Teneriffa Tales 3

Der Typ beispielsweise da drüben in den roten Boxershorts. Nacken etwas zu ausrasiert, Nacken etwas zu dick. Vor fünf Jahren war er muskulös, in fünf Jahren wird er fett sein, aber heute ist er circa 40 und wirft seinen Sohn im Pool hoch und fängt ihn wieder auf. Immer so ein bisschen zu breitbeinig, und die Arme auch so ein bisschen ausgestellt, als hätte er Brust- und Oberarmmuskeln, die einer entspannten Körperhaltung entgegenstehen. Auf der rechten Wade hat er eine kleine Tätowierung. Ich bin mir sicher, er denkt nicht wesentlich differenzierter als ein Stein.

Die Frau da auf der Liege. Vielleicht 50, hager, sehr groß, lange Haare. Sehr gepflegt, anders als bei vielen nicht mehr ganz jungen Frauen sehen ihre Haare super aus, keine splitternden Spitzen, die Färbung ist extrem natürlich, und selbst wenn sie aus dem Wasser kommt, sehen ihre Haare schön aus. Ansonsten würde man ihr wünschen, ein paar Kilo zuzulegen, nicht viel, damit die rotgebrannte Haut nicht direkt über Muskeln und Adern läge. Sie sieht ein bisschen aus wie die präparierten Toten in dem Panoptikum am Alexanderplatz, und die tiefen Falten zwischen den Augen und die scharf eingeschnittene Nasolabialfalte tun mir ein bisschen leid. Dünne Frau, du hast es auch nicht immer schön, denke ich, während sie auf Espadrilles mit Keilabsätzen und einem wehenden, transparenten Kimono im Leopardenprint zur Poolbar schreitet.

Die kleine, fesche Mutter mit den beiden Töchtern dagegen gibt keinen Anlass für Mitleid. Sie ist ein Kugelblitz mit schwarzen Augen und dicken Haaren, piekt ihre Jüngste mit dem Zeigefinger in den Bauch und lässt sie fröhlich quietschen. Die Große sieht weder ihr noch dem Baby ähnlich, ein blässliches, zartes Mädchen von 12 oder 13, die auf ihrer Liege liegt und auf einem Kindle liest. Ob sie die Stiefmutter ist? Oder ist das Mädchen nur in der Vorpubertät und distanziert sich von der Mutter? Erst beim Frühstück ordne ich den Vater der Familie zu: Es ist ein sehr aufrechter, gegerbter Mann mit ein paar gelbgrauen Strähnen auf dem Kopf, der ein paar Schritte abseits unablässig telefoniert.

Oh, und wir. Mutter und Sohn, er liest, sie liest. Ab und zu wird gebadet. Sie wirkt leicht gelangweilt. Das Kind dagegen amüsiert sich königlich.

 

7 Gedanken zu „Teneriffa Tales 3

  1. Hauptsache das Kind ist glücklich, dann hat sich die Reise dorthin doch schon gelohnt. Und gutes Essen wird man auf der Insel doch wohl auch finden, oder?

  2. Ich lese immer gern hier mit, aber bei Aussagen wie „Ich bin mir sicher, er denkt nicht wesentlich differenzierter als ein Stein“ kann ich nur den Kopf schütteln. So sieht also niveauvolles Proletariats-Bashing aus.

    1. Oh, da haben Sie, fürchte ich, die Vorurteile und nicht ich: Der ziemlich grobschlächtige Mann war keineswegs proletarisch, sondern wirkte ausgesprochen wohlhabend. Vielleicht ein Banker, Brite, würde ich sagen

      1. Uff, da haben Sie mich erwischt. Jetzt schüttle ich über mich selbst den Kopf.

        Ich glaube, ein Teil meiner Beobachtung ist dennoch nicht ganz falsch: Mitunter scheint mir, als kämen Menschen, bei denen Sie einen geringen Intellekt (oder etwa Interesse an Kultur) vermuten, nicht so gut bei Ihnen weg. Kann man das so sagen?

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