Lückenbüßer.

Es habe, sagt ihre Schwester, nicht lange gedauert. Weihnachten 2017 war er schon in Gedanken woanders. Ostern 2018 bemühte er sich dann gar nicht mehr, seine Abwesenheiten zu bemänteln. Und nach dem quälenden Sommerurlaub im Fichtelgebirge zog er dann aus. Inzwischen ist er wieder da. Ihre Schwester habe ihn zurückgenommen. Die Kinder hätten sich sehr gefreut. Es sei, als wäre er nie weggewesen.

Es sei so ein bisschen unklar geblieben, ob er sich von der anderen Frau getrennt hätte. Oder sie sich von ihm. Sie würden sich jedenfalls nicht mehr sehen. Er hätte auch nie von der anderen gesprochen, bis auf dieses eine Mal, am ersten Abend, als er wieder aufgetaucht war und er ihrer Schwester gesagt hätte, dass die andere ausgesehen hätte wie die S., damals, irgendwann in den Achtzigern, als er mit der S. zur Schule gegangen war. Alle Jungen aus seiner Klasse hätten die S. geliebt. So lange, braune Haare und Augen wie Audrey Hepburn. Und lustig dazu. Niemand hätte sie bekommen, bis auf ihn, wenn auch mit 30 Jahren Verspätung, auch wenn es nicht die echte S. gewesen wäre, sondern nur ihre Doppelgängerin, sozusagen. Und nun sei es auch gut.

Für mich wäre das gar nicht gut, sage ich und sagt ihre Schwester, aber ob es nun Liebe ist oder nur Verzweiflung oder Fantasielosigkeit oder ein Kassensturz: Er ist wieder da, es ist vorbei mit der Doppelgängerin, und wenn nicht noch eines Tages die echte S. auftaucht, dann werden sie jetzt wohl zusammen alt.

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