REPLY:
ich hingegen habe coelho nie [zu ende] gelesen. der ist mir wohl etwas zu spirituell. ich denke, da liegt zumindest ein unterschied. schmitt ist eher philosophisch veranlagt.
was ich an schmitt sehr sehr schätze ist seine einfache aber extrem präzise sprache. jedes wort steht am richtigen platz. man hat exakt so viel text wie es braucht, nicht mehr, nicht weniger. er verkünstelt sich nicht*. dazu kommt in den beiden von mir gelesenen büchern eine sehr einfache und geniale grundidee**, die im ersten augenblick völlig absurd klingt. aber genau darin liegt der reiz. nach dem eintauchen ins absurde wird dies immer mehr zur normalen geschichte, von der man nicht mehr los kommt.
ich habe übrigens nach beiden büchern unbewußt eine längere lesepause eingelegt, weil jedes angefaßte buch mich nach wenigen seiten zu tode langweilte …
* nichts hasse ich mehr. deswegen ist t. mann für mich auch völlig unlesbar. was nicht an der masse liegen kann, von dostojewski habe ich fast alles gelesen. bei gewissen szenen von schmitt denke ich oft an murakami [den ich auch sehr schätze], weiß aber nicht warum. ich vermute es sind ähnlich aufgebaute atmosphären.
** bspw.: das leben des adolf h. – wie wäre der lebensweg hitlers verlaufen, wenn er bei der kunsthochschule angenommen worden wäre? fand ich im ansatz zunächst sehr gewagt, andererseits auch etwas platt. ist aber ein aus der hüfte geschossener geniestreich, weil es gedanken in bewegung setzt, die man vorher nicht hatte. der erdachte lebensweg wird übrigens prallel zum „realen“ erzählt, was einen sehr eigenen reiz der gegenüberstellung in sich birgt.
http://www.stern.de/unterhaltung/buecher/:Eric-Emmanuel-Schmitt-Interview-Ich-Hitler/611469.html