Sie hatte das Bedürfnis, von einem Mann angeschaut zu werden, solange sie noch schön war, und Vater schaute sie schon längst nicht mehr so an, ihn interessierte es nicht mehr, wie sie aussah. Er sah alles möglich in ihr, nur nicht die Frau. In seinem Augen glich sie den Tagen, die sich aneinanderfügen wie die Steine in einer sorgfältig ausgeführten, stabilen Mauer, so dass kein Grund besteht, vom vorgezeichneten Plan abzuweichen; sie glich den in regelmäßigen Abständen eintreffenden Kontoauszügen, die sich in der Schublade anhäufen, den pünktlich aufgetragenen und nur vom Klappern des Bestecks auf den Tellern begleiteten Mahlzeiten, dem schlechten Wetter, mit dem man sich längst abgefunden hat und das man kaum mehr wahrnimmt, weil man nur noch daran denkt, dass es schon bald dunkel wird und man am nächsten Morgen wieder aufstehen muss, und dann folgt wieder ein Tag, ausgefüllt mit der gleichen mühsamen Arbeit und den gleichen Worten, die abgenutzt und abgeschliffen sind wie die Kieselsteine, welche vom Meer ans Ufer getragen und wieder fortgespült werden. Das ist es, was die Zeit aus einer Frau macht. Das ist, was einen Mann erwartet, der ohne etwas zu sehen neben seiner Frau dahinlebt.

Alain Leblanc – Die Brücke von Ambreville