Am Abend zog mein Vater die Vorhänge zu, setzte sich in den Sessel, der heute vor meinen Büchern steht, und begann vorzulesen. Von den Gebrüdern Grimm und Erich Kästner über den Rheinischen Hausfreund bis zu C. F. Meyer, Stefan Zweig und Grillparzer wurden die Lesezeiten später und später, und irgendwann, mitten im Maupassant, packte ich meine Sachen und zog aus.
„Lies mir doch vor.“, bat ich mal den einen, mal den anderen, aber der eine erwies sich als unfähig, seine sarkastische Irritation über diese Bitte nicht in jedem gelesenen Wort mitschwingen zu lassen. Ein anderer unterbrach sich ständig beim Lesen, und riss mich mit seinen Anmerkungen und Anekdoten aus dem sanften Schwung der Worte, auf dem ich davongleiten wollte, erzählte dies und das, und schließlich bat ich nicht mehr, sondern las ausschließlich selbst. Der letzte, der geschätzte ehemalige Gefährte J., las nicht vor, und ob ich ihn nicht bat, ob er sich dem Lesen entzog, ist mir entschwunden, und auch er weiß es nicht mehr zu sagen. Gut geschlafen habe ich trotzdem, so warme Arme und den regelmäßigen Atem, das nächtliche, beruhigende Flüstern nach den schlechten Träumen, und am Morgen mit der Tasse Caffé Americano geweckt, die ich damals noch vertrug. „Wie spät ist es?“, war stets die erste Frage, und meist, musste ich nicht arbeiten, war es dann zehn. Oder elf, oder noch später, am kühlen, hellen Morgen nach Hause gelangt, und erst erwacht, wenn die Cafés längst die Markisen ausgerollt hatten zum Schutz gegen die Mittagssonne.
Ob es am Vorlesen liegt, oder am fehlenden Wächter des Schlafes und der Träume? Ob mein Schlafzimmer zu hell ist, oder meine Matratzen nicht optimal? Ob es einfach normal ist, jeden Morgen, aber auch jeden Morgen, um sieben zu erwachen allerspätestens, heimgekommen um drei, hellwach den Rechner noch einmal hochgefahren, oder leise plaudernd auf dem Balkon gesessen, bis auf der schwarzen Silhouette des Alex die hellen und die dunklen Felder sichtbar wurden.
An Naturheilkunde glaube ich schon aus Prinzip nicht, und so helfen Johanniskraut und Baldrian nicht durch die Nächte. Vor den obskuren Mittelchen der pharmazeutischen Wissenschaften graut mir noch ein wenig. Und vielleicht, so sage ich mir, wartet ja irgendwo noch ein Vorleser auf mich, der mich nach wiederum acht Stunden Schlaf mit einer Kanne Tee aus Träumen zieht, die keinen Wächter brauchen.
Ein Stöckchen vom wahrhaft verehrungswürdigen Herrn Kid kann man natürlich nicht liegenlassen:
1. Du steckst in der Welt von Fahrenheit 451, welches Buch möchtest Du sein?
Vielleicht Hugo von Hoffmannsthal, Der Tor und der Tod. Dabei sind die Schwächen dieses Buches Legion, der Stil kippt manchmal fast ins Süßliche und sein Eklektizismus stößt mit dem Kopf locker gegen die Stratosphäre. Der Verführung, die von dieser klingenden Melange von Schönheit, Sinken und Dämmerung ausgeht, kann ich mich trotzdem nicht entziehen. Die Angst, auf den Oberflächen des Seins letztlich am Lebendigen zu versagen, die halsabschnürende Furcht vor den scharfen Schatten des Nichts, hat in diesem schmalen Bändchen, Insel-Bücherei Nr. 28, einen Ausdruck weichen, goldenen Lichts gefunden, den ich vielleicht gerade seiner Schwächen wegen liebe.
2. Warst du je in eine Figur aus einem Buch verknallt?
Aber selbstverständlich. In Lord Henry Wotton zum Beispiel. Oder in Darcy. Im Allgemeinen in das, was jeweils gerade nicht zur Verfügung stand.
3. Welches Buch hast du zuletzt gekauft?
Von Alexander Lernet Holenia, Die Standarte, die man nicht gelesen haben muss, auch wenn Lernet-Holenia wunderbare Bücher geschrieben hat, den Baron Bagge zum Beispiel oder auch Beide Sizilien; außerdem von Hermann Kasack, Die Stadt hinter dem Strom, die in einem Zwischenreich zwischen Tod und Leben spielt, in dem Erinnerungen und individuelles Sein aus den jüngst Gestorbenen gespült werden, ein Vorwaschgang des Jenseits, und Manfred Fuhrmanns Geschichte der Römischen Literatur, um ein wenig gebildeter zu werden, falls mal jemand fragt.
4. Welches Buch hast du zuletzt gelesen?
Die Standarte, und Nadeschda Mandelstam, Das Jahrhundert der Wölfe, eines jener Bücher über den blutigen Tod des Traumes von Freiheit und Gleichheit im Gulag.
5. Welches Buch liest du gerade?
Die Stadt hinter dem Strom und Hunter S. Thompson, The Rum Diary, das hinter meinen Erwartungen bisher leider ein wenig zurückbleibt – aber Fear And Loathing in Las Vegas hat die Latte auch hoch gehängt.
6. Welche fünf Bücher nähmst du mit auf eine einsame Insel?
Fünf ist bitter. Man kennt ja die Prozedur vor dem offenen Koffer – nur zwanzig Kilo Gepäck und etwas anzuziehen braucht man ja auch noch. Wählen wir also aus:
1. Die Buddenbrooks natürlich. Immer wieder gerne. Wie der Tod die Konsulin Kröger bricht. Was habe ich über Christian Buddenbrook gelacht, mit Toni, dieser Verkörperung fehlgeschlagener guter Absichten, gelitten, dem Konsul Thomas bei der Anstrengung zugesehen, die Fasson zu wahren, und am Ende stirbt es sich dann doch, weil man nicht mehr zubeißen kann. Nur Hanno, den mag ich nicht, und hätte ihn bestimmt gekniffen in der Schule, Weichling, den.
2. Djuna Barnes, Nightwood, meinen magischen Gesang, Müdigkeit und Untergang. Oder doch die Gräfin Reventlow, Von Paul zu Pedro, jenes kleine charmante Büchlein über die Liebe, das ich mit 19 einmal geschenkt bekam von jemandem, der die Wahrheit hinter jenen lächelnden Zeilen bis heute nicht erkennen will.
3. Natürlich Theodor Mommsens Römische Geschichte, diese brillante, unterhaltsame, selbst in den ödesten Teilen zu Ackerbau und Kriegsführung nie langweilige Schilderung des Aufstiegs Roms. Mit Mommsen auf dem Nachttisch werden Generationen von Schülern von einer großen Karriere als Althistoriker geträumt haben – leider scheinen die Träume nicht sehr erfolgreich gewesen zu sein: Die meisten Althistoriker schreiben sturzlangweilige Werke. Ähnlich amüsant zur Neuzeit ist dann wohl nur der geschätzte Friedell, der wiederum der exakten Wissenschaft weniger zuzurechnen ist, aber das kann mir als Leser zum Glück ja egal sein.
4. Proust. Die Suche nach der verlorenen Zeit. Daran lese ich seit Jahren, ein Buch, in dessen ebenso eleganten wie abseitigen Räumen man sich verlieren kann, aber zum sich Verlieren braucht man Zeit und Ruhe. Eine einsame Insel ist da genau das Richtige, um Sodom und Gomorrha zu verlassen und die verlorene Zeit wiederzufinden.
5. Und Eichendorffs Taugenichts natürlich, eine heitere, runde Unschuld, ein vormoderner Sehnsuchtsort, in dem die Zitronen blühen, die Wasser am Mühlbach rauschen und am Ende bekommen sie sich noch dazu.
Ja, und dann stehe ich vor dem Koffer, mein Reisegepäck geht kaum noch zu, hinter mir liegt ein Haufen Bücher – und muss wohl daheim bleiben. Ach, denke ich – was soll ich anfangen ohne den geliebten Doderer. Joseph Roth und Perutz, Virginia Woolf, Kleist, die französischen Naturalisten, denen ich doch gerne auf der Insel einen kleinen Altar aus Sand baute, mit Muscheln drauf. Aber der Koffer ist zu.
Langsam wird´s schwierig – aber Frau Arboretum hat noch kein Stöckchen gefangen. Und die Frau Brittbee soll auch einmal darlegen, was denn auf ihrem Nachttisch liegt. Und was Herr Parka liest, will ich auch mal wissen.
„Wir haben uns wieder vertragen.“, berichtet die A., und gießt sich ein wenig Milch in den Tee. Ihr Gefährte habe gelobt, die kleine und vollkommen bedeutungslose Eskapade mit einem äußerst muskulösen Herrn aus seinem Gedächtnis zu streichen, und hätte versprochen, nie wieder dieses leidige Thema anzuschneiden. „Modeste,“, sagt die A. „du kannst dir nicht vorstellen, wie er auf der Sache herumgeritten ist. Als wäre sonstwas vorgefallen.“ Einen Augenblick denke ich mit Mitleid an den klugen und stillen Freund der A., in dessen Koordinatensystem vermutlich tatsächlich nicht nur sonstwas, sondern der größte anzunehmende Unfall stattgefunden hat. „Armer Kerl.“, sage ich deswegen. A. schnaubt.
„Wirklich, Modeste, ich liebe ihn, ich würde ihn morgen heiraten.“ sagt A., und schiebt sich den letzten Rest eines Merveilleux in den Mund. „Aber so hinter dem Mond kann man doch gar nicht leben. Ich habe ihn gefragt – sind deine Eltern treu – ist irgendwer treu, den du kennst? Treu ist keiner, die einen reden nur mehr drüber als die anderen, also bitte.“ Ehrlich entrüstet schaut mich die A. über den Rand ihrer Teetasse an. Die stattgefundenen Diskussionen stehen mir lebhaft vor Augen.
„Und darauf hat er sich eingelassen?“, frage ich die A., die aufgebracht den Kopf schüttelt. „Mit dem Mann kann man ja nicht vernünftig reden.“, meint die A. Sie habe alles versprochen, und sei selber gespannt, wie lange die guten Vorsätze halten.
„Und jetzt gehen wir shoppen, ja?“, fragt die A. und schildert einen dramatischen Mangel an Oberbekleidung.
„Liebe Modeste,“ steht in der Klappkarte mit dem Brautpaar vorne drauf, „vielen Dank für die schönen Eierlöffel, die wir jeden Morgen benutzen!“ – Nichts zu danken, denke ich, und bewundere ein wenig das Brautkleid mit einem Überwurf aus elfenbeinfarbener Spitze, das geschmackvolle Diadem, und die – mir unbekannte – lächelnde Braut mit rotblonden aufgesteckten Haaren. Ich war nicht auf der Hochzeit.
„Erstklassige Feier“, berichtet der T. auf telephonische Anfrage, und hebt die Familie der Braut hervor, deren Familie schon mit Heinrich dem Löwen gen Osten ritt. Der Bräutigam habe Glück gehabt. „Wieso bist du nicht mitgekommen?“, fragt T., und berichtet, es sei nach mir gefragt worden. Der Bräutigam G. habe sich am Abend mit T. eine ganze Weile über mich unterhalten und bedauert, dass der enge Kontakt nach dem Umzug in der Oberstufe so schnell versiegt sei. Auch die N., enge Freundin sowohl des G als auch von mir, sei leider nicht dagewesen, heirate aber selbst im Herbst in Wien. „Heiratet bestimmt nicht irgendwen, die N.“, beschließt T. das Gespräch, und damit hat er wohl recht.
Damals, frisch in der Obertertia, war die N. meine lässige Nebensitzerin, ein Mädchen wie von Arno Breker in Stein gehauen, und zu ihren Füßen lag die halbe Oberstufe und winselte. Schließlich küsste sie den Schlagmann des Schulachters, um ihn noch vorm Ende des Halbjahres gegen einen athletischen Studenten auszutauschen, der nicht nur adelig war, sondern auch reich. „Du brauchst auch einen Freund.“, sagte die N. nachmittags zu mir, teetrinkend auf unserer Veranda. – Zwar teilte ich diese Auffassung der N., die Anschaffung eines Gefährten allein erwies sich insbesondere vor dem Hintergrund schwierig, dass ich, ganz für mich, mir schon einen Kandidaten ausgesucht hatte, den G. nämlich, jenen inzwischen frisch verheirateten Herrn.
Die Schritte, die Menschen unternehmen, um denen nahe zu sein, die sie verehren, haben es an sich, dass sie nur dann nicht unendlich tölpelhaft, peinlich aufdringlich und unglaublich ridikül wirken, wenn es denn letztendlich klappt, und man sich eines Tages in die Arme sinkt. Diese Erkenntnis jedoch blieb einem späteren Lebensalter vorbehalten, und so begab sich mein fünfzehnjähriges Ich in den Redaktionsraum der Schülerzeitung, um dort die Mittelstufenseite vollzuschreiben, und dem G. näherzukommen. In der Pause zerrte ich N. auf den Raucherschulhof, wo der G. herumstand, und bis heute fürchte ich, dass meine Teilnahme am Finale von „Jugend trainiert“ in gleich drei Wettkampfklassen im wesentlichen auf den Wunsch zurückzuführen war, G. zu begleiten.
Die Kalkulation, G. wenigstens kennenzulernen, ging immerhin auf. Wir gingen ins Kino, ich trank meinen ersten Gin Tonic auf seinem 18. Geburtstag, und G. versuchte mir erfolglos, Chemie beizubringen. Nachts träumte ich vom G., morgens wartete ich auf ihn im Foyer der Schule, und eines Tages fasste ich mir ein Herz, und griff nach seiner Hand. Ein paar Minuten saßen wir so da, ich umklammerte seine Finger, und schließlich zog G., seine Linke vorsichtig weg, alle Himmel stürzten ein, ich heulte eine Woche am Stück und wollte nie mehr in die Schule gehen.
Ein paar Wochen später stand der G. vor unserer Haustür, ich schöpfte neue Hoffnung, kochte eine große Kanne Tee, und erfuhr, dass sich auch G.´s Herz keineswegs auf dem freien Markt befand. Das Mädchen, dem seine Neigung gehörte, war blond, schlank und sportlich, verbrachte seine ganze Freizeit auf Pferden, und sprach so gut wie nie.
„Tja, dann –„, sagte ich, und lächelte vernichtet und ein bißchen geniert vor mich hin. G. nickte, verabschiedete sich, und ein paar Wochen später war die schweigsame Blonde seine Freundin. „Nimm´s dir doch nicht so zu Herzen.“, riet die N., und versuchte, mein Augenmerk auf andere nette Menschen zu lenken. Wer einen nicht liebe, sei einen auch nicht wert. Geradezu eine Notwendigkeit des Stolzes sei daher unverzüglich ein fester Freund, damit weder der G. und auch sonst einer bemerke, dass mir die ganze Sache ja offenbar ein wenig mehr zu Herzen gegangen sei, als man noch als vernünftig bezeichnen könne. Überdies gebe es nichts, was vor den Augen der Welt lächerlicher sei als vergebliches Hinterherlaufen.
Ich schwieg und litt also im vollen Bewusstsein, mich gerade unsterblich zum Depp zu machen, und spazierte ein paar Wochen im Winter neben einem Studenten mit Überbiss über den Weihnachtsmarkt, dessen Namen ich vergessen habe.
Mit dem Hochzeitsphoto in der Hand stehe ich ein paar Minuten am Fenster. Aus dem Hinterhof winkt mir ein Nachbar hoch, ich winke zurück, und setze mich wieder an den Schreibtisch. Irgendwo, in einer Ecke, sitzt mein fünfzehnjähriges Ich und schnieft ein bißchen vor sich hin. „Blöde Bratz´n“, sage ich zu dem kleinen Mädchen, das ich schon so lange nicht mehr bin. Das kleine Mädchen erzählt von Hochzeiten in weiß, Nächten mit dem Kopf an einer warmen Schulter und Zusammenbleiben für immer.
„Schmink´s dir ab.“, sage ich, und schicke die Kleine weg.
Die Vergänglichkeit, so sagt man, beschäftigt den alten Menschen naturgemäß mehr als den jungen. Nicht nur das weitere Schicksal unserer unsterblichen Seele, sondern auch die Frage, welche künftigen Wege jene irdischen Besitztümer nehmen, die uns teuer sind, stellen auf dem Wege zum Grabe indes Umstände dar, an die gerade ein seit 15 Jahren verwitweter kinderloser Greis von über achtzig Jahren mit Bangen denken mag, und anders ist jener Vorfall des mir ansonsten ziemlich unbekannten Onkel H. auch gar nicht verständlich.
Den Onkel H., ein Vetter meiner Großvater oder so, hatte ich zuletzt auf der Beerdigung meines Großvaters gesehen, damals noch in Begleitung seiner Gattin, und nach jenem letzten gemeinschaftsstiftenden Ereignis der Großfamilie vollkommen aus den Augen verloren. Mit den Jahren, so sagt man sich, sei er ein wenig wunderlich geworden, wie es denn so geht, wenn erst die Gefährtin dahinsinkt, und man sich dann auch noch mit der ganzen restlichen Sippe zerstreitet, ohne in einem ausgedehnten Freundeskreis hinreichenden Ersatz zu finden. Allein mit einer zumindest für einen Privatmann verhältnismäßig umfangreichen Bibliothek verblieb Onkel H. also in seinem Einfamilienhaus und wurde steinalt und ein bißchen komisch. Lange Jahre hörte niemand etwas vom Onkel H.
Eines Tages jedoch klingelt bei einer Person, die ich der Einfachheit halber hier einmal schlicht eine Tante nennen möchte, das Telephon, und des H. Nachbarn sind dran. Onkel H., so berichten diese, grabe seit Anfang März den ganzen Garten einmal sorgfältig um und versenke in den offenen Löchern große, schwere Gegenstände. Oha, dachte meine Tante, und rief den Onkel bei Gelegenheit einmal an. Der Onkel verleugnete sich.
„Was meint du, mit er verleugnete sich?“, frage ich ein wenig irritiert nach. „Naja,“, sagt meine Tante, „stelle dir vor, ich rufe dich an, und du behauptest, du wärest gar nicht du. Sondern deine Mitbewohnerin.“ „Ach so.“, antworte ich, und fürchte das Schlimmste für den Geisteszustand jenes Onkels, das sich dann auch sogleich bestätigen sollte: „Onkel H. ist ja leider verrückt geworden.“, meint meine Tante, und schildert den Besuch beim H. am Wochenende nach dem erfolglosen Versuch telephonischer Aufklärung.
Gegen Mittag biegt die Tante also in die Straße des Onkels ein, und sieht schon an der Ecke das Malheur: Tatsächlich besteht der ganze Vorgarten – und wie sich später herausstellen sollte: der Garten nach hinten heraus auch – aus einer planen, wüsten Ackerfläche. „Hat er dich denn ohne Probleme ins Haus gelassen?“, frage ich, und ernte die Versicherung der Tante, der Onkel sei nachgerade froh gewesen über ihr Auftauchen, und das könne er auch sein, denn einen Geistesgestörten – nicht? – könne man ja unmöglich allein lassen, der müsse unverzüglich unter Aufsicht, und dafür habe sie dann auch gesorgt.
„Woran hast du gemerkt, dass er krank ist?“, frage ich ein bißchen irritiert nach. „Die Bücher!“, trompetet die Tante, und legt die Umstände einer wahrhaft sonderlichen Regelung auf den Todesfall dar: Besagter Onkel also, bar der Nachkommen und ohne nennenswerte literaturbeflissene Bekannte, begann wohl vor einigen Jahren, um jene Bibliothek, die den Quell der Freude seines ansonsten etwas eintönigen Lebens darstellte, zu fürchten. Traurig winkten die Bücherkisten der Trödler dem Einsamen zu, vor seinem geistigen Auge wuchsen starke Männer aus dem Boden, die im Auftrage einer Firma für Wohnungsauflösungen die Bibliothek mitnehmen und sodann auseinanderreißen und für billiges Geld verramschen würden. Weh wurde es dem Onkel, Marbach wollte seine Bibliothek nicht haben, und so beschloss der Onkel die Bücher mit ins Grab zu nehmen wie, so sagt man, Inder bisweilen ihre Ehefrau.
Größe und Benutzungsmodalitäten herkömmlicher Grabstätten verboten indes eine allzu wörtliche Ausführung dieses Plans. Unter die Erde, geschützt vor den raubgierigen Fingern der Wohnungsauflöser und der fleddernden Verwandten, die den gesammelten Kleist mitnehmen, und die Tagebücher Ernst Jüngers wegschmeißen würden, sollten die Bücher gleichwohl, und so erwarb der Onkel große wasserdichte Kisten, und hob an, das Glück seines Lebens einen Meter tief unter seinem Garten für nachfolgende Generationen aufzusparen.
„Ist er sonst denn noch ganz gut beieinander?“, frage ich die Tante, und ernte ein entrüstetes Schnauben. Mit Zähnen und Klauen habe er sich gegen das Altenheim gewehrt, mit Einweisung habe sie drohen müssen, aber so habe es ja nicht gut weitergehen können, und ein gut geführtes Heim habe sie auch gefunden. „Kann er die Bücher da denn mitnehmen?“, frage ich nach, und meine Tante weist auf die immensen Kosten der Wiederausgrabung hin. Den Nachbarsjungen habe sie Geld gegeben, und hoffe demnächst die Kisten wieder vollzählig vorzufinden.
Ins Heim aber, so sagt meine Tante, werde der alte Mann die Bücher kaum mitnehmen können, höchstens eine Auswahl, und so werde sie die Bücher wohl, wie auch das Haus, verkaufen.
In meinem Himmel habe ich nur die Spatzen fliegen gesehen. Und wenn gute Mächte auch mich wunderbar geborgen haben sollten, dann habe ich ihre Präsenz trotzdem nie gespürt: Kein lockiger Bewohner des Olymps durchstreift leichten Fußes die Haine meines Lebens, und niemand greift nach Flamme und Schwert. Den Stierköpfigen habe ich nicht getroffen, und von meinem Sinai kommt keiner herab, den Tanz um die Goldenen Kälber meines Lebens zu geißeln und zu strafen. Die Allmacht des Einen oder die kleine Macht der Vielen legt keine Hand auf meine Schultern, die ich spüren kann. Wenn Einer über Allem sein Auge auf mir ruhen lässt – ich habe es nicht bemerkt.
Manchmal aber, meistens nachts, greift mir eine Angst ans Herz, ob doch eines Tages der Tag des Zorns über mich kommt, ob hinter den Kulissen dieses Lebens die Waage stehen mag, auf der ich eines Tages gewogen werde. Dann hoffe ich ein bißchen, nicht für zu leicht befunden zu werden, und fürchte das Schlimmste für mich, die sich, wenn es denn geht, fernab der Wurzeln des verworrenen Lebens auf jenen Wassern treiben lässt, die auch ein guter Vater über´m Sternenzelt trüb finden mag, um mich sodann als Lauwarme zu qualifizieren, welche bekanntlich auszuspeien sind aus seinem Munde. – Ob ein Plan waltet, eine Richtschnur, der ich nicht genügen mag mit meinem Tun und Treiben an den glatten Oberflächen der Welt, ob meine Spiele genug sind für dieses Lebens Wert vor höheren Augen, bezweifele ich dann und fürchte mich ein wenig vor dem, was dann kommen mag. Warum die Gnade des Glaubens mir nicht zuteil geworden ist, und keine festen Halteseile mich an unsichtbare Maße binden, frage ich mich dann und finde keine Antwort.
Hätte nicht, frage ich, ein gerechter Richter einen Hinweis geben müssen, oder das Gefühl der Allmacht jenes Höchsten mich ein einziges Mal erfüllen sollen, oder irgendwo aus den Tiefen der Quell sichtbar werden, der den Fluß des festen Glaubens speisen könnte, den ich bei anderen sehe, und an dessen Ufer ich nicht gelange? Woher aber nehmen die Gläubigen die Sicherheit, dass – wessen Auge auch immer – tatsächlich auf ihnen ruht? Warum sollte Der, zu dem man betet, Anteil nehmen an den sinnlosen Verrichtungen Sterblicher, erbetene Wünsche erfüllen, und die Guten am Ende vor die Schlechten setzen? Liegt nicht vielleicht vielmehr, wenn denn der Himmel nicht leer sein sollte, ein gleichgültiges Auge auf dieser Welt? – Das denke ich dann, und fürchte mich noch mehr vor der Leere und dem Ende und dem Erlöschen in Nacht und Staub und Mikroben.
Mag sein, der Himmel bleibt mir leer. Mag auch sein, irgendwann einmal, in vielen Jahren vielleicht oder auch morgen, spüre ich Seinen Anhauch im Nacken, oder es greift mir eine feste Hand ans Herz. Irgendwo auf den ziellosen Wegen meines Lebens, steht er dann und wartet. Ich werde Angst haben, vielleicht werde ich mich auch auf den Boden werfen, weil es hell sein wird, stelle ich mir so vor, und weiß nicht, ob ich mir das wünschen soll.
Die Bar ist voll, eine dunkle, vibrierende Stimme aus den Boxen an der Decke singt von Tränen und zu vielen Abschieden, und J.² flüstert mir Geschichten über die schrecklichsten Nächte seines Lebens ins rechte Ohr. Die drei Männer an der Theke prosten mir zu, ich hebe automatisch das Glas, lächele, und flüstere zurück, denn auch da gibt es einiges zu erzählen, das ich vergessen habe, tagsüber, und wenn keiner danach fragt. J.² schaut an mir vorbei an die Decke, legt den Kopf auf die braune Holzfläche, die die meergrünen Polster vom Fenster trennen, und hört mir zu. Manchmal, wenn sich die Geschichten verdunkeln, legt er mir den Arm um die Schulter und streichelt über den schwarzen Stoff und jenes Stück Haut zwischen Hals und Schlüsselbein. Über jene Geschichte, die auch im Ordner mit schrecklichsten Nächten unserer Leben abgeheftet ist, sprechen wir nicht, denn das ist lange her, und seit Jahren alles gesagt, um die eisernen Haken noch tiefer ins Fleisch zu treiben.
„Komm´ ich noch nach Hause?“, fragt J.², der Neuling in der Stadt, als die Kellnerin beginnt, die Theke abzuwischen. „Am Wochenende,“, sage ich, „fahren die Bahnen die ganze Nacht.“ Und dass er notfalls auch bei mir übernachten können, bevor er sich ein Taxi nehmen müsse bis in die westlichen Vororte, denn das ist weit. „Kommst du noch mit zur Bahn?“, fragt er, und dreht eine Strähne meiner Haare um seinen Zeigefinger.
Die Schwedter Straße hinab erzählen wir uns von verlorenen Paradiesen, den beglänzten Sommerhäusern der Kindheit, den Festen unserer Eltern, als wir klein waren, und uns in Samtanzug und Taftkleidchen zwischen den Erwachsenen versteckten.
Die Bahn Richtung Ruhleben fährt in einer Minute. „Ich zieh´ dann mal eine Fahrkarte,“, sagt J.², und ich nicke. Die Fahrkarte in der Hand kommt er zu mir zurück, umarmt mich, drückt mich an sich, bis das Abfahrtssignal der Bahn tönt, und die Türen beginnen, sich zu schließen.
Langsam gehe ich zurück, vorbei an den dunklen Fenstern der Bar.
„Das Tollste hast du ja noch gar nicht gehört.“, sagt die C. Ihr Bruder werde heiraten. „Ich dachte, der kennt gar keine Frauen?“, frage ich nach, und schaufele mir ziemlich viel Zucker in den Tee. „Hat er im Studium kennengelernt.“, sagt die C. Eine Beziehung habe zum Zeitpunkt des gemeinsamen Studiums ihres Bruders und seiner Braut indes nie bestanden. „Ich heirate ja verhältnismäßig selten Leute, nur weil die in meinem Semester waren.“, antworte ich, und harre der Dinge, die da kommen sollen.
Über der C. jüngeren Bruder erzählt man sich ohnehin einiges, was auf einen eher ungewöhnlichen Geisteszustand des jungen Mannes schließen lässt. Was, zum Beispiel, so fragt sich der geneigte Zuhörer, soll man auch über einen Menschen denken, der die Person seines eigenen Arbeitgebers hartnäckig und über Monate der Familie verschweigt, aus Angst, die zu peinvollen Aktionen keinesfalls neigende Mutter riefe im Büro an? Oder Mutter und Schwester auf fremden Straßen bei einem gemeinsamen Ausflug abrupt und für mehrere Stunden stehen lässt, ohne seinen Verbleib nach seiner Wiederkehr geraume Zeit später in irgendeiner Weise zu erläutern? Eine Heirat jedenfalls, so war den vormaligen Erzählungen meiner lieben C. zu entnehmen, schien der Familie schon aufgrund der Tatsache ausgeschlossen, dass festere Bindungen zu den Mitgliedern des weiblichen Geschlechts in der nunmehr auch schon fast drei Jahrzehnte währenden Vergangenheit des jungen Mannes offenbar zu keinem Zeitpunkt bestanden.
„Wie kommt denn die Frau dazu, deinen Bruder zu heiraten, wenn die beiden nicht mal zusammen sind?“, frage ich, und bestelle angesichts der Kälte eine weitere heiße Schokolade und Kuchen. Weitere Gewichtszunahmen, so beschließe ich bei mir, sind angesichts der Wollpullover, die dieses Jahr anscheinend ganzjährig getragen werden, auch egal.
Die Dame, so erzählt C. mir, sei eine charmante Studentin gewesen, gebürtig aus fernen Landen, und nach beendeter Ausbildung in jene fernen Lande auch wieder entschwunden. Mit sich genommen habe sie, wie man es eben so macht, diverse E-Mailadressen diverser Kommilitonen, und unter jenen sei eben ihr Bruder derjenige gewesen, der am häufigsten geantwortet habe, dann habe man telephoniert, sich per Telephon verliebt, und am Ende beschlossen, auf der Stelle einander auf ewig anzugehören.
„Das geht ja fix.“, sage ich, und überlege ein bißchen, wie viele Jahre mein letzter spontaner Entschluss überhaupt her ist, und versenke das Ergebnis schleunigst auf dem Grund einer dicken, süßen Schokolade. „Die wird sich noch umschauen.“, meint C., und es klingt fast ein wenig schadenfroh. „Hört sich doch ganz romantisch an.“, meine ich, während C. in aller Ausführlichkeit die Unfähigkeit ihres Bruders, mit überhaupt irgend jemand zusammenzuleben, schildert. Es hört sich nicht gut an.
„Wann soll das große Ereignis denn stattfinde?“, frage ich nach, und C. erzählt irgendwas von „in zwei Wochen“. Der Flug sei gebucht, die Studentin habe ihre beweglichen Besitztümer in ein paar Kisten gepackt, ihren Job gekündigt, und ihren Eltern von der bevorstehenden Hochzeit erzählt.
„Was sagt denn deine Mutter?“, erkundige ich mich. C. verdreht ein bißchen die Augen und zieht die linke Augenbraue hoch: „Hat den Flug auch schon gebucht, und will meinen Bruder retten.“ „Nicht schlecht.“, sage ich. „Kampf um die arme Seele.“
„Könnte unterhaltsam werden.“, meint C., und blättert ein bißchen in der Karte. Mangels Urlaub sei ein Besuch ihrerseits als Schlachtenbummlerin leider so gut wie ausgeschlossen.
Irgendwann einmal, wenn das 103 schon lange dichtgemacht hat, und kein Mensch mehr weiß, warum Tom Ford eigentlich Gott ist, und nur ganz alte Leute sich erinnern können, wie die Parties nachts in der Volksbühne riechen, werden vielleicht auch von jenen Menschen Memoiren erscheinen, die jetzt neben uns sitzen in der sanften, orangefarbenen Beleuchtung auf den beigefarbenen Bänken an der Wand. Die schwarzen Brillen am Nachbartisch, die beiden exaltierten blonden Mädchen, die magere Frau an der Bar, die sich beim Lachen so weit zurücklehnt, dass ihr Mund ausschaut wie ein schwarzes Loch, werden schreiben, wie sie einmal, Jahrzehnte wird es dann her sein, in die Stadt gekommen sind. Wie sich ein paar Hoffnungen erfüllt haben, wie die Rückschläge kamen. Wie jemand sie enttäuscht haben wird, privat, beruflich, oder von beidem ein bißchen. Vielleicht werden sie auch die Bar beschreiben, die dünne, riesengroße Kellnerin, die Tram hinter den großen Fenstern, und den Versuch, den frischen Pfefferminztee an den Stengeln vorbei zu trinken.
Die, die verlieren, werden ihre Erinnerungen für sich behalten. Die gewonnen haben werden, was es auch immer noch zu gewinnen gibt, werden die Klimax ihrer Erfolge schildern. Das Festival in der Provinz. Die Einladungen zum Theatertreffen. Die retardierenden Momente, weil ein unbegabter Konkurrent bei einflussreicher Stelle intrigiert haben wird. Die Erwartung, die Spannung, wenn die Welt alle ihre Tore öffnet, werden sie nicht vergessen haben. Die verregneten Nächte im Mai, in denen die eigenen Schritte das einzige sind, was man hört auf dem Heimweg. Die Blicke auf dem Weg einmal um den Tresen, das Frösteln, wenn man an Sommermorgen vor die Tür der Clubs tritt und sich schämt vor dem klaren Licht wegen etwas, für das man keinen Namen hat. Die Sachlichkeit der Küsse. Die Sehnsucht nach etwas, was größer ist als man selbst, und das man nachts manchmal spüren kann, kurz vorm Aufwachen. Die Angst, einmal tot zu sein, und etwas verpasst zu haben, von dem man nicht weiß, wie es heißt. Die Einsamkeit daheim. Die Stille vor der offenen Balkontür, vor der der weiße Rauch sich in nichts auflöst wie wir alle am Ende.
„Als Frau hat man´s gut!“, jammert mein kleiner Cousin, und ich schaue ein wenig gelangweilt aus dem Fenster. Gemöcht, denke ich, und wie schön eine heiße Tasse Tee an diesem kalten Nachmittag wäre, legte der Kleine mal so langsam auf. „Als Junge hat man doch immer den schwarzen Peter.“, lamentiert mein jugendlicher Vetter weiter, und erläutert ausführlich die Ungerechtigkeit, die in der Verpflichtung des Mannes läge, das menschliche Liebesleben durch Worte und Taten zu leiten und zu lenken. Als Frau könne man mit enigmatischem Lächeln daneben stehen, dem armen Kerl beim Schwitzen zusehen, und die Bemühungen je nach Laune gnädig annehmen oder abschlägig bescheiden.
„Das ist doch der schiere Blödsinn.“, sage ich, und beobachte die Wolkenbildung über dem Hinterhaus: Kann gut sein, dass es heute noch regnet. – „Hast du jemals einen Mann angesprochen?“, ereifert sich der Kleine, und reagiert auf mein „Nein“ mit einem triumphierenden Ausruf.
„Das ist doch nicht bloß positiv.“, sage ich, und versuche das jugendliche Weltbild ein wenig zurechtzurücken. Man kann abwarten, so weit hat der Kleine recht. Die Kehrseite der Medaille indes, die dunkle und kalte Seite des Mondes, liegt aber in der Unmöglichkeit, seinerseits initiativ zu werden. In einer Bar beispielsweise, auf einer Party oder im Foyer der Staatsoper zu einem gefälligen, aber fremden Herrn zu spazieren und ihn anzusprechen, wirft in den Gehirnen vieler Herren ein gar nicht gutes Licht auf die eigene Gesamtpersönlichkeit. Vom unverbindlichen Gespräch zu Tätlichkeiten überzugehen, ist als Dame dann noch einmal um ein vielfaches riskanter als als Herr.
„Ihr seid doch alle so wahnsinnig emanzipiert!“, stichelt mein kleiner Cousin, und fragt nach den Gefahren, die denn da lauern sollen, greift man selber nach seinem Gegenüber. „Versucht mich einer zu küssen, und ich will nicht, dann geht er nach Haus, und hält mich für eine Zicke, die ihn ohnehin nicht verdient hat. Versuche ich, einen Mann zu küssen, und er will nicht, dann hält er mich für eine mannstolle Furie und erzählt die ganze Geschichte angewidert allen seinen Freunden.“, versuche ich, den Realitäten in dieser – in Gleichberechtigungsfragen bedauerlicher Weise doch durchaus defizitären – Welt Eingang in die sechzehnjährigen Hirnwindungen des mir verwandten Knaben zu verschaffen.
„Wenn einer so denkt, ist der Kerl doch eh ein Trottel.“, argumentiert der Kleine, und hat vermutlich durchaus recht. Die Welt, so erläutere ich, bestehe leider aus einem ganzen Haufen Trottel, und da sich die Trottel selten direkt zu erkennen geben, so ist Vorsicht geboten, die mit den Jahren erst zur Gewohnheit und dann zur Unmöglichkeit werde.
Mein kleiner Cousin glaubt mir kein Wort.
Erst recht, so lege ich nach, bestehen diese Hemmnisse im Bereich der eher plötzlichen Entschlüsse. Eine Frau, die einen Herrn aus einem spontanen Entschluss heraus in die eigenen vier Wände mitzunehmen beabsichtigt, hat kaum eine Möglichkeit, dies in einer Art und Weise zu tun, die ihr im Falle der entrüsteten Zurückweisung den ehrenhaften Rückzug ermöglicht. Die an sich unkomplizierten Worte vor dem Heimweg, „Kommst du noch mit?“, werden die Lippen auch der eloquenten Person weiblichen Geschlechts daher keinesfalls verlassen.
„Auf die Idee muss man ja auch erst einmal kommen.“, qualifiziert mein kleiner Cousin spontane Damen in einer Art und Weise, die wohl mitnichten schmeichelhaft gemeint ist. „Ist ja wohl eh alles mehr ein Problem der älteren Generation.“, schließt der Kleine das Telephonat und überlässt eine leicht irritierte Endzwanzigerin einer Kanne Tee und der Kälte vor den Fensterscheiben.
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