Konfetti, 4

In der Burganlage Nijo-ji stehe ich ein weiteres Mal wie der letzte Depp vor diesem vollendet schönen Bau. Ich weiß einiges über europäische Atchitekturgeschichte, ich kann auch über die zumindest großen Linien der europäischen Geschichte ein bisschen was erzählen, aber auf die Fragen von Sohn F.  in dieser Burg des Shōgun hebe ich eins- ums andere Mal etwas hilflos die Achseln und fasele ziemlich wirres, frisch angelesenes Wissen. Vielleicht sollten sich diejenigen, die regelmäßig den Schulunterricht umgraben, mal um eine stärkere Berücksichtigung der nicht europäischen Geschichte kümmern.

Abgesehen von diesen etwas peinlichen Momenten ist die Burg super. Sie wirkt gleichzeitig wohnlich wie majestätisch, elegant wie ein Rokokoschloss, aber nicht so töricht verspielt, und im Garten möchte ich sofort mehrere Stunden schweigend auf und ab laufen und einfach nur jeden einzelnen Busch anstarren und Schönheit inhalieren.

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Sake ist eigentlich ein ziemlich überzeugendes Getränk. Nach tagelangem Überlegen, wie man den Geschmack von Sake beschreiben soll, tendiere ich gerade dazu, die Ähnlichkeit zu Wodka zu betonen, aber ohne den Spritgeschmack, weil viel, viel weniger alkoholisch. Ansonsten gibt es sehr gute, weiche, sehr klare, etwa ölige, und uninteressante bis schwer trinkbare gibt es natürlich auch.

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In Kyoto fällt einmal mehr auf, dass der J. und ich nur Großstadt können. Sobald nicht die ganze Stadt mit einem soliden ÖPNV-Netz überzogen ist, laufen wir eigentlich nur noch wirr durcheinander und beschuldigen die jeweilige Stadtplanung, den lieben Gott und einander, wieso wir bei 31 C eigentlich seit 40 Minuten kopflos durch unbekannte Straßen laufen. In Tokyo lief es eigentlich super. In Kyoto fahren wir nur noch Taxi, nachdem wir Kind F. hoch und heilig schwören mussten, ihn nie wieder in so grauenhafte Situationen der Orientierungslosigkeit zu bringen wie heute Mittag.

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