Gelernt (3)

Auch gelernt: Es ist schwerer als ich dachte, einen Mann einzuladen. Also nicht das Ob eines Treffens, sondern wer zahlt.

Ich finde es nicht mal hierarchisierend, mich einladen zu lassen, weil ich an sich nicht an Geld glaube. Ich lasse mir auch gern Lokale, Speisen und Weine vorschlagen, wenn jemand sich auskennt oder einfach Freude daran hat. Aber irgendwann im letzten Jahr fiel mir auf, dass jedesmal, wenn ich irgendwo mit einem Mann bin, meine Begleitung die Rechnung an sich reißt. Seitdem versuche ich, den Spieß umzudrehen.

Nun, was soll ich sagen: Es haut nicht hin. Einladen kann ich sehr junge Männer, aber dann muss der Altersabstand mindestens 15 Jahre betragen. Abraten kann ich von der Einladung geringfügig jüngerer Männer, die fühlen sich dann nicht ernst genommen und sitzen dann sehr unzufrieden am Tisch. Oder ich setze mich durch (nein, ach, lass mal, ne, jetzt aber, beim nächsten Mal …), aber der Mann fängt unruhig an, auf seinem Stuhl hin und her zu rutschen, und wer will das.

Es geht hier nicht einmal um irgendwie romantische Treffen. In meinem Alter war Heinrich Himmler schon tot: Ich habe also gar keine romantischen Treffen. Ich treffe Leute einfach so. Ich lege meine Hand dafür ins Feuer, die Hälfte der Begleitungen hält sich für Feministen. Keiner glaubt – zumindest nicht so öffentlich – an unterschiedliche Rollen für Frauen und Männer. Aber sich einladen lassen, und sei es nur auf einen Teller Nudeln? Ich schwöre, der erste, der sich einfach nur ganz normal über eine alltägliche Freundlichkeit freut, bekommt gleich noch einen doppelten Wodka für absolute Coolness und bewundernswerte Souveränität.

8 Gedanken zu „Gelernt (3)

  1. Vielleicht liegt es nicht am Alter. Lad doch mal einen Hipster ein, der nicht mehr besitzt als seine fünf iDevices und was er am Leib trägt. Der freut sich bestimmt über eine Einladung zu ein paar Pesto-Nudeln.

  2. Was hat Heinrich Himmler mit dem Alter zu tun? Oder mit Romantik?? Über den Sinn dieses einen Satzes da oben denke ich jetzt seit Minuten nach, vergeblich.

    1. Oh, das tut mir leid. Tatsächlich bin ich immer wieder überrascht, wie jung manche historische Persönlichkeiten gestorben sind. Himmler zB mit 44. Der Vergleich soll lediglich illustrieren: Ich bin sehr, sehr alt. Und Dates habe ich deswegen (?) auch keine.

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