Mit einem Taxi nach

Oh mein Gott, beschwöre ich den Allerhöchsten im Namen aller Berliner. Wir mögen ein bisschen anstrengend sein. Aber das haben wir nicht verdient. Diese Dunkelheit. Diese alles durchdringende, feuchte Kälte, die selbst geborene Optimisten nicht an fröhliche Schlittenfahrten, sondern an den Tod erinnert.

Zu alledem habe ich mich vom F. überreden lassen, ohne Wagen das Haus zu verlassen. Seit er letzte Woche zwei geworden ist, fühlt der F. sich nämlich „groß“ und hat es vor fünf Minuten oben im warmen Flur deswegen strikt abgelehnt, sich in die Karre zu setzen. Mir kommt das entgegen, denn auf dem Weg zur Kita gibt es eine Treppe.

Nun aber stehen wir auf der Straße und frieren wie das Mädchen mit den Schwefelhölzern und sein von H. C. Andersen aus Schicklichkeitsgründen verschwiegenes nacktes Kind. Auf den Bäumen vor dem Haus krächzen Raben ihr düsteres „Nevermore“, bei dem sich hier jeder aussuchen darf, was sie wohl meinen, und die Passanten sehen alle so aus, als sei ihr Hobby gelebte Misanthropie. So auch der F., der neben mir steht in seinem Schneeanzug mit einem Mund wie ein Strich und einer beunruhigenden Falte zwischen den Brauen. „Wollen wir denn jetzt mal?“, greife ich nach seiner Hand, aber der F. schüttelt den Kopf. Sehr entschlossen steht er da auf der Ecke zwischen der Tür der Konditorei im Erdgeschoss und einer dick verschneiten Bank. „Wir müssen jetzt los.“, unterstreiche ich meine Entschlossenheit und zerre den F. ein paar Meter weiter. „Nein!“, kreischt der F. auf einmal auf, schaut mich herausfordernd an, wirft seinen rechten Handschuh energisch in den Schnee und brüllt:

„Taxi!“

8 Gedanken zu „Mit einem Taxi nach

    1. Leider. Heute abend interveniert er doch tatsächlich, als ich mir die zweite Portion Thunfischnudeln nehme, und kreischt: „Mama! Nein! Meeeeiiiine Nuuuuudeln!“ Diesen Futterneid, den hat er nicht von fremden Leuten.

        1. Na klar. Und er ist ein großer Bäcker, der in meinen Rührschüsseln so kräftig herumfuhrwerkt, dass selbst der empfindlichste Biskuit einfach nur gelingen kann. Inzwischen backt er mit mir auch schon echte Kekse und singt dabei: „Buuuutter! Buuutter! Schmalz!“

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