Konfetti, 5

Grossartig, diese heißen Bäder. Man zieht sich komplett aus, begibt sich in einen Duschraum, in dem die Leute auf kleinen Plastikschemeln hocken und wäscht sich sodann so gründlich, dass nicht einmal dann, wenn man sich unmittelbar im Anschluss auf einem Riesenstreifen Tesafilm wälzen würde, auch nur ein einziges Hautschüppchen klebenbleiben würde. Sodann steht man auf, begibt sich zu dem Bassin, in dem sich das Quellwasser befindet und steigt hinein.

Nach wenigen Minuten ist man krebsrot. Das Wasser ist ziemlich warm, also gerade noch so angenehm bis erträglich. Da liegt man also herum und dämmert so vor sich hin. Hinter einer Scheibe liegt eine Art unbegehbarer Ziergarten en miniature, sehr hübsch mit Steinen und Moos, flackernd beleuchtet, an der Decke über mir blitzen ein paar Reflexionen des ganz leicht salzigen, etwas eisenhaltigen Wassers, und kurz bevor ich schlafend ins Wasser rutsche, stehe ich auf und trockne mich ab.

Dann sollte man sehr, sehr lange schlafen.

***

Kultur schlägt Natur natürlich immer, und es gibt, das haben wir gelernt, keinen natürlichen Körper, also auch keine Stimme, die wir einfach hätten oder auch nicht. Die hohen Stimmen vieler asiatischen Frauen sind also auch nicht auf andere Stimmbänder zurückzuführen, sondern auf eine kulturelle Vorstellung von Frauenstimmen.

Ich habe an sich keine hohe Stimme. Ich singe scheußlich, aber das im Alt, und wenn ich eigene Diktate höre, bin ich manchmal etwas erstaunt, dass ich tatsächlich deutlich tiefer spreche, als ich mich selbst höre. Insofern ist es schon etwas erstaunlich, wie wenig Zeit in Asien erforderlich ist, um meine Stimme doch ganz spürbar zu verändern. Ich spreche höher. Ich habe das in Bangkok bemerkt, wo ich vor ziemlich vielen Jahren nicht nur ein paar Monate gelebt, sondern auch gearbeitet habe, in Vietnam, und nun auch hier. Wenn Sie mir also in den ersten Tagen nach meiner Rückreise begegnen: Wundern Sie sich nicht. Ich bin es wirklich.

 

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3 Gedanken zu „Konfetti, 5

  1. Interessant das mit den höheren Stimmlagen der japanischen Frauen. Die Weiblichkeit soll wohl kindlicher und sanfter klingen. Bei japanischen Männern ist mir aufgefallen, dass manche bewusst gepresst und tiefer sprechen. Die „schwache“ Frau und der „starke“ Beschützer.

    Ich lese Ihre Reisebeobachtungen ausgesprochen gerne, in Details steckt viel Wesentliches aus der anderen Kultur.

  2. „Kultur schlägt Natur natürlich immer, und es gibt, das haben wir gelernt, keinen natürlichen Körper, also auch keine Stimme, die wir einfach hätten oder auch nicht“ Da hilft mir leider nur der gleiche lockere Umgang mit den Fakten und Worten, wenn auch weniger kunstvoll: Aus welchem youtube-video oder Blog stammt denn die oben zitierte Weisheit? Vielleicht mal mit ner Rcherche in den Naturwissenschaften versuchen, dass erdet solche Annahmen sehr schnell. Ja, natürlich hat der kulturelle Einfluss massive Auswirkungen auf die Ausgestaltung der biologischen Hardware. Aber in den Grenzen der Physik und Chemie. D.h. ohne Operation oder Hormongabe wird aus Frau Modeste nie ein Bass. Und das sag ich nicht nur als Mensch mit sozial- und naturwissenschaftlicher Ausbildung, sondern auch als Chorsänger seit 1998. Dererlei gesellschaftpolitische Flexibilitätsfantasien die ignorieren, dass es „da draussen“ unverhandelbare Realitäten gibt würde ich vorsichtiger anfassen, selbst im Urlaub. Ich verstehe ja Wunsch und Bedürfnis dahinter, nur hilft das in der harschen Realität nicjt weiter. Dass grade in Japan bestimmte Verhaltensweisen massiv kulturell implementiert sind, allein schon deswegen, weil bis vor gar nicht so langer Zeit falscher Tonfall zum falschen Mann oder qua Denunziation auch zur falschen Frau Kopf ab bedeutete und das natürlich harte soziale Anpassungen schafft? Geschenkt, volle Zustimmung. Aber die o.a. trumpeske Vereinfachung? Ich würde sie einfach streichen und vergessen. ? Kulturelle und biologische Evolution durchdringen einander so sehr, dass vermutlich eine Abgrenzung eh sinnlos ist.

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