09.06.2012

Jahrelang eröffnete mein Vater Telephonate mit den Worten „Gibt’s dich auch noch.“, um so dezent anzudeuten, dass man vielleicht etwas öfter anrufen könnte. Inzwischen fragt er meistens direkt und umschweifelos „Was macht der Kleine?“. Gestern aber, weil unsere Haustürklingel kaputt ist und er zehn Minuten auf der Straße vor der Tür stehen musste, waren seine ersten Worte „Ihr seid ja doch zu Hause!“. Dann lud er die mitgebrachten Geschenke ab und verlangte Kaffee. Im Anschluss griffen meine Mutter und er nach Kind F. und ließen es bis zum Abend nicht mehr los.

„Ihr wollt nicht zufällig den Kleinen einfach hier lassen, wenn ihr fahrt?“, fragte mein Vate irgendwann zwischen Eis und Erdbeertorte und hob das jauchzende Kind F. hoch über seinen Kopf. Ich schüttelte den Kopf. „Schade.“, meinte mein Vater und ließ sich erklären, wo sich bei uns der Sicherungskasten befindet und wo die M 4 abfährt, denn eine der fünf Wochen unserer Abwesenheit werden meine Eltern in unserer Wohnung weilen. Die anderen vier Wochen wird die Wohnung von den Eltern des J. und anderen Verwandten bewohnt.

„Habt ihr schon gepackt?“, fragt meine Mutter etwas später, obwohl die Abreise noch mehr als eine Woche in der Zukunft liegt, und ich verneine. Wir haben gar nichts. Wir haben Pässe und diese elektronischen Visa, die man jetzt braucht, wenn man in die USA reist, und ansonsten kaufen wir alles, was wir vergessen, da. Vergessen werden wir vorhersehbarerweise eine ganze Menge, denn wir werden nicht vor Sonntag abend packen, und Montag geht es dann los.

Ich freue mich. Ich freue mich sehr.

(Abends bei der M. und dem M. ein total langweiliges Fußballspiel gesehen. Pizza gegessen. Zwei alkoholfreie Bier, recht früh daheim und im Bett die Autobiographie von Fritz J. Raddatz weiter gelesen, gleichermaßen peinigend und amüsant.)

7 Gedanken zu „09.06.2012

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