Kontrollieren

Das geht so nicht weiter. Ich nehme kein Gramm ab, weil ich quasi ganztags esse, und während andere Leute sich von Salat und Suppe ernähren, haue ich rein, als würde morgen Essen rationiert. Wahrscheinlich liegt das daran, dass mir keiner auf die Finger guckt. Dem J. ist das nämlich egal, meine Mutter wohnt nicht hier, und meine Selbstkontrolle ist immer gerade außer Haus, wenn es um Essen geht. Deswegen werden Sie mich nun kontrollieren: Ich schreibe täglich auf, was ich esse. Sie sagen hoffentlich was dazu.

Heute beispielsweise muss ich mich tadeln. Ich habe mittags Lachsforelle gegessen, Hummersauce mit Kapern, Nudeln und Kohlrabi. Soweit war das alles noch okay. Heute nachmittag aber habe ich gebacken, also so Müslimuffins, die staubtrocken waren und irgendwie schon eher protestantisch, und von denen habe ich im Garten von Freunden erst einen gegessen, und dann noch so ein bisschen herumgesessen. Mich unterhalten. Mit den Kindern gespielt. Am Garten vorbei fuhren Boote und Schiffe, mein F. fiel ins Schilf, und dann, als ich mich psychisch gerade darauf einstellte, nach Hause zu fahren und da Brot zu essen, fiel der Vorschlag, etwas zu Essen zu holen. Beim Griechen, denn das sei nicht so weit weg.

Wir blieben also. Es gab Essen vom Griechen. Und nachdem ich vorgestern Steak und gestern Schnitzel gegessen habe, aß ich heute Lammkoteletts. Und Pommes Frites. Und nur sehr wenig Salat mit einer obskuren Sauce.

Nun sitze ich auf dem Sofa. Traurig betaste ich meinen Bauch. Ich habe, das muss man so drastisch sagen, keine Taille. Ich fühle mich irgendwie mau.

9 Gedanken zu „Kontrollieren

  1. der gedanke der protokollierung ist erst einmal gut. sagen die ernährungswissenschaftler. aber … nur allzu gerne werden all die kleinen „zwischendurchs“ vergessen. die süßigkeitenbox auf der arbeit, in die man im vorbeigehen reingreift. das kuchenstück, das man zum geburtstag der kollegin isst, die chips abends auf dem sofa …
    ein beliebter fehler auch: alles rohe rot-grün-gelbe gern als quasi-nix zu behandeln (ein großer obstsalat z.b. enthält allerhand (frucht)zucker und richtigen ja auch, am richtigen salat sind öl oder dressing dran) von reichhaltigen getränken gar nicht zu reden: der zucker im saft, im kaffee usf.

    vermutlich – auch das o-ton e-wissenschaftler – sind es diese unbeachteten kalorien, die auf die hüften schlagen, obwohl wir glauben, „gar nicht so viel“ zu essen.

  2. Liest sich erst mal alles wunderbar. Es fehlt allerdings die Information, wie es geschmeckt hat. Was sehr gut bis gut geschmeckt hat, war in Ordnung. Was nicht oder eigentlich nicht geschmeckt hat, hätten Sie weglassen sollen – zum Beispiel der Muffin, der zumindest in der Beschreibung am schlechtesten weg kommt.

  3. Da erkenn ich mich wieder. Ich ess meistens auch zu viel. Nur dank meiner guten Gene bin ich noch nicht übergewichtig, aber meinen Bauch mag ich auch nicht. Ich hab gute Zeiten, in denen ich mich wirklich beherrschen kann, aber darauf folgt wie das Amen im Gebet eine Fressattacke. Gestern und heute habe ich 48 Stück Toffifee gegessen.
    Also das ist jetzt wirklich keine große Hilfe, ich hab auch noch nicht den besten Weg gefunden. Was ich allerdings herausgefunden habe ist, dass es mir leichter fällt kompromisslos auf Süßes zu verzichten, als nur wenig zu essen. Wenig geht einfach nicht, das wird immer viel.

  4. Mäßigung und Kontrolle waren mir so ungefähr 20 Jahre lang kaum möglich. Jetzt aber seit zwei Wochen geht’s. Das fiel zufällig zusammen mit einer Koloskopie im Rahmen einer Krebsvorsorge. Einmal komplett leer bitte, tut echt gut.
    Dann der Entschluss, keinen Zucker mehr und kein Weißmehl zu mir zu nehmen, aus gesundheitlichen Gründen, um drohenden Diabetes zu vermeiden. Fällt mir ja schwer, all die leckere Marmelade, die ich eingekocht hatte, keine Croissants oder Kuchen mehr, geschweige denn Eis oder Schokolade, Gott bewahre!
    Stattdessen Vollkornbrot vom Biohof, Margarine statt Butter, keine Wurst mehr, sondern nur noch Schinken, Eier und Fisch. Lieber Buttermilch und griechischen Joghurt pur als Milch und Sahne etc.. Als Naschereien gibt’s nur noch Obst oder Minitomaten,manchmal salzige Nüsse.
    Und…es geht, der Jibber und die Gier sind erheblich weniger geworden (Zucker-Insulin-Teufelskreis).

    In der Apothekenumschau gibt’s ne schöne simple Vorlage „Ernährungstagebuch“. Also ich muss weitermachen, Sie ja nicht unbedingt. Sie haben bestimmt noch 20 Jahre Zeit, bis es „Klick“ macht im Kopf.

    1. Nee, überhaupt nicht. Ich esse nur drei Mahlzeiten zu bestimmten Zeiten, das weiß ich abends noch. Das dauernde Zwischendurchgefuttere ist ohnehin nicht gut, führt zur dauernden Insulinproduktion und macht extra dick.

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