Der Kollege kann sich nicht entscheiden. Eine externe Festplatte soll es sein, aber auf mehreren Metern reiht sich Festplatte an Festplatte, und so kehren wir um. Rechts von uns liegen Stapel von Spielen, bei denen man jemand anders sein kann, ein Rockstar beispielsweise oder ein Landwirt, die Betreiberin eines Ponyhofs oder ein Monster oder Held.
Auf der anderen Seite liegen DVDs. Wer sieht das alles, frage ich mich und betrachte die lachenden oder wütenden Gesichter auf den Covern und schaue den Schauspielern in den aufgerissenen Mund. Wer spielt Stunden um Stunden, jemand anders zu sein? Und liegen die Spieler und Zuschauer abends im Bett, wenn es ruhig wird, und fragen sich, wo ihr Leben geblieben ist, die Tage, Wochen und Jahre, die uns zugemessen sind, und frösteln ob des vielen ungelebten Lebens?
Ruhig aber, gemessenen Schrittes, als ob sie wüssten, was sie tun, schreiten die Kunden über den grauen Fußboden, der Rolltreppe zu.
(Sieben weitere Stunden nach der Rückkehr ins Büro werde ich noch arbeiten, telefonieren, mailen, lesen und schreiben. Ein Abendtermin. 22.50 Uhr daheim. Zwei Scheiben Schwarzbrot vor dem offenen Kühlschrank.)
filmkucker arbeiten einfach weniger! und wenn ich nicht arbeite und keine filme anschaue, dann schreibe ich im internetz auf, wo mein leben gerade bleibt.
So philosophisch muss man das Sujet gar nicht betrachten bzw. könnte Ihre Frage genausogut auf Arbeit/Überstunden, Bücherlesen, Ausgehen, Musikhören usw. ausdehnen. In unserem Haushalt befndet sich beispielsweise eine umfangreiche DVD-Sammlung querbeet durch etliche Genres, die einem ermöglicht, Filme zu sehen (oft auch Klassiker), welche das schnöde Fernsehprogramm dem geneigten Zuseher vorenthält. Und Avatare bieten eben die Möglichkeit, den Alltag zwischendurch pausieren zu lassen, wobei zu sagen ist, dass es kaum jemandem gelingt, seine eigene Persönlichkeit hintanzustellen, was vor allem in großen Spielenetzwerken recht interessant zu beobachten ist. Ein Egoist bleibt ein Egoist, auch wenn er sich als weiser Magier geriert, ein hilfsbereiter Mensch bleibt einer auch mit der unsympathischsten Spielfigur. Dass Netzwerkspiele mit wenigen Ausnahmen irgendwann zu persönlichen Kontakten führen, die sich meist auch sehr erfreulich gestalten, wird viel zu wenig berücksichtigt. Virtuelle Welten sind nicht wirklich virtuell, sondern eben ein Teil der Realität – was immer man sich darunter vorstellt.
REPLY:
Ja, vielleicht ist es das. Ich bin ein wenig haushälterisch mit Zeit geworden, seit ich arbeite, und überlege mir dreimal, ob ich einen Abend, an dem ich vor neun herauskomme, noch etwas unternehme oder bin daheim. Für das Netz reicht es aber immer noch. Es mag ein wenig produktives und (wie man mir manchmal zu verstehen gibt: skurriles) Hobby sein, aber mir macht es Freude.
REPLY:
Das ist interessant. So habe ich das noch nie betrachtet. Mich hat das nie interessiert, zudem sind mir diese Rollenspiele auch ästhetisch etwas suspekt, aber da kenne ich mich halt auch schlicht nicht aus.