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18.05.2020: Dornröschenwach

Auf einmal ist sie wieder da. Mit ausgewachsenem Haaransatz, rauen Hände, die Linke in die Hüfte gestemmt, und vielleicht raucht sie noch immer. Ihre Beine sind stämmig, und  eine Dame wird sie nie, und hübsch wird sie auch nie sein. Aber tanzen kann sie wie keine andere in Deutschland. Herzlich ist sie, unvernünftig, und Geld ist in ihren Augen zum Ausgeben da. Sie kann schwarzäugig sein aus Neukölln oder rothaarig aus Lichtenberg und vielleicht ist erst letztes Jahr aus Kanada oder Spanien oder Gelsenkirchen hergezogen, wer weiß das schon genau.

Ein bisschen blass wirkt sie, ein bisschen besorgter als sonst, aber das Bier schmeckt ihr schon wieder. Wenn sie lacht, bebt wieder der Boden, und ich wünsche, ihr, mir und uns allen:

Lass es dir gut gehen, Berlin. Du hast es verdient.

02.05.2020: Corso

Die Berliner sind wieder draußen. Die Straßen sind voll. Nur die Lokale sind noch geschlossen, man kann nicht an der Bar sitzen. Das Berliner Nachtleben ist vorbei, mag es auch noch in verstohlenen privaten Refugien ein bisschen verloren flackern.

Die Bars schenken nun zur Straße hin aus. Man kann Cocktails in Flaschen ordern, Bier, Wein in Plastikbechern, und vor manchen Bars stehen lange Schlangen. Man winkt sich zu, man kommt verdächtig nahe, immer knapp vor der Umarmung. Hat man sein Getränk, steht man neben den offenen Türen, blinzelt in die Sonne, plaudert ein bisschen nach rechts und links, denn Nachbarn kennen sich hier, und dann setzt man sich in Bewegung, die Hufelandstraße, Winsstraße, Wörter Straße herauf und herab.

Man geht langsam, man hat ja kein Ziel im eigentlichen Sinne. Man ist so recht: Flaneur. Flaneur unter Flaneuren, die langsam aneinander vorbeigehen, sich zulächeln, sich mustern, ein paar Worte wechseln auf Abstand, wenn man sich kennt. Vereinzelte Masken, hungrige Augen und raue, unberührte Haut.

Fünf, sechs Wochen hatten die Berliner einfach an, was sie anhatten, aber nun sind sie wieder da: Die Lidstriche, die locker hängenden Trenchcoats, rote Lippen, die weißen, blendenden Hemden der Männer und der lange, suchende Blick. Die erotische Energie dieser Stadt, in der alles geht und nichts nach viel aussieht, ist zurück, flirrt in dem frischen Grün der Bäume, und mischt sich mit der Angst, die in Schwaden durch die Straßen zieht zu einer ganz speziellen Mischung: Ein Hauch Verzweiflung, ein Gramm Koketterie und viel Lust an Ausnahme, an Aufregung, am Außergewöhnlichen selbst.

23.04.2020: Füße

Es wird warm in Berlin. Es ist genauer gesagt schon seit Wochen immer wieder warm, so ein drei-, viertägiger falscher Sommer, gefolgt von windigen Tagen, aber nun scheint er angekommen zu sein, der Berliner Sommer. Nur der Sommerrausch, diese Tage, in denen die ganze Stadt wie betrunken selig lächelnd durch die gleißend helle Stadt schwankt, bleibt dieses Jahr aus.

Nichts ist es mit dem ersten Bier am Schwanenteich. Nichts mit dem ersten G&T auf den Dächern von Mitte. Aber die Abende auf dem Rad, die bleiben, der warme Wind auf der Haut. Nur die Winterfüße, die stecken noch in geschlossenen Schuhen, denn gerade gibt es niemanden, der mir Sommerfüße macht, und ich selbst traue ich mich nicht an diese hornigen Klumpen

10.04.2020: Was nicht

Immer angenommen, ich würde mich für mich vernünftig anziehen und bürsten, weil ich eben eine Person sein möchte, die vernünftig angezogen und frisiert ist. Nicht zu viel, weil ich dafür zu faul bin, und noch aus meinen optisch ein wenig unrühmlichen Jugendjahren Vorbehalte gegenüber zu gut frisierten Menschen zurückbehalten habe. Aber immerhin ordnungsgemäß, 6 Punkte auf einer Skala von 1 bis 10. Nach vier Corona-Wochen weiß ich:  Das ist alles Quatsch. Wenn es niemand sieht, also nicht mal Leute beim Lunch, nicht mal Kollegen oder so, dann muss ich mich schon disziplinieren, um alle zwei Tage zu duschen. Vermutlich geht’s allen so und die überbordenden VCalls dienen in Wirklichkeit nur als extrinsischer Reiz, damit die Deutschen nicht total verkommen.

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Hätte endlich Zeit, an all den Abenden, die ich zuhause bin, ein Buch zu schreiben oder wenigstens fertig zu schreiben, aber ich schaffe es tatsächlich nicht, auch nur eine ganz kleine Geschichte zu plotten oder eine schon geplottete zu Ende zu schreiben. Irgendwo sitzt sie also doch, die Angst oder die Unruhe, auch wenn ich sie nicht spüren kann.

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Nach zwei Wochen selbst gekochtem Essen schmeckt und bekommt mir das gestern gelieferte Restaurantessen nicht mehr.

 

 

22.03.2020: Ausgangsverbot

Ich stand einmal, das ist lange her, auf einem Laufband im Flughafen Amsterdam Schiphol und lief so ganz gemächlich in meine Richtung. Der Flughafen ist groß, ich hatte viel Zeit totzuschlagen: Ich beeilte mich rein gar nicht.

Auf einmal ruckte das Laufband unter mir und legte mächtig los. Ob es ein Fehler war oder Absicht, es wurde richtig schnell, und ich schwankte einen Moment, obwohl ich eigentlich fest stand, und wäre fast umgekippt vor lauter unerwarteter Geschwindigkeit: Ungefähr so geht es mir jetzt.

Von einem Moment auf den anderen kippt die Republik aus der kraftvollen Ruhe. In einem Lidschlag verschwinden die vielen offenen Stellen, Nervosität macht sich breit, Freunde führen Gespräche voller Verunsicherung, und Tag für Tag folgen Maßnahmen in einer Eile, wie ich es nie für möglich gehalten hätte: Die Schulen schließen, man darf nicht mehr reisen, die Geschäfte machen zu, die Restaurants. Nun folgt also der nächste Schlag, von dem wir hoffen, dass es der letzte, der entscheidende und befreiende ist: Man darf nicht mehr aus dem Haus. Nur noch zur Arbeit, zu ungern tolerierten Spaziergängen, zum Arzt, zum Supermarkt.

Wo ist meine Stadt, greife ich schwankend ins Leere. Was ist das, wo geht das hier hin. Und wann nimmt es ein Ende.

21.03.2020: Die Katze

Eins immerhin ist nun klar: Es liegt gar nicht an einer jeden Winter Monate währenden Dauerbronchitis. Es liegt an der Katze. Ist es warm, steht ganztags die Balkontür offen. Ist es kalt, haben wir alles zu. Dann beginne ich zu husten.

Die Erkenntnis ist allerdings nur eins. Was passiert denn nun mit der Katze? Rasieren ist keine Lösung, eine Desensibilisierung haut auf die Schnelle nicht hin. Kurz denke ich an meine Tante, dann erfahre ich, dass meine vor einigen Jahren verwitwete Tante gerade daran denkt, umzuziehen.

Nun stehen wir also da. Sobald die Katze sich schüttelt, fange ich erbärmlichst an zu röcheln. Und inmitten dieser unwirklichen Tage, in diesem falschen Frühling, ist es schon fast beruhigend, noch so gewöhnliche Sorgen zu haben wie eine Katzenhaarallergie.

Nach Kythera und zurück

Können Sie sich noch daran erinnern, wie wichtig Liebesgeschichten zu sein schienen, als sie so ungefähr 17 waren? Ha, hätten Sie mal französisch gelernt oder Klavier geübt, dann könnte Sie das heute, aber wer Ihnen damals mal wirklich wichtig erschien, den haben Sie heute aber sowas von vergessen. Ich hoffe, es geht Ihnen allen prächtig, aber konzedieren muss man ja schon: Die Drüse, die verliebt macht, hat ihre Produktion im Wesentlichen eingestellt. Das ist schön für die Stabilität bestehender Beziehungen, aber eher so mittelgut für den Content eines nicht unwesentlich auf Indiskretionen beruhenden Blogs.

Immerhin, es gibt Ausnahmen. Nehmen wir beispielsweise den G., netter Kerl so an sich, der sich nach einigen schrecklich langweiligen Jahren als Ehemann und Vater ausgerechnet in seine Nichte verliebte. Also eine große Nichte, irgendwie so Anfang zwanzig, und tatsächlich ein paar Monate mit der Nichte sehr glücklich war. Dann flog alles auf, Scheidung, drei Jahre Skandinavien an irgendeinem Krankenhaus am Ende der Welt, der G. ist nämlich Arzt, und als der G. nach Deutschland zurückkam, war er wieder in festen Händen. Sie war sehr still, sehr lang, sehr schlank, so ein Mädchen mit langen, glatten, braunen Haaren und sie war circa 27 und promovierte über irgendetwas mit Kunst. Unter Leuten, die ihn kannten, hieß sie nur die Madonna.

Auf die Madonna eins folgte die Heilige Therese. Sie war circa 27, sehr zart und sehr blond und zog eines Tages Knall auf Fall zu ihrem Doktorvater. Die Heilige Therese verließ zur Abwechslung also mal den G., so dass der G. sich für ein paar Monate wirklich schlecht fühlte, bis er die Heilige Barbara kennenlernte, die so hieß, weil sie in einem Turm arbeitet, in dem eine bekannte Großbank ihr Unwesen treibt. Sie war circa 24, Bankkauffrau, lang und schlank mit glatten braunen Haaren, und als sie ausgezogen war, hatte der G. keinen Hund mehr, kein Sofa, und er fühlte sich irgendwie erschöpft.

Zwei Jahre später sehen wir den G. nunmehr erneut in Skandinavien. Er hat ein Haus gekauft, einen neuen Hund, ein neues Sofa, sein ältester Sohn wohnt bei ihm, und er hat eine neue Freundin. Sie ist 47, Mutter von zwei erwachsenen Kindern, Lehrerin, und Leute, die ihn kennen, nennen sie bei ihrem Namen.

Teneriffa Tales 3

Der Typ beispielsweise da drüben in den roten Boxershorts. Nacken etwas zu ausrasiert, Nacken etwas zu dick. Vor fünf Jahren war er muskulös, in fünf Jahren wird er fett sein, aber heute ist er circa 40 und wirft seinen Sohn im Pool hoch und fängt ihn wieder auf. Immer so ein bisschen zu breitbeinig, und die Arme auch so ein bisschen ausgestellt, als hätte er Brust- und Oberarmmuskeln, die einer entspannten Körperhaltung entgegenstehen. Auf der rechten Wade hat er eine kleine Tätowierung. Ich bin mir sicher, er denkt nicht wesentlich differenzierter als ein Stein.

Die Frau da auf der Liege. Vielleicht 50, hager, sehr groß, lange Haare. Sehr gepflegt, anders als bei vielen nicht mehr ganz jungen Frauen sehen ihre Haare super aus, keine splitternden Spitzen, die Färbung ist extrem natürlich, und selbst wenn sie aus dem Wasser kommt, sehen ihre Haare schön aus. Ansonsten würde man ihr wünschen, ein paar Kilo zuzulegen, nicht viel, damit die rotgebrannte Haut nicht direkt über Muskeln und Adern läge. Sie sieht ein bisschen aus wie die präparierten Toten in dem Panoptikum am Alexanderplatz, und die tiefen Falten zwischen den Augen und die scharf eingeschnittene Nasolabialfalte tun mir ein bisschen leid. Dünne Frau, du hast es auch nicht immer schön, denke ich, während sie auf Espadrilles mit Keilabsätzen und einem wehenden, transparenten Kimono im Leopardenprint zur Poolbar schreitet.

Die kleine, fesche Mutter mit den beiden Töchtern dagegen gibt keinen Anlass für Mitleid. Sie ist ein Kugelblitz mit schwarzen Augen und dicken Haaren, piekt ihre Jüngste mit dem Zeigefinger in den Bauch und lässt sie fröhlich quietschen. Die Große sieht weder ihr noch dem Baby ähnlich, ein blässliches, zartes Mädchen von 12 oder 13, die auf ihrer Liege liegt und auf einem Kindle liest. Ob sie die Stiefmutter ist? Oder ist das Mädchen nur in der Vorpubertät und distanziert sich von der Mutter? Erst beim Frühstück ordne ich den Vater der Familie zu: Es ist ein sehr aufrechter, gegerbter Mann mit ein paar gelbgrauen Strähnen auf dem Kopf, der ein paar Schritte abseits unablässig telefoniert.

Oh, und wir. Mutter und Sohn, er liest, sie liest. Ab und zu wird gebadet. Sie wirkt leicht gelangweilt. Das Kind dagegen amüsiert sich königlich.

 

Teneriffa Tales 2

Ob es eigentlich einen Markt für Reverse-Influencer gibt? Also Leute, die einen Ruf für kritische bis vernichtende Beiträge in Sozialen Netzwerken haben, auf ihrem Twitter-Account ankündigen, dass sie beispielsweise nach Bad Reichenhall ins Hotel Aspen fahren, das Hotel bekommt das spitz oder wird gleich getaggt, und zehn Minuten später bekommt der Influencer Geld vom Hotelier, sagt alles ab und fährt in ein viel schöneres Hotel? Ab und zu lässt einer das ungerührt über sich ergehen, dann schreibt der Reverse Influencer, wie es im Hotel Aspen wirklich aussieht, und dann kann der Hotelier sehen, wie er das jemals wieder aus dem Netz gekratzt bekommt.

Wenn es das gibt: Mein Job. Ich nörgele gern und sogar umsonst und ganz von selbst. Wobei die Ängste, die die Hotelgruppe hier vor Reverse Influencern ausstehen würde, sich in Grenzen halten dürften. Denn tatsächlich ist hier alles ungefähr so, wie man es erwartet oder zumindest erhofft: Hotelboys, die Koffer auf silbernen Kofferwagen durch die Anlage fahren, die Blumenbeete sind absout unkrautfrei, verblühte Blüten werden sofort von den Büschen entfernt, und die Brotkollektion im Restaurant Verona ist perfekt. Dafür kostet die Pizza 17 EUR und ein Glas Hauswein 8. Wenn man nur zwei Gänge bestellt, wird man im Minutentakt gefragt, ob man nicht noch etwas ordern möchte, und am Nachbartisch sitzen bekannte britische Publizisten und freuen sich über den Brexit. Immerhin sieht man beim Essen Kois.

Weil es haufenweise Leute geben muss, die Teneriffa nicht so öde finden wie ich, ist das Hotel nicht nur voll, sondern auch riesig. Es sieht ein bisschen aus wie die Kulissen von Metropolis, wenn sie rot wären, und das Rot ist exakt dasselbe wie das Rot, in dem das Alexa gestrichen ist, eine Berliner Shopping Mall für Menschen, die Ästhetik hassen. Weil man von der Lobby bis zum Strand fast einen Kilometer unterwegs ist, fährte eine Kleinbahn hier herum, wie sie in leicht aus der Mode geratenen Kurorten zwischen Kurmuschel und Kurhaus, Grand Hotel und Pension Sorgenfrei verkehrt.

Der Kinderclub ist leider irgendwie nie besetzt, vermutlich, weil es gerade kaum ältere Kinder hier gibt. Am Main Pool haben wir die Umkleiden nicht gefunden und er ist nach einhelliger Ansicht von Sohn und mir ein bisschen zu warm. In der Umgebung gibt es nichts, und weil es keinen Bürgersteig gibt, kommt man ohne Mietwagen nur weg, wenn man ein Taxi ruft, aber auf Teneriffa gibt es, meine ich, eh nichts zu sehen.

Das Meer, immerhin, ist herrlich, und der Himmel wolkenlos und von makellos überwältigendem Blau und die Felsen ragen aus dem Wasser wie schwarze Kathedralen Poseidons.

Teneriffa Tales

Sie sind kinderlos, Sie haben kleine Kinder, oder Sie sind durch mit der ganzen Sache und haben ganz große: Sie fahren im Januar nach Asien und im Herbst ans Mittelmeer. Sie sitzen in warmen Mainächten in Trastevere beim Wein und im September in Pacific Heights. Wenn Ihnen danach ist, stehen Sie im Februar zu Füßen der Prager Burg, es liegt Schnee und die Schatten sind so schwarz wie die Augen des Golem. Reisen kostet fast nichts.

Dann schwingt die böse Fee der Schulpflicht dreimal ihren Zauberstab und fortan ist alles anders: Im Winter können Sie nicht nach Asien oder Afrika, denn da haben Sie nur zwei Wochen Zeit und wenn Sie die voll ausnutzen, müssten Sie Ihren Erstgeborenen verkaufen, und den füttern Sie jetzt seit sieben Jahren, den behalten Sie jetzt. Über Ostern fahren Sie nach Griechenland oder Italien und frösteln ein bisschen im knallvollen Speisesaal zwischen lauter anderen Familien mit erstaunlich lautem Nachwuchs. Im Sommer bereisen Sie ausführlich Nordeuropa, eine Gegend, bei der Sie sich schon ab und zu fragen, wieso die Menschheit sich eigentlich auch dort angesiedelt hat. Und in den Berliner Winterferien, dieser ersten Woche im Februar: Ja. Was machen Sie da?

Das nördliche Mittelmeer ist zu kalt. Frieren kann man auch in Berlin. Karibik, Asien: Nicht in einer Woche. Ägypten, Tunesien, Marokko an sich gern, aber die örtlichen Gepflogenheiten sind ein bisschen zu geräuschvoll, um erholsam zu sein, und außerdem verträgt nicht jeder das örtliche Essen. Irgendwann spricht einer es aus: Wieso nicht Kanaren. Ja, wieso nicht.

Tatsächlich stellen Sie sich die Kanaren ungefähr so unterhaltsam vor wie ein Wochenende in Bottrop. Sie finden die spanische Küche fad, Sehenswürdigkeiten gibt es offenbar keine, bis auf Natur, und Sie sind der an Natur vermutlich am wenigsten interessierte Mensch südlich des Nordpols und können sich in dieser Beziehung nichts merken, wirklich gar nichts, höchstens Störche oder so.

Weil Sie sich von einer Freundin überreden lassen, buchen Sie am Ende dann doch. Teneriffa, eine Woche. In einem Riesenhotel, das die Freundin ausgesucht hat. Außerhalb eines Ortes. Das Hotel sieht aus wie eine ganze Stadt und verströmt auf Fotos den Charme einer 5-Sterne-Dystopie. Als zwei Wochen vor Abreise die Freundin verkündet, sie komme krankheitsbedingt nun doch nicht mit, sind Sie kaum überrascht: Sie haben auch keine Lust. Leider sind Sie zu gesund, um auch abzusagen, und ihren Sohn tödlich zu enttäuschen.

Drei Tage vor Abreise schauen Sie ins Internet. Das Hotel ist nicht nur teuer, sondern offenbar auch quasi nichts inklusive, nicht mal die Sauna oder ein Kinderclub oder so. Es gibt auch keine Buffets, was ohne Kinder super wäre und mit Kind eher so lala. Sie überlegen ganz kurz, einfach alles verfallen zu lassen, Hotel, Flug, ach, auch egal. Und dann packen Sie, fluchen leise und fahren los.

Und da sitzen Sie nun: Es ist 22:19 Uhr. Sie sind unterwegs. Ihr Kind malt Bilder, auf denen Drachen Ritter zerfleischen, und Sie fragen sich:

Wieso. Das. Ihnen.