Pardon, Monsieur…

… natürlich auch im Namen meiner Freundin A., Sie wissen schon – die schlanke, blonde aus der Berlin Bar mit den beiden dunkelhaarigen Freundinnen. Die beiden Begleiterinnen, die B.³ und mich nämlich, völlig klar, würden Sie auf der Straße nicht erkennen, aber die A., die haben Sie den ganzen Abend angeschaut, als sei Ihnen die Heilige Jungfrau beim Duschen erschienen, und es war gar nicht schön von der A., Sie so ausgelacht zu haben.

Sie saßen also da herum, tranken etwas, was aussah wie Gin Tonic oder so, und starrten die A. ein wenig verstohlen aus dem Augenwinkel an, die wie immer ein bißchen zu laut ihre Weihnachtsgeschenke wiedergab, Zusammentreffen mit alten Schulfreunden referierte, und ein paar Anekdoten ihrer früheren Jugend erzählte, in der so viele Männernamen fielen, dass Ihnen eigentlich Angst und bange hätte werden müssen.

Stumm und ein wenig verdrießlich saß die B.³ neben der A., meditierte ein schon eher ereignisloses Jahr 2005 in ihr Glas, und alle Aufmunterungen prallten völlig wirkungslos von ihren glatten braunen Haaren ab. „Wäre der da nichts für dich?“, piekte die A. sotto voce die B.³ schließlich in die Seite und deutete mit einer Kopfbewegung auf Sie, und einen Moment taten Sie mir richtig leid, und wenn mich nicht alles täuscht, sind Sie sogar ein wenig errötet. „Schaut ein bißchen fad aus, aber immerhin vernünftig angezogen, und mit den Haaren kann man bestimmt was machen.“, pries die A. Ihre Erscheinung der B.³ an, und Sie schauten ein wenig verdattert und ziemlich verlegen in der Bar herum.

„Hey, du!“, beugte sich die A. dann auch noch vor und sprach Sie direkt an, und bat um Ihre Telephonnummer. „Du willst mich anrufen?“, stotterten Sie, und die A. schüttelte lachend den Kopf. „Ist für meine Freundin! Die findet dich ganz toll.“, und Sie schauten die B.³ vermutlich zum ersten Mal überhaupt richtig an und würgten ein paar Laute hervor, die Ihnen mindestens ebenso peinlich waren wie der B.³, die blutrot angelaufen zwischen der A. und mir saß, sterbend vor Verlegenheit, und krampfhaft auf ihre Stiefel starrte.

„Tja, so wird das nie was.“, kommentierte die A. Ihr Schweigen, wandte sich wieder ihrem Glas zu, und Sie pressten ein paar Worte aus Ihrem Mund, die ungefähr lauteten „Ihr macht doch Witze, oder?“, und es war nicht schön von der A., dermaßen laut zu lachen, dass der ganze Laden sich nach ihr umdrehte. Dass die dritte am Tisch, also ich, angesichts der ganzen Burleske auch noch anfangen würde, laut herauszuprusten, war da wohl gar nicht mehr so schlimm.

Eine Stunde später oder so, Sie waren längst verschwunden, hatte sich die B.³ dann immerhin soweit erholt, dass sie irgendetwas in ihr Glas nuschelte, dass klang wie „Mit dir hätte er sich sofort verabredet.“, und die A. fröhlich zurücktrompetete: „Aber ich nicht mit ihm!“

Aber das haben Sie ja zum Glück nicht mehr mitbekommen.

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42 Gedanken zu „Pardon, Monsieur…

  1. REPLY:

    Wenn Sie mal jemand brauchen, Modeste, der unaufmerksam und ignorant zur A. ist, fragen Sie gerne mich. Mann kann selbst die lautesten Menschen unsichtbar machen, wenn man nur teilnahmslos genug ist. Widerwärtigkeit durch exponiertes Desinteresse. Mein Spezialgebiet.

  2. REPLY:

    Kleine Morde unter Freundinnen, wie ? 🙂

    @burnston: Das geht sogar unbeabsichtigt. Ich kann mich erinnern,
    dass ich eine Frau mal dazu brachte, mich regelrecht zu hassen
    (und auch dementsprechend gegen mich zu agieren), weil
    ich sie ignorierte. Diese Ignoranz war tatsächliche Nichtwahrnehmung
    ohne jegliche Absicht.

  3. REPLY:

    Das ging in meiner Welt, die ja an Eifersüchteleien eher arm ist,
    obschon die in speziellen Fällen auch mal kriegsmäßige Ausmaße
    annahmen, immer eher gesittet ab. Liebschaften, Techtel und
    Affären, ebenso unglückliche Lieben wandelten sich bei mir stets entweder
    in stabile platonische Freundschaften oder völligen Nichtkontakt.
    Im Bekanntenkreis geschahen allerdings mitunter gräßliche Dinge,
    bis hin zu öffentlich ausgetragenen Rosenkriegen, die zahllose Leute
    verfolgen konnten. Brrrrrr!

  4. REPLY:

    Ich liebe es immer wieder, eine spezielle Mitte-Lokalität (genauer: das Versagerstüb’l) zu betreten, in der eine Bekannte (und dortige Exkollegin) eines Freundes bedient. Gewohnt, daß sie bei allen Kerlen im Mittelpunkt steht, wartet sie offenbar seit Ewigkeiten auf entsprechende Anzeichen bei mir, um mich dann, wie üblich, mit Nichtbeachtung zu strafen. Nun kenne ich aber dieses Spielchen und lasse es von vonherein sein, was sie wiederum offenbar reichlich pissig macht. Es ist immer lustig und auch sowas von vorhersehbar, wie ich am Tresen von Mal zu Mal länger auf mein Sch*iß-Tannenzäpfle warte.

  5. REPLY:

    Ich pflegte bei einer extrem schnepfigen Thekenfrau, die
    ähnliche Spielchen drauf hatte, immer ostentativ eine
    Medikamentenpackung auf den Tisch zu legen. Das Mittel
    hieß „Tussoretard“.

  6. REPLY:

    Danke für freundlichen Angebote, Don und Burnston, aber bevor jetzt alle meine Sonntag anwesenden Freundinnen einem Generalverdacht unterworfen werden, möchte ich doch anmerken, dass die A. nicht anwesend sein wird.

  7. REPLY:

    Wenn Sie, Her Booldog, die Damenwelt thematisieren, hat man ja immer so einen eher etwas strindberghaften Eindruck, und mehr als eine kleine Peinlichkeit, Frau Fragmente, ist diese Story hoffentlich weder für die B.³ noch für den Herrn. Was die Rosenkriege angeht, Herr Che, sind ja die schönsten Rosen meist nicht ohne Krieg zu haben; das Gesittete hat halt auch seinen Preis.

  8. REPLY:

    Ein solcher Text mag wohl trotzdem angebracht sein.
    Ich wünsche jedenfalls fernbleibenderweise Jutes Jelingen,
    allen viel Spaß und einen vollen Raum.

  9. REPLY:

    Es ist nachvollziehbar, einen Krieg zu führen, um Rosen zu bekommen.
    Aber dafür, dass jemand sie nicht mehr hat, also aus Rache fürs Schluss
    machen, einen Menschen durch Rufmord sozial erledigen zu wollen ist
    mir nicht nachvollziehbar.
    Aber ich bin auch jemand, der Eifersuchtsdramen aufgrund ihres
    Unterhaltungswerts verfolgt oder mitunter auch als Stimme der Vernunft zu
    vermitteln versucht (eher seltener, da ich mir damit mehr als einmal die
    Finger verbrannt habe), aber sie nicht selber erlebt. Bis auf ein Mal, aber das ist
    nun schon ein gutes Dutzend Jahre her. Das Gesittete ist tendenziell langweilig,
    aber zum Rosenkrieg fehlt mir, treibt man mich nicht in eine ganz bestimmte
    Enge, das Naturell.

  10. wenn mir solche sogenannte Klassefrauen

    in irgendeiner Weise begegnen, fallen mir immer die Zeilen ein „O, wenn’s doch Mode wäre diesen Kröten, jede Öffnung einzeln zuzulöten“, grins, sorry, wenn das sehr grob klingt, aber das ist von Kästner.

    Gruß

    Mukono

  11. REPLY:

    Ach ja, meine Herren, so rein theoretisch sind ja so gut wie alle mir bekannten männlichen Personen dieser Art Dame gänzlich abgeneigt, aber Theorie und Praxis kommen auch in diesem Fall einmal mehr überhaupt nicht zusammen.

  12. REPLY:

    Und da seid Ihr Männer etwa so strukturiert:
    Theorie – Mann, was für eine furchtbar ätzende und niveaulose Tusse!
    Praxis – Alte, mach disch nackisch!

  13. Männer schauen nur auf den Charakter, Frauen auch;-)
    Der Lack ist dünn und wir sind eben auch hormongesteuerte Wesen:
    wir reagieren wie ein Hamster auf Schlüsselreize.
    Nur unsere Intelligenz hindert uns daran, es auch zuzugeben.
    Dann wäre wir ja triebgesteuert, das kann doch nicht sein, nein, wir nicht.

  14. REPLY:

    @croco: Ich sag es mal so, setzt der Verstand aus, schaltet sich so ne
    Art Autopilot ein, die Instinkt- und Triebsteuerung. In vielen
    Fällen ist das so eine Art Fernsteuerung in Form gewisser Körperregionen
    anderer Menschen.

  15. REPLY:
    na ja,

    und beim Sex sind die angeblich hässlichen Mädchen viel leidenschaftlicher, grins, so weit ich mich erinnere. die schönen sind nur langweilig.

  16. REPLY:

    Aber meine Herren – Sie wollen doch nicht an meinem Teetisch eine Diskussion über die b. s. Qualitäten hübscher und hässlicher Frauen losbrechen, oder? Ich trage mich übrigens mit dem Gedanken, wo wir gerade über Frauen sprechen, einen Text über Kate Moss zu schreiben, die mir an Körpergewicht, Coolness und Glamour in einem Maße überlegene Ikone der Neunziger, mein persönlicher fleischgewordener Minderwertigkeitskomplex, aber erstmal muss ich jetzt ein bißchen arbeiten.

  17. REPLY:

    Gemein, denn der arme Kerl hat doch nichts anderes gemacht ausser verstohlen geguckt …. hat sich nicht mal getraut sie anzusprechen, er kam ins stotternde Stocken … und wurde zum Gespött gemacht! Was ist daran realistisch?!

  18. REPLY:

    Der Unterschied von Kate Moss und irgendwelchen anderen, von mir überhaupt nie beneideten Supermodels, besteht natürlich in ihrer allesübertreffenden Coolness und dieser gebrochenen, fragilen Eleganz, die ich gern besäße. Aber heute abend mehr.

    (Von Johnny Depp und Pete Doherty sprechen wir jetzt einfach mal überhaupt nicht.)

  19. REPLY:

    Aber das ist es doch gerade! Was bedeuten denn alle Coolness und Eleganz, wenn die Deppertys dieser Welt der Lohn dafür sind?!
    (Davon mal abgesehen: Christy Turlington uber alles!)

  20. REPLY:

    @Modeste: Vielleicht ist dieser Artikel hülfreich, wo es auch um die Selbsteinschätzung der Moss
    geht:http://de.wikipedia.org/wiki/Kate_Moss.

    Werte Modeste, Du siehst nun wirklich gut aus, wenn auch ohne jede Ähnlichkeit mit
    Kate Moss, der ja im Übrigen auch Demi Moore oder Naomi Campbell nicht im Geringsten ähnlich
    sehen.

    @Stoertebeker: Realistisch bezog sich auf netbitch und Croco.

  21. REPLY:

    Gleich zwei Heroen meiner früheren und späteren Jugend auf einen Streich zu beleidigen, Herr Booldog – stolze Leistung. Im Ernst, Johnny Depp ist doch wirklich, wirklich, wirklich großartig. Und Pete Doherty wäre einen eigenen Text wert.

  22. REPLY:

    Notorische Herzenbrecherin…wäre ich auch gern. Stelle ich mir unterhaltsam vor. Und Pete Doherty finde ich sehr, sehr cool. Und schön singen kann er auch.

  23. REPLY:

    gebrochenen, fragilen Eleganz

    Seltsam, das ist nicht, was mir bei Kate Moss als erstes einfällt. Ich denke bei ihr sofort an verquollene, hässliche Augen und nichtvorhandene Oberweite.

  24. REPLY:

    Und ich blicke in die Zukunft. Wenn sie dereinst mit faltendurchzogener, ledriger Haut den spröden Glanz vergang’ner Schönheit verströmt, das knisternde Geräusch bei Bewegungen meine ich jetzt schon hören zu können.

    Wie gut haben es da die Damen, deren Körpermaße das Ideal(?) um ein, zwei Größen überschreiten, die im Alter dann die notwendige Substanz zum Füllen der Falten bieten.

    Fragile Eleganz durch knochig verursachten Schattenwurf?

  25. REPLY:

    Das kommt auf die Situation an. In „Die Akte Jane“ ist Moore nun
    wirklich nicht gelackt. Ich hätte auch Sharon Stone, Shakira,
    die junge Sigourney Weaver oder Isabel Adjani bzw. Galia Ben
    Ali oder Fayrouz schreiben können. Gemeint war einfach: Schöne
    Frauen, die ein völlig anderer Typ sind als Kate Moss. Ist eine
    Pyramide schöner als eine Kathedrale oder ein Whisky besser
    als ein Wein? Frau Modeste ist schön, sieht aber überhaupt nicht aus wie
    Kate Moss, das war die Aussage 🙂

  26. Madame Modeste

    sieht schön aus? Da schleppe ich mich vielleicht doch mit meinen alten Knochen zur Lesung und betrachte sie voll väterliches Wohlwollen beim Vortrage.

    Mukono kratzt sich den Kopf

  27. REPLY:

    Wenn Sie kommen, Herr Mukono, freue ich mich natürlich besonders, würde es aber mehr schätzen, wenn Sie meiner Texte halber erscheinen als wegen der falschen Versprechungen von Frau Arboretum.

  28. REPLY:

    Bezüglich Kate Moss teile ich Ihre Einschätzung, liebe Modeste. Sie ist eben nicht perfekt – sie ist eigentlich zu klein für ein Model, besitzt nicht diese extrem ebenmäßigen Gesichtszüge wie all die anderen, Drogenkonsum und Rockstar-Freund finden wir auch auf der Liste. Sie ist sehr, sehr menschlich, ein bißchen wie die coole beste Freundin, die man früher immer gerne gehabt hätte.
    Wenngleich ich weder Pete Doherty noch Johnny Depp auch nur irgendwas abgewinnen kann.

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