No Fashion. No Style

Schönheit, sagt man, liege immer im Auge des Betrachters, aber das ist natürlich Quatsch. Bisher sind alle Bemühungen, das Schönfinden einfach aller Leute durch öffentliche Proklamationen irgendwie zu fördern, ziemlich folgenlos verhallt. Auf der Fashion Week laufen jedenfalls immer noch sehr dünne, sehr junge Osteuropäerinnen über die Laufstege, und der einzige Trost als mittelalte, mitteldicke Frau ist es eigentlich, dass man die feilgebotenen Sachen auch gar nicht haben will, weil man die weder in Gegenwart seiner Kollegen noch in der kleiner Kinder tragen kann. Kleidung für andere Gelegenheiten brauche ich quasi nicht.

Leider enthebt einen dies nicht der Notwendigkeit, überhaupt Kleidung zu kaufen. Zum einen ist hierzulande ziemlich kalt. Zum anderen ist es unüblich, nichts oder immer nur dasselbe zu tragen. Ich habe ernsthaft darüber nachgedacht, beruflich einfach immer ein blaues Kleid mit blauem Blazer und privat Jeans und Streifenshirts zu tragen, aber die Leute würden mich für exzentrisch halten, und das wäre mir nun auch wieder nicht recht.

Nun kann man nicht einmal sagen, dass ich es nicht schaffen würde, mir etwas zu kaufen. Im Onlineshoppingzeitalter ist das ja alles nicht so schwer, da reichen 20 Minuten an einem Sonntagabend. Oder ich raffe mich auf und gehe ins Lafayette. Ich habe jetzt auch keine so komplizierte Figur. Ich kann mich nur nicht überwinden, denn ich interessiere mich für kaum etwas weniger als für Mode. Ich kann mich auch nicht anziehen, bei mir hat alles irgendwelche komische Flecken, mein Strumpfhosen haben Laufmaschen, und wenn sonst nichts ist, platzt eine Naht.

Sehr beneidet habe ich schon vor geraume Zeit Männer um die Möglichkeit, bei so einem Onlineshop mit Sitz in der Berliner Torstraße ganze Outfits zu beziehen, die die aussuchen und einem schicken. So etwas möchte ich auch. Ich habe also am Wochenende bei Zalon den Fragebogen ausgefüllt und warte auf die Lösung aller meiner Kleidungsprobleme.

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9 Gedanken zu „No Fashion. No Style

  1. Wunderbar.
    Ich teile Ihr Bekleidungsproblem. Vor einer Weile habe ich daher auch einmal versucht einen Zusammenstelldienst zu nutzen. Leider scheiterte das – nicht nur, aber in erheblichem Umfang – an meinen Maßen. Für kleine zarte Menschen ist die Modeindustrie nicht ausgerüstet, es sei denn, sie sind Teenager. Die Kriterien kleinkinder oder kollegen-tauglich lassen mich schmunzeln, im Mini auf den Spielplatz oder zur Arbeit würde immerhin für Gesprächsstoff sorgen.
    Was ich eigentlich nur sagen wollte: Ich wünsche Ihnen von ganzem Herzen Erfolg bei diesem Vorhaben!

  2. Also ich fände das mit den Standardoutfits cool (auch exzentrisch, aber das macht ja nix). Einfach souverän als Markenzeichen hinstellen, dann passt das schon 🙂
    (nee im Ernst: warum sich dazu zwingen ein Interesse für Mode zu entwickeln wenn es einen nicht interessiert?)

    Außerdem machen das viele Männer ja auch (mein Boss trägt immer schwarze Anzughose mit meist weißem Hemd. Im Sommer ohne Sakko, im Winter mit Sakko, für ganz fein mit Krawatte).

      1. Ich fand neulich eine Hose, die kleidsam und vielfältig einsetzbar war und kaufte sie in drei Farben (schwarz, petrol, marine). Das habe ich nicht bereut.
        Als es vor einiger Zeit im Internet in Mode war, die Anzahl der Kleidungsstücke öffentlichkeitswirksam zu reduzieren, stieß ich auf einen Blogeintrag irgendwo, der darauf hinauslief, dass die Verfasserin Kleidungsstücke grundsätzlich nur noch in drei miteinander kombinierbaren Farben besaß und sich daher immer stressfrei, aber variabel anziehen konnte. Das finde ich ein nicht unattraktives Konzept.

  3. Das habe ich jetzt auch gemacht! Etwas abgeschreckt hat mich der Telefontermin mit dem Stylisten. Aber ich gebe der Sache eine Chance. Hat’s geklappt?

    1. Ja und nein. Ich habe Sachen erhalten, die mir gefallen haben, aber viele habe ich schon. Ich besitze einen Trenchcoat, ich habe diverse Ethikleider, und die Farben blau, beige und weiß dominieren bei mir sowieso. Behalten habe ich aber eine weiße Bluse von HUGO, sehr schön, ein paar blaue Pumps von Peter Kaiser (ja, den gibt’s immer noch) und ein Etuikleid von Tiger of Sweden. Insofern gute Ausbeute, aber eben auch nicht ehr originell.

      1. Klingt aber trotzdem gut. Und vielleicht nochmal genau das fordern, also von den hippen Stylisten – die können sich ja auch mal was einfallen lassen. Wobei ich mich schon frage, ob man nicht am Ende heimlich das Zeug angedreht bekommt, was dann im Sale landet. Also wie echt ist das Konzept und wieviel von dem Zeug wollen die in Wirklichkeit nur dringend loswerden. Ist ja nicht so, dass persönliche Stylisten von Bäumen fallen. Ich bin aber mal auf meine Kiste gespannt.

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