Strandhotel

Irgendwo hat doch kürzlich jemand gejammert, immer mehr Lebensbereiche würden inzwischen dem Diktat des Designs unterworfen, und so könne man heute nicht einmal mehr einfach so und ohne gut dabei auszusehen schwanger oder alt sein, und das setze die meisten Leute unzutunlich unter Druck. Ich kann diese These insbesondere dieser Tage nur bestätigen, denn auch der Urlaub mit Kindern ist alldieweil nicht mehr eine Angelegenheit, die halt stattfindet, ohne dass man in den Augen der Welt dabei allzu großen Ansprüchen zu genügen hat, seit in den einschlägigen Publikationen der Öffentlichkeit eingehämmert wird, auch mit Kleinkindern könne man auf einer Yacht – also so etwas von leicht patiniertem Charme aus Holz, vielleicht aus den Fünfzigern, nichts Neues – die Welt umrunden. Oder den Amazonas befahren. Durch Indien mit dem Zug, durch Neuseeland mit dem Caravan oder in Finland Beeren sammeln und campen.

Ich glaube ganz gern, dass das alles geht. Ich plane nämlich nicht, die nächsten Jahre an der Nordsee zu verbringen. Doch gleichzeitig mit dieser doch so wünschenswerten Erweiterung der Möglichkeiten des Reisens mit Kindern fühle ich mich tatsächlich ein wenig geniert, nun von den all den großartigen Optionen glatt keine gewählt zu haben, und den einwöchigen Pfingsturlaub nun schlicht auf Kreta zu verbringen, und auch nicht, wie es sich, wie ich glaube, gehört, in einem kleinen, weißen Haus individuell im Landesinnern, sondern direkt am Strand in dem auch keinerlei höheren Ansprüchen an Eleganz gewachsenen Grecotel Creta Palace in einem Bungalow mit Halbpension.

Wer mag, darf das jetzt googlen und sich ein wenig gruseln. Ich gehe solange an den Strand.

9 Gedanken zu „Strandhotel

    1. Das ist doch ganz eindeutig ein kalter Herbst, oder? Heute auf dem Heimweg habe ich mir Handschuhe gewünscht, und das Ende Mai. Ein mieses Jahr.

  1. Das war wohl jammern auf sehr hohem Niveau da neulich. Die Ottonormalverdiener können nicht mal mehr Urlaub auf Kreta machen und müssen an die Nordsee fahren, wenn überhaupt!

    Schönen Urlaub!

    1. Sollte ich wirklich gejammert haben, so sei es mir nachgesehen. Ich habe keinen wirklichen Anlass dazu, das ist mir natürlich klar.

  2. Hallo,

    meiner Meinung nach sollte man sich durch die Medien wirklich die Werbung nicht immer alles einreden lassen, was gerade toll und schön ist. Man sollte einfach für sich einen Weg finden mit ihm ein glückliches Leben gehen kann und wenn andere diesen Weg nicht gerade toll finden, so sollte man einfach drüber lächeln weitergehen.

    In diesem Sinne wünsche ich noch einen schönen Abend!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Sie möchten einen Kommentar hinterlassen, wissen aber nicht, was sie schreiben sollen? Dann nutzen Sie den KOMMENTAROMAT! Ein Klick auf einen der Buttons unten trägt automatisch die gewählte Reaktion in das Kommentarfeld ein. Sie müssen nur noch die Pflichtfelder "Name" und "E-Mail" ausfüllen und den Kommentar abschicken