Florentiner Notizen (3)

Die Heilige Barbara hat ja immer einen Turm dabei und der Heilige Martin eine Gans. Ich bin zwar nicht heilig, aber ich trage immer ein Telefon mit mir herum, und in das säusele, beschwöre, zwitschere und überrede ich hinein. Auch, wenn ich im Saal der Fünfhundert im Palazzo Vecchio stehe, das ist mir ganz egal, schließlich war ich schon mal da, und meinem F. erzähle ich dann eben beim nächsten Zusammentreffen mit einem solchen ganz genau, was ein Zentaur ist und was man macht, wenn man einem begegnet.

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Als wir wieder vor dem Palazzo stehen, lege ich das Telefon weg. Noch erkennt der F. mich auch so, deswegen setzen wir uns in die Loggia dei Lanzi und unterhalten uns ausführlich über Perseus und die Medusa. Die griechische Mythologie hat auch nach 3000 Jahren noch das Zeug, kleine Jungen zu beeindrucken, und so wandern wir zu dritt durch die Stadt, sprechen über Monster, essen Kuchen und schlafen, bis es dunkel wird.

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Am Abend essen wir in der Yellow Bar Pasta, Schnitzel und Steak. Noch ein bisschen herumspazieren möchten wir dann, laufen am Bargello vorbei Richtung Piazza della Signoria, aber dann steht vor der Chiesa San Firenze ein Schild, es soll ein Konzert geben, 45 Minuten Opernarien und eine Harfe, und so setzen wir uns in die schöne, barocke Kirche, lassen uns etwas vorsingen, erläutern dem F. flüsternd, was die schönen Stimmen singen und landen noch viel später zufrieden beim Wein auf dem selben Platz wie am Vorabend, trinken Wein und essen Käse, und der Abend fließt an uns vorbei wie schwarzer Wein.

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5 Gedanken zu „Florentiner Notizen (3)

  1. Ich würde ja gern einmal Mäuschen spielen, wenn Sie und der F. über Medusa und andere Monster reden oder Sie ihm das korrekte Verhalten bei der Begegnung mit einem Zentauren erläutern.

    1. Das ist eigentlich recht umspektakulär: Ein Mann, ein Kind und Frau, die rege aufeinander einreden. Die Sache mit den Zentauren allerdings, die ist wirklich verwickelt.

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