nicht gut schlafen konnte. Da habe ich mich auch mehr als einmal bei Gedankengängen ertappt, dass das Amt seine Zuwendungen ruhig etwas selektiver oder zumindest wohlüberlegter vergeben könnte.
Im ersten Stock dann Kontrastprogramm: Ein Arzt mit patenter Frau und klavierspielendem Sohn, eher der leise und leicht zerstreut wirkende Typ.
Nun kam es aber ein, zwei Mal pro Halbjahr vor, dass in diesem Teil des Hauses richtig Randale war, Gebrüll, zerdepperte Flaschen und Gläser, Türenschlagen und An-die-Wand-Gehämmer, das volle Programm. Und eigentlich hätte ich erwartet, dass dieser Mordskrach von dem schnauzbärtigen Walross im Erdgeschoss kommen muss. Ja, von wegen. Das war der nette Herr Doktor, bei dem es ab und zu mal so richtig aushakte.
Als ich vor ein paar Monaten mal wieder in der Stadt war, habe ich es mir nicht verkneifen können, da mal vorbeizufahren. Die meisten Namen auf den Klingelschildern sind noch die mir bekannten. Sowohl der Arzt als auch das Proll-Walross wohnen noch da. Ihre Söhne werden beide schon aus dem Haus sein, und es werden sehr unterschiedliche Lebenswege sein, die sie jeweils einschlagen, da bin ich mir ziemlich sicher.