Dein PC, das unbekannte Wesen

Alles in allem bin ich keine arg unpraktische Person: Ich weiß, welche Blumen zu welchem Anlass passen, und wie viele davon. Ich kann, wenn es denn sein muss, Fenster streifenfrei sauber bekommen, Gurken einlegen, Prozesse gewinnen und Wiener Walzer tanzen. Ich koche Hühnersuppe, die gegen Erkältung hilft, kann Servietten so falten, dass sie wie Schwäne oder Frackhemden aussehen, und wissenschaftliche Tagungen kann ich auch organisieren. Die Datenverarbeitung indes…

Nehmen wir nur einmal diese Woche.

Am Dienstag sitze ich also in der Wohnung des J., der sich seinerseits auf einem Konzert befindet. Zu meinen Füßen schlafen die Pinguine, vor mir steht das Powerbook des J., und neben mir steht mein eigenes Notebook. Es heißt Acer. „Ich schreibe,“ hat der J. vor seinem Aufbruch mitgeteilt, „dir das WLAN-Passwort einfach mal auf. Dann kannst du ein bißchen surfen.“ „Du hast aber ein langes Passwort.“, sage ich zum J., und fahre den Rechner hoch. Unten rechts zeigt Acer an, ob drahtlose Netzwerke vorhanden sind, dann muss man auf das Richtige tippen, und wird nach dem Passwort gefragt. Ja, und dann….dann springt ein Fenster auf, in dem steht, das Passwort müsse irgendwie anders eingegeben werden. „Wie machst du das in deiner Wohnung?“, fragt der J. etwas irritiert nach seiner Rückkehr. „Gar nicht.“, sage ich. Und dass ich zwar nicht diese Anzeige bekäme, indes auf verschlungenen Wegen ein viel kürzeres Passwort für das WLAN auf Acer geraten sei, dass jetzt nicht mehr wegginge. Die Eingabe des richtigen Passworts indes führe ebenfalls nicht zur Eröffnung eines Zugangs zum Internet, so dass ich eigentlich nur den großen Rechner auf dem Schreibtisch nutze.

Dieser Blick…

Heute morgen dann fahre ich also den Rechner hoch, öffne problemlos die langweiligste Diss der Welt, und klicke auf das Symbol mit der Note, mit dem normalerweise iTunes aufgeht. Heute aber öffnete sich lediglich ein schwarzes Fenster und ging sofort wieder zu. Panik.

Nach einiger Zeit hektischer, aber erfolgloser Betriebsamkeit und über der zweiten Kanne Tee kam der vermeintlich rettende Gedanke: ich würde, dachte ich mir, iTunes einfach deinstallieren und neu aufspielen. Gesagt, getan.

Irgendwann öffnete sich also das Zeichen, mit dem die Installation hätte beginnen sollen, die Kiste fing an zu rattern und zu rauschen, und dann erschien die irritierende Anzeige, es sei bereits eine neue Version von iTunes installiert. Die Installation könne nicht fortgesetzt werden. Öffnen lässt sich iTunes indes immer noch nicht, statt dessen geht der Installationsvorgang jedesmal erneut und erfolglos auf.

Vielleicht, so dachte ich mir, liegt irgendwas im Weg, und verstopft den Zugang zu den Musikdateien? Der Rechner ist zu voll geworden, und nun kommt das aufgerufenen Programm nicht mehr richtig durch? Wahllos löschte ich ein paar Programme, die mir eher unbekannt erschienen, und klickte erwartungsvoll auf die – sich aus irgendwelchen Gründen nunmehr verdoppelt habenden – iTunes-Symbole. Keine Veränderung. Statt dessen klingelt das Telephon.

„Weißt du, wie ich iTunes wieder draufbekomme?“, frage ich meinen kleinen Cousin nach eiigen einleitenden Worten, denn die jüngste Generation, so sagt man, sei imstande, der Datenverarbeitung in erhöhtem Maße Herr zu werden. „Was?“, fragt der Kleine, und zeigt sich sowohl unkundig als auch uninteressiert. „Wozu brauchst du das`“, fragt er weiter, und referiert seine Feriensorgen, die mich wiederum nur peripher interessieren.

Dann eben nicht, denke ich, und überlege, wie viele Musikdateien nun unwiderruflich den Orkus hinabgeschwommen sein könnten. Und ob ich einen frischen Rechner brauche, und wie lange der gegebenenfalls vorhalten würde.

34 Gedanken zu „Dein PC, das unbekannte Wesen

  1. REPLY:

    Also. Erstmal Start | Einstellungen | Systemsteuerung | Software, dort iTunes und Winamp sauber deinstallieren, falls es noch machbar ist. Wenn es nicht geht, gleich laut schreien.

    Ansonsten einfach neu installieren.

  2. Mein Beileid für die Zeit, die Sie mit diesem leidlichen Thema in den kommenden Tagen voraussichtlich verbrennen werden. Was macht denn der J. gerade? Ist der nicht zu einer schnellen Pasta im Tausch gegen Reparaturservice zu bewegen?

  3. REPLY:

    Da taucht iTunes gar nicht mehr auf, befindet sich aber noch in der Liste unter „Programme“. Wenn ich da versuche, zu löschen, fängt der Rechner an, zu arbeiten, hört dann aber plötzlich auf und zeigt an:

    iTuneshelperexe kann nicht gelöscht werden. Der Zugriff wurde verweigert.

  4. REPLY:

    Der kann das bestimmt auch nicht. J. ist zwar diesbezüglich praktischer als ich, das will aber nicht viel heißen, und außerdem arbeitet er gerade. Überdies mag ich nicht andauernd bei meinem Ex ankommen, und nach handwerklichen, behördentechnischen oder Datenverarbeitungshilfestellungen fragen, J. muss doch denken, ich sei ohne ihn kaum mehr lebensfähig. Diesen Eindruck will ich, wenn möglich vermeiden, und meine anderen verfügbaren Freunde kennen sich da auch nicht beser aus als ich.

  5. REPLY:

    Also: erstmal Finger weg vom iTunes-Ordner unterhalb von „Programme“, denn da sind evtl. noch ein paar Initialisierungsdateien mit brauchbaren Einstellungen.
    Wenn das Löschen in so einer Situation allgemein nicht geht, dann neu booten. Denn wenn der Zugriff verweigert ist, heißt das nämlich, daß irgendwas noch drauf zugreift.

    Neu booten. Dann Neuinstallation versuchen.

    (Generell: wer kein „Power-User“ ist, sollte möglichst nix unterhalb der Ordners „Programme“ löschen, wenn er nicht genau weiß, was er tut.)

  6. REPLY:
    Herr Bandini, Sie verhöhnen mich!

    Neuer Freund?? Das wüsste ich! Mein neuer Freund, wer auch immer das sein wird, wird hier eigentlich täglich erwartet, bisher hat sich aber noch keiner bereit erklärt, die freigewordene Planstelle zu besetzen.

  7. REPLY:

    Ruhig bleiben! 🙂
    Was geht nicht? Das Neuinstallieren?
    Wenn er beim Versuch, iTunes neu zu installieren, sagt, neuere Version sei bereits vorhanden, dann am besten die neueste Version saugen.

    Oder – sag ich gleich…

  8. REPLY:

    Neuinstallieren geht nicht. Und die neueste Version habe ich frisch von der Apple-Seite bezogen. Und Deinstallieren (siehe oben) geht auch nicht. Was macht man denn jetzt? Brauche ich professionelle Hilfe? Lassen sich vielleicht irgendwelche Teile herausschrauben und ersetzen, die schadhaft geworden sind?

  9. REPLY:

    Vergiß erstmal iTunes. Versuch es damit:
    http://www.winamp.com/player/free.php
    Und Button „Full“ wählen.
    Bei Winamp ist iTunes glaubich dabei, aber man braucht es nicht.

    Falls er tatsächlich noch das mit „neuere Version vorhanden“ bringt, dann tatsächlich den iTunes-Ordner unterhalb von „Programme“ löschen.

    Und zur Not tut es auch ein anderer Player als iTunes.

  10. REPLY:

    Kommt Zeit, kommt Rat (bzw. Freund). Wer zu offensichtlich
    (oder zu verzweifelt) sucht, wird nicht gefunden, also ruhig
    Blut, in Wallung kommt es früh genug 🙂

  11. REPLY:
    Ganz ohne Hohn

    Kommt Zeit, kommt Rat (bzw. Freund). Wer zu offensichtlich
    (oder zu verzweifelt) sucht, wird nicht gefunden, also ruhig
    Blut, in Wallung kommt es früh genug 🙂

  12. REPLY:

    Herr Gibsmir, die eigentlich nur ganz en passant fallengelassenen Sätzchen über die Ingenieure haben ja offenbar tiefen Eindruck hinterlassen ;-). – Heiliger Strohsack, ich kann mich in aller Regel selbst nicht mehr erinnern, was ich drei Wochen vorher erzählt habe, aber das Netz bewahrt eben alles auf (und meine aufmerksamen Leser).

    Aber Unterhaltungswert, Herr Gibsmir, Unterhaltungswert ist etwas anderes. – Ich kenne aber kaum Ingenieure, wenn ich irgendwo an den Theken der Stadt einmal ein fesch anzuschauendes, hochunterhaltsames Prachtexemplar aufsammele, leiste ich öffentlich Abbitte, und werde ihn hier im Blog ausführlich loben.

  13. REPLY:

    Ich kenne nun viele Ingenieure, und da sind so Einige dabei, die sind kräftig, adrett, sportlich, sehr schick gekleidet und von erlesenem Geschmack, einer sogar Tango_Tänzer (allerdings in festen Händen). Dass Ingenieure picklige langweilige Nerds in Cordhosen seien, ist ein Gerücht. Die Ingenieure, die als Key-Account-Manager arbeiten, müssen sogar ziemlich viel Performance haben.

  14. REPLY:

    Nein, das hat es wohl endgültig gerissen. Immerhin kann ich die Musik über Winamp hören. Hach – das ist alles kein Spaß. Die Technik ist eindeutig gegen mich.

  15. REPLY:

    Tröste Dich, da stehst Du nicht allein. Ich hatte mir für 700 Euro
    einen Pocket PC mit Navigationsssystem und allem drum und dran
    gekauft und bin nicht in der Lage, diese komischen kleinen Tasten zu
    bedienen, sodass ich mir für stolze 135 Euro eine externe Tastatur
    besorgen muss. Die sms-Versender bleiben mir ein ewiges Rätsel…

  16. REPLY:

    Ohne gleich der Polemik beschuldigt zu werden, aber hast Du mal darüber nachgedacht, einen Apple zu erwerben? 🙂

    Apropos, das Deinstallationsproblem taucht bei Windows immer mal wieder auf. Es läßt sich meist beheben, erfordert aber den einen oder anderen eher chirurgischen Eingriff in die Registry-Tiefen Deines Rechners.

  17. REPLY:

    Ja, habe ich. Ich habe allerdings ein Problem mit meiner Fachsoftware, die nur auf Windows läuft. Die Mac-User sind in meiner Berufswelt ja eher selten. Sehr selten.

  18. REPLY:

    Korrekt, aber bei nur ab-und-zu-Benutzung dieser Programme kann man schließlich mittels der Software VirtualPC Windows auf einem Apple laufen lassen. Zwar nicht gerade in überragender Geschwindigkeit, aber für typische Zugriffe auf CD-ROM-basierte Bibliotheken und Co. reicht es.

  19. REPLY:

    Hm – wird schwierig. Ich benutze meistens diverse Verwaltungsprogramme insbesondere zur Verwaltung von Daten, Literatur etc., die ich kaum transferiert bekommen würde. Nach Abschluss der Arbeit gerne, derzeit keine gute Idee.

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