Woanders. Nicht hier.

Gelangweilt in Dierckes Schulatlas herumzublättern, während vorn an der Tafel Herr F. monoton etwas über Landwirtschaft in der UdSSR schwadroniert. In Russland, höre ich, hungern die Leute, aber die Karten sind so bunt, so bunt, erzählen von Erzvorkommen und Bergen, Meeren, und wenn man nicht ganz genau hinsieht, kann man Scheiche sehe und Oasen, singende Frauen mit Krügen auf dem Kopf und melancholische, alte Indianer.

Wie schön das klang: Odessa. Luxor. Ätna, Bergamo. Eriwan und Dehli. So viele Geschichten staken in den kleinen, runden Punkten. Keine der Geschichten aber kannte der Herr F., und die Karten selbst hatten noch nichts zu erzählen, damals, als es das Internet noch gar nicht gab, irgendwann so ungefähr 1985.

Inzwischen ist das anders, denn zu den großartigen Dingen, die das Internet kann, gehört, dass man das machen kann: Die Frau Kitty hat eine Riesekarte eingerichtet voller Geschichten. Ich bin begeistert, befülle (gerade habe ich 2006 durchforscht und hochgeladen) und bewerbe: Hier ist es. Machen Sie mit.

So gern geraucht

Die letzte Zigarette … warten Sie: Es muss im Sommer 2011 gewesen sein. Ich saß auf dem Helmholtzplatz, vor dem Vin Pearl, wo man wirklich ganz gut essen kann, und trank irgendwas mit Hibiskus und Wodka. Mir gegenüber saß der U. und sprach mehrere Stunden über seinen Beruf.

Es war schon ziemlich spät. Der Himmel hing schwer, warm und feucht in die Bäume. Die Erde dampfte. An den anderen Tischen saßen ein paar Paare, zwei Mädchen zeigten sich gegenseitig Bilder auf ihren Handys, und ich dachte darüber nach, was eigentlich aus den Bettlern geworden ist, die früher immer hier waren und dann irgendwann nicht mehr.

Irgendwann brach ich auf. Der U. sprach immer noch, als ich aufstand, er sprach, als ich mein Rad aufschloss, und als er 50 Euro auf den Tisch warf, sprach er gleichfalls einfach weiter.

„Hast du noch eine Zigarette für mich?“, unterbrach ich ihn, und er nickte. Der U. rauchte eigentlich nicht, nur ab und zu und sozusagen inoffiziell, und dass er trotzdem immer Zigaretten dabei hatte, lag vermutlich an seiner Abneigung daran, irgendwelche Leute um etwas zu bitten. Mir kam das entgegen. Ich rauchte schon damals eigentlich auch nicht mehr.

Ich glaube, er war schon wieder bei seinem Job, als er in seiner Tasche nach einem zerknüllten Päckchen P&S suchte, eine einzelne Zigarette aus dem zerknautschten Papier fingerte, sie sich zwischen die Lippen steckte, anzündete und ein-, zweimal langsam zog. Für vielleicht zehn Sekunden war es still. „Danke.“, sagte ich, drehte mich weg und schob mein Rad langsam die Dunckerstraße abwärts Richtung Norden.

Zwei Tage später wusste ich vom F. und saß überwältigt und benommen auf einer Hochzeit in Sachsen-Anhalt. Natürlich rauchte ich nicht. Auch als der F. dann da war, rauchte ich nicht eine einzige Zigarette. Ich bin Nichtraucherin, sage ich inzwischen ohne die Einschränkungen, mit denen ich früher meine späteren Niederlagen garnierte, doch gestern nacht, gestern nacht in der Küche der Frau Kitty, angelehnt an die Küchenzeile und im Gespräch mit dem gloriosen Monsieur Glamourdick, da war ich so nah dran: Fast schon die Rechte ausgestreckt, fast schon die Lippen geöffnet, fast schon die Lunge voll mit trägem, weißen Rauch, und dann doch. Doch nicht. Doch so nah dran.

Sekt

„Sucht Euch was aus.“, stellt der M. drei Flaschen vor uns auf. Schloss Wackerbarth lese ich auf der ersten, Mumm auf der zweiten, und den Namen der dritten Flasche habe ich vergessen. Jedenfalls war es Champagner. Champagner unterschreitet – so meine Erfahrung – nie ein trinkbares Niveau und versetzt mich eigentlich immer auf der Stelle in richtig gute Laune. Ich möchte deswegen eigentlich sehr gern von der dritten Flasche trinken, aber irgendetwas hält mich zurück.

„Sei doch nicht so spießig.“, zische ich mir zu, aber das hilft gar nichts. „Man trinkt doch nicht einfach so Champagner!“, zischt es nämlich zurück, und dann sehe ich sie in meinen Augenwinkeln auf dem Sofa sitzen: Die weißen Haare akkurat frisiert und mit sehr viel Haarspray fixiert. Ein hellblaues Twinset mit goldfarbenen, runden Knöpfchen daran. In den Händen Strickzeug oder einen Stickrahmen oder auch nur einfach die Zeitung, sitzt meine Großmutter auf dem rosengeblümten Sofa der M. und des M., und schaut mich stirnrunzelnd an.

„Wir brauchen einen Anlass!“, höre ich mich folgsam sagen, und neben mir nickt die I. Die hatte bestimmt auch eine Oma, die Champagner nicht anlasslos trank, bin ich überzeugt, und auch der M. wundert sich rein gar nicht. „Dann trinken wir eben auf die S.!“, geht er auf meine innere Großmutter ein, deutet auf sein frisch geborenes Baby, und wir nicken begeistert. Ein Neugeborenes ist ein richtig guter Anlass, der auch meine Oma voll und ganz überzeugt hätte, und so füllt der M. die Gläser.

Ob es, überlege ich, solche Damen eigentlich noch gibt? In deren Kopf es eine wohlgeordnete Rangfolge gibt, zu welchen Anlässen Champagner getrunken werden darf? Die ganz genau wissen, dass zu einem 70. Geburtstag Champagner gereicht werden darf, zu einem 68. aber nur Krimsekt? Die gern morgens für den Kreislauf oder nachmittags mit Freundinnen zu Tee und Torte einen Sekt aufmachen, aber dann darf es nur Mumm sein oder maximal ein Winzersekt, der ungefähr die zehn Mark kosten darf, die der Mumm kostet?

Mit Sparsamkeit hatte das, so weit ich das beurteilen kann, noch nicht einmal etwas zu tun. Auch geschenkter Champagner durfte nicht einfach so geöffnet werden, und ich meine mich deutlich daran zu erinnern, dass eines Tages, wir waren just nach 500 km Fahrt angekommen, ein Sekt getrunken werden sollte, aber ausschließlich Krimsekt oder Champagner im Haus waren. Davon gab es bisweilen nämlich ziemlich viel, weil mein Onkel P. von dankbaren Mandanten immer wieder Champagner geschenkt bekam, aber wegen Problemen mit derlei Getränken in der Vergangenheit jenen nicht trank. Meine Großmutter öffnete angesichts dieser Lage nun aber nicht etwa die günstigste Flasche der vorhandenen Vorräte. Vielmehr zog sie sich an, nahm mich an die eine Hand, eine Einkaufstasche in die andere, und zog los.

„Auf die S.!“, verteilt der M. nun die Gläser, und wir trinken auf das Kind. Lebe hoch, denke ich und lächele dem schlafenden Baby zu. Alles Gute. Hab‘ es immer, immer gut, wünsche ich der Kleinen, Glück zuhauf und jeden Tag – wann immer Du magst – Champagner.

Der Möbelhändler aus Moskau

Vor einigen Jahren – ich glaube, es war 2009 – fuhr ich mit dem J. also nach Bali.

Bali ist hübsch. Die Balinesen sind ganz freundlich, es gibt ziemlich dekorative Tempel mit skurrilen, kleinen Geister- und Götterfiguren darin und darum, und es gibt einige nette Hotels. In einem dieser Hotels wohnten wir und lagen im Bett. Es war früh, also ungefähr zehn abends.

Draußen war es dunkel, aber laut. Es war sogar sehr laut, also sehr, sehr laut, und es wurde auch nicht leiser. Die Lärmquelle war gut zu lokalisieren. Der Krach kam vom Nachbarbalkon, auf dem offenbar eine Art Party gefeiert wurde. Man hörte Gläserklirren und laute Stimmen. „Verdammt, Russen.“, ärgerte sich irgendwann der J., und dann schwiegen wir beide vielleicht zwanzig Minuten zemlich verdrossen, denn wir fahren im Urlaub ganz gern in so absolute Rentnerhotels, um uns da einmal richtig auszuschlafen. Mit feiernden Russen nebenan geht das aber nicht.

Nach einer weiteren halben Stunde hatte ich genug. Es sollte wieder leise sein. „Geh du doch mal rüber.“, bat ich den J., der aufstand, sich anzog, nach draußen ging und dann stundenlang nicht wiederkam.

Für kurze Zeit machte ich mir Sorgen. Dann aber vernahm ich des J. Stimme inmitten der russischen Trinklieder. Verstimmt, aber beruhigt zog ich mir die Decke über den Kopf und schlief ein. Irgendwann nachts erschien der J. und schlief am nächsten Tag bis in den Nachmittag.

In den nächsten zehn Tagen hielten uns die Russen tagsüber am Strand Liegen frei und bestellten für uns Bier mit. Die Russen waren vier oder fünf, ungefähr in unserem Alter. Die Frauen waren blond und hübsch, die Männer eher unauffällig, und der Mittelpunkt der Gruppe war ein russischer Möbelhändler, nett und eloquent, recht gutaussehend und offensichtlich nicht arm. Als sie fuhren, tauschten wir E-Mailadressen, versprachen ein Treffen, wenn wir in Moskau oder die Russen in Berlin weilen würden, und dann ging jeder seines Weges.

Wenig später kam facebook. „Ich habe den Russen wiedergefunden.“, verkündete der J. und zeigte mir ein Bild des russischen Möbelhändlers, wie er mit einer Freundin (seiner Freundin?) im Arm vor einem Club stand. „Aha.“, sagte ich und scrollte die Bildleiste herunter. Auf jedem zweiten Bild stand der Russe in Begleitung hübscher und unwahrscheinlich aufgetakelter Frauen und strahlte in die Kamera.

In den nächsten Monaten, nein: Jahren, wurde der Russe dem J. nahezu unheimlich. In schnellem Wechsel stand und steht er auf den vielen Bildern auf seiner facebook-Seite neben geradezu unwahrscheinlich vielen Damen, die irgendwie aussehen, als würden sie im Fernsehballet tanzen oder fungierten als russische Glücksrad-Assistentin. „Bist du dir sicher, das er wirklich Möbelhändler ist?“, fragte ich den J. mehrfach, der nicht ganz ohne Neid das offenbar verhältnismäßig glamouröse Leben seines russischen Bekannten auf facebook verfolgt. Der Russe, so scheint es, feiert immerzu und jedes Wochenende mit schönen Menschen exzessive Feste.

„Spricht er da über Möbel?“, fragte ich den J. heute, der mir ein Bild zeigte, auf dem der Russe nun offenbar sogar im Fernsehen neben zwei lasziv posierenden Damen zum Publikum spricht. „Sieht nicht so aus.“, meinte der J. stirnrunzelnd und betrachtete verständnislos die russischen Lettern über dem Bild, die den Hintergrund dieses Bildes möglicherweise näher beleuchten. Möbel waren auf dem Bild keine zu sehen.

Ich warf einen Seitenblick auf den J. Er war – er wird dies abstreiten – gelb vor Neid.

Jahresrückblick 2012

Zugenommen oder abgenommen?
Abgenommen. Aber nur, weil ich am 1. Januar 2012 im neunten Monat schwanger war. Obektiv immer noch sieben kg schwerer als vor Beginn der Schwangerschaft. Ich müsste richtig abnehmen, bin dafür aber zu verfressen.

Haare länger oder kürzer?
Unverändert lang.

Kurzsichtiger oder weitsichtiger?
Genauso kurzsichtig wie immer.

Mehr Kohle oder weniger.

Mehr.

Mehr ausgegeben oder weniger?

Weniger. Trotz Baby. Offenbar war der größte Ausgabeposten in den letzten Jahren das Nachtleben. Ich gehe zwar immer noch und ziemlich gern aus, aber allein schon die babysitterbedingt drastische Verkürzung der Nächte auswärts hindert mich daran, für Schrillionen Euro Gin Tonic und Champagner zu kaufen. Dagegen fällt so ein Baby kostentechnisch kaum ins Gewicht, nicht einmal ein Baby mit kaufsüchtiger Mama, die in der Kinderabteilung des Lafayette schon einmal die Beherrschung verliert.

Der hirnrissigste Plan?
In der Elternzeit einen Roman zu schreiben. Es gibt was, das ist aber auch danach.

Die gefährlichste Unternehmung?

Verkehrsteilnahme in Berlin. Ich war ganz gut unterwegs dieses Jahr, aber gefährlich wurde es genau einmal: Im Taxi zwischen Schönefeld und Prenzlberg, als ein Wahnsinniger im Wohnmobil frontal auf uns zuraste, und der Taxifahrer zum Glück ausweichen konnte. Es war kurz nach elf, wir hundemüde auf dem Rückweg aus der Türkei. Der Kerl im Wohnmobil versuchte im Anschluss sogar noch zu flüchten. Der Taxifahrer immer hinterher. Irgendwann kam dann die Polizei. Im Januar findet eine Gegenüberstellung statt.

Mehr Sport oder weniger?

Gleich viel, also wenig.

Die teuerste Anschaffung?

War jeden Cent wert.

Das leckerste Essen?

Im reinstoff. Mein Gott, war das gut. Aber im Rutz war’s auch lecker. Und im Paris Moskau.

Das beeindruckendste Buch?

Christian Kracht, Imperium.

Das enttäuschendste Buch?
Helmut Krausser, Nicht ganz schlechte Menschen. Ich lese selten ein Buch nicht zuende, aber das war nicht auszuhalten.

Der ergreifendste Film?
Ich war nur dreimal im Kino, und ein wirklich ergreifendes Erlebnis war nicht dabei.

Der beste Theaterbesuch?
Josef und seine Brüder im Deutschen Theater. Indes gilt auch hier: Ich war zu wenig im Theater, um dieses Jahr ein wirklich belastbares Urteil fällen zu können.

Die beste Musik?
Rufus Wainwright, Out of the Game. Und Jessye Norman, von deren berückender Interpretation der Gurrelieder man hier einen ersten Eindruck gewinnt.

Die meiste Zeit verbracht mit…?
Dem J. und dem F.

Die schönste Zeit verbracht mit… ?
Dem J. und dem F.

Vorherrschendes Gefühl 2012?
Was für ein Jahr!

2012 zum ersten Mal getan?
Einen Rückbildungskurs besucht. Über die Golden Gate Bridge gefahren. Einen Dollar in Las Vegas verspielt. Geheiratet.

2012 nach langer Zeit wieder getan?
Einen Zahn verloren.

3 Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?
3 kg. Mit den restlichen vier mehr als früher habe ich mich schon fast angefreundet, nachdem sie mir versprochen haben, nach und nach wieder von selbst zu verschwinden.

Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?
Hatte was mit meinem Beruf zu tun.

Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?
Der J. ist eigentlich gut in Form und Haltung, aber im Kreisssaal war er dann doch ganz schön aus dem Häuschen.

Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?
„Mamama!“

Der folgenreichste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?
„Sie können seinen Kopf schon ertasten.“

Der folgenreichste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe?
„Geben sie mir mein Kind!“

2012 war mit 1 Wort…?
Nie dagewesen großartig.

Vorsätze für 20123?
Ein neuer Roman und drei Kilo weniger.

Frau Modestes Guide zu sehr entspannter Mutterschaft (2)

„Am wichtigsten“, fahre ich fort, „ist ohnehin ein ungebremster Wille zur Bequemlichkeit. Glauben Sie keinen Moment, Aufopferung zahle sich irgendwie aus. Weder wird Ihr Kind noch toller, als es ohnehin schon ist. Noch wird Ihnen Ihr Kind die viele Zeit und Mühe in 30 Jahren irgendwie zurückerstatten. Allgemeine Lebenserfahrung besagt nämlich, dass nicht die Mütter, die sich meisten ein Bein ausgerissen haben, später am häufigsten angerufen werden, sondern diejenigen, mit denen man auch als Erwachsener gern Zeit verbringt, weil sie klug, freundlich, amüsant und großzügig sind. Überdies leben Sie einfach besser, wenn sich auch mal jemand anders tummelt. Deswegen gilt:

Lassen Sie sich helfen.

Okay, stillen können wirklich nur Sie. Fläschchen geben kann aber auch Ihr geschätzter Gefährte. Und Wickeln, Füttern, Baden, Anziehen erst recht. Sie werden sehen, Ihr Mann und Ihr Kind sind um so mehr ein Superduo, wenn Sie nicht die ganze Zeit mit Argusaugen überwachen, ob er auch alles genauso macht wie Sie. Ich kann Ihnen versichern: Er wird Ihr Kind anders handhaben als Sie, und es wird beiden prächtig bekommen.

Ihr Mann ist aber nicht die einzige Adresse für Ihren Wunsch nach Freizeit. Ihr Kind durch den Park schieben, kann Ihre Mutter mindestens genauso gutwie Sie und Ihr geschätzter Gefährte. Sie liegen währenddessen in der Badewanne, lackieren sich die Fußnägel, essen Pralinen, probieren eine neue Haarkur und führen lange telefonische Gespräche mit Ihren kinderlosen Freundinnen. Ich versichere Ihnen: Sie werden sich großartig fühlen und außerdem viel großartiger aussehen, als wenn Sie das fünfte Mal in dieser Woche eine gelangweilte Runde durch den Volkspark drehen. Oder Sie liefern Ihr Kind bei guten Freunden ab und gehen zum Friseur.

Was den Haushalt angeht, so sollte man sowieso nur selbst machen, was man gerne macht. Ansonsten zerstört man Arbeitsplätze und bekommt schlechte Laune. Ich beispielsweise kaufe ganz gern ein und koche. Das geht auch sehr gut mit Baby. Alles andere mache ich ungern, das muss dann gegen Geld jemand anders machen.

Überhaupt … Ihr geschätzter Gefährte.

Natürlich hat Ihr Kind viel weichere Haut als Ihr Mann, und außerdem riecht es besser. Es wird Ihnen aber weder Komplimente zu Ihren schönen Augen machen, noch Sie zum Essen ausführen. Außerdem bekommen Sie von Ihrem Kind keine Rückenmassage. Pflegen Sie also Ihren Mann. Sprechen Sie mit ihm über Dinge, die nichts mit dem Kind zu tun haben. Sagen Sie ihm, wie gut er Ihnen gefällt. Suchen Sie sich sehr schnell einen Babysitter und setzen Sie sich gut angezogen und geschminkt zu zweit in ein Restaurant, um vier Stunden lang zu essen und die anderen Gäste zu belästern. Trinken Sie Champagner im Bett und in der bar tausend, feiern Sie das deutsche Filmkunstschaffen auf der berlinale und machen Sie sich schöne Geschenke. Mit einem Wort: Seien Sie ein Paar.

Machen Sie, was Sie wollen.

Gehen Sie auf Parties und binden sich Ihr Kind auf den Bauch. Wenn es nach Hause will, wird es sich schon melden. Wir waren mit dem F. nach knapp drei Monaten auf einer Vernissage, und wer mehrere Stunden später im Pauly Saal nach Hause wollte, war nicht der F. Gehen Sie essen. Nichts hebt so sehr die Laune, und kleine Kinder schlafen meistens sowieso. Wenn Sie (wie ich) Hemmungen haben, mit einem Säugling oberhalb der Sommeliergrenze auszugehen, weichen Sie auf Mittagstische aus. Niemand wird mit der Wimper zucken, wenn Sie um 12:30 im Parioli oder im Margaux Ihren Kinderwagen durch die Tür wuchten, um sich den verpassten Klatsch der letzten Wochen anzuhören. Mein persönlicher Tipp ist das borchardt: Hier ist es immer so laut, dass Ihr Kind eh keinen stört, egal, was es macht. Außerdem lohnt es sich, Ihr Kind früh an Restaurants zu gewöhnen. Der F. beispielsweise steht mit seinen elf Monaten auch sehr ausladende dreigängige Menüs stoisch durch, trinkt Apfelschorle, isst Nudeln mit Käse oder Knödel mit Sauce und verlangt, sobald er irgendwo im Hochstuhl sitzt, erst einmal den Brotkorb.

Noch weniger als in einen deutschem Lokal stören kleine Kinder übrigens im Ausland. Wir waren kürzlich mit dem F. in der Türkei, das war super. Der F. hat sich sauwohl gefühlt, und ich hatte keine Minute das Gefühl, anstrengender zu reisen als früher ohne den kleinen Kerl. Ganz groß aber waren die USA: Wir hatten überall das Gefühl, mit unserem Baby willkommen zu sein.

Lassen Sie das Internet in Ruhe.

Man muss ja keine Glucke sein, um sich immerzu Sorgen zu machen. Der F. etwa ist gerade zum ersten Mal in seinem Leben erkältet, und ich renne den ganzen Tag mit Hustensaft und heißem Tee hinter ihm her und habe schlimme Visionen von Asthma. Ich gestehe sogar, gestern gegooglet zu haben „Können Kinder beim Husten ersticken?“

Das Problem an der Sache: Das Internet beruhigt nie. Man wird im Internet immer denjenigen einzigen Kinderarzt finden, der jede noch so abwegige Sorge bestätigt. Von den anderen Eltern ganz abgesehen. Neulich wollte ich wissen, ob auch andere elfmonatige Kinder nichts weiter als „Mama“ sagen können, und fand mich wieder inmitten einer Forendiskussion von Müttern, deren Kinder jünger als F. sind, aber alles sagen können. Oder so ähnlich.

Überhaupt halte man sich – online wie offline – von Leuten fern, die schrecklich feste Vorstellungen vom Leben mit kleinen Kindern haben, und sich nicht scheuen, die bei jeder sich bietenden Gelegenheit auszubreiten. Machen Sie sich klar: Die anderen wissen es auch nicht besser. Die sind nur lauter. Insofern gilt: Machen Sie es sich bequem. Und stellen Sie schon einmal den Sekt kalt, denn das nächste Jahr wird Ihr Jahr: Das Jahr der entspannten Mutter.

Cheers.

Frau Modestes Guide zu sehr entspannter Mutterschaft (1)

„Pah!“, sage ich, stopfe mir die Kissen wieder ordentlich in den Rücken und schenke Sekt nach. „Mutterschaft ist besser als ihr Ruf. Man bedenke nur einige wenige Regeln.

Zunächst: Überstürzen Sie nichts.

Ich weiß, es ist gerade modern, Studentinnen zum Kinderkriegen aufzufordern. Die hätten, so die Theorie, ja Zeit, und könnten nach dem Abschluss dann mit größeren Kindern ungestört arbeiten.

Jedesmal, wenn ich das lese, frage ich mich: Wie lang soll so ein Studium mit Kind denn eigentlich dauern? Bekommt die Studentin mit 23 ein Kind, schreibt dann (aber wo ist das Kind?) mit 24 eine Masterarbeit, fängt mit 25 an, bei Roland Berger zu arbeiten, während das Kind mit seinen zwei Jahren extrem selbständig morgens in die Kita und abends zurück radelt, während Mama von Montag bis Donnerstag beim Kunden … da haben wir es: Ein zweijähriges Kind ist mit den meisten Karrieren komplett unvereinbar. Es mag sein, dass ein Baby und ein Studium irgendwie vereinbar sind, aber die meisten Jobs sind es nicht. Zumindest die meisten Jobs, die irgendwas mit Geld und Macht, Leidenschaft und Feuer zu tun haben. Nun muss nicht jeder so etwas machen, aber wenn einen ein Kind im Studium auf Jobs limitiert, die bestenfalls 9 to 5 stattfinden, dann ist das für viele Studiengänge keine echte Alternative. Nicht einmal für Leute, die es nicht stört, mit 23 nur mit einem höllischen Organisationsaufwand ausgehen oder verreisen zu können, und die sich zudem ganz, ganz sicher sind, dass der Mann an ihrer Seite auch in zehn Jahren noch der richtige Mann sein wird.

Was das Biologische angeht: Es ist klar. Irgendwann ist Schluss. Aber so viel Zeit, fertig studiert zu haben und soweit gekommen zu sein, dass man selbst bestimmen kann, ob das Meeting um 10.00 Uhr oder um 18.00 Uhr statfindet, so viel Zeit hat man dann doch.

Sie brauchen einen richtig gut bezahlten Job.

Fragen Sie mal eine beliebige Gruppe Studentinnen mit 20, wie sie sich ihr Leben mit 35 vorstellen. Also so beruflich. Ziemlich viele Mädchen werden ihnen sonstwas erzählen von ihrem Beruf, der irgendwas mit Menschen, Tieren oder Kunst zu tun haben soll. Mädchen werden nämlich gern Tanztherapeutin. Oder studieren Kunstgeschichte. Oder werden Pädagogin.

Meine frühere Freundin (für Kenner: Die N.) hat eine derlei beschaffenen Berufswunsch tatsächlich und mit einigem Erfolg in die Tat umsetzen können. Sie hat damit annähernd nichts verdient. Ihr Mann verdient aber sehr gut. Als die Kinder kamen, blieb deswegen logischerweise die N. daheim. Eine Halbteilung der Elternzeit konnte sich das Paar schlicht nicht leisten. Solche Paare kenne ich nun viele. In fast allen Fällen bleibt es aber auch nach dem ersten Lebensjahr bei dieser Aufteilung. Sie ist – zumindest meistens – daheim. Er arbeitet auswärts.

Das geht so einige Jahre gut. Dann aber fängt einer – manchmal auch beide – an, sich schrecklich zu langweilen. Sie ist vielleicht inzwischen Mitte 40 und hat zehn Jahre nicht oder nur ganz wenig gearbeitet und sich zudem an einen Lebensstil gewöhnt, den sie aus eigener Kraft mit ihrem Studium nie wird erwirtschaften können. In diesem Moment kann sie also nur beten: Möge er sie nie, nie verlassen, denn nach spätestens drei Jahren endet die Unterhaltspflicht, und wenn er dann nicht mehr will, kann sie sehen, wo sie bleibt. Selbst in einer Stadt wie Berlin wird es dann schwer, sich in Prenzlauer Berg oder Wannsee zu halten. Insofern lebt es sich deutlich entspannter, einen Job zu haben, der gut bezahlt wird. Die meisten dieser Jobs hören sich, wenn man mir davon erzählt, auch irgendwie spaßiger an. Zudem ist es mit einem vernünftigen Einkommen deutlich unterhaltsamer, kleine Kinder zu haben. Man kann beispielsweise lange verreisen. Oder sich einen Babysitter leisten, wann immer man ausgehen will. Außerdem ist es gut, wenn man Kindergärten oder Schulen nur danach auszuwählen braucht, ob sie einem gefallen, und man wohnen kann, wo man will.

(Reiche Väter gehen natürlich, alternativ zum Job, auch.)

Vermeiden Sie Hebammen.

Kürzlich stand in der Zeitung, dass es das völlig überzogene Bild der detschen Mutter sei, das Frauen von Kindern abhält. Ich glaube das sofort. Wer wird schon unbesorgt Mutter, wenn damit die Forderung verbunden ist, sich stracks in eine Art Heilige zu verwandeln?

Anders, als ich es erwartet hätte, hat diese Metamorphose aber nicht erst dann zu beginnen, wenn das Kind da ist. Es gibt einen Mutterschaftskult, der mehr oder weniger mit der Nidation der Eizelle einsetzt, und die Hohepriesterinnen dieses Kults sind die Hebammen, die umgeben vom rosa Licht ihrer Salzsteinlampen sofrt anfangen, die unglaublichsten Verhaltensmaßregeln aufzustellen.

So ist für eine ordentliche Hebamme eigentlich jede Form von schulmedizinischer Medikation des Teufels. Nur die Homöopathie und so Kräuterzeug seien gut. Überhaupt ist die Schulmedizin in dieser Welt ein argwöhnisch betrachteter Gegenstand. Hört man Hebammen zu, so ist ein Krankenhaus etwas Ähnliches wie ein Schlachthof. Ich kann mir nicht helfen: Ich fand es ganz okay da, aber ich nehme ja auch keine Globuli und glaube nicht daran, dass es etwas bringt, wenn man einem Sorgenpüppchen seine Ängste erzählt, damit es sie mitnimmt. Oder zwecks Drehung eines ungeborenen Kindes in eine gute Geburtsposition zwischen den Zehen einer Schwangeren Räucherstäbchen abbrennen.

Geht es nach Hebammen, so gibt es außerdem eine ganz klare Hierarchie der Gebärenden. Ganz oben thronen die Hausgeburten. Dann kommt das Geburtshaus. Frauen, die im Krankenhaus ihre Kinder bekommen, lässt man noch mit Mühe gelten. Wer aber eine PDA, also so eine lokale Betäubung für untenrum, erhält, ist eigentlich schon des Teufels und wird nie eine ordentliche Bindung zum Kind aufbauen. Auf Kaierschnittmüttern zuletzt darf man getrost herumtrampeln. Eine gute Mutter hat keinen Kaiserschnitt.

Medizinisch ist das natürlich alles Quatsch. Da Hebammen aber eher an so eine Art Mystik glauben, als an – siehe oben – Medizin, reden sie allen Müttern, die sich darauf einlassen, einen hammerharten Versagenskomplex ein. Der setzt sich dann nach der Geburt nahtlos fort: Wer sein Kind nicht zwei Jahre stillt oder Beschwerden beim Zahnen mit Paracetamol und nicht mit Bernsteinketten bekämpft, kommt in die Hölle und hat es nicht verdient, ein Kind zu haben.

Sie glauben, das sei polemisch? Stimmt, aber es ist zu annähernd 100% wahr. Hier gilt: Halten Sie sich fern.

Fortsetzung folgt

Hobbit

Irgendetwas stimmt nicht mit dem Auenland. Ich kann gar nicht sagen, woran es genau liegt, aber auf sonderbare Weise sieht das Heimatdorf von Bilbo Baggins deutlich unechter aus als in dem doch einige Jahre älteren Herrn der Ringe. Diese Verschlechterung der Optik zieht sich durch den gesamten Film. Bruchtal sieht inzwischen haargenau so aus wie die beleuchteten, elektrisch bewegten Bilder sehr, sehr blauer Wasserfälle, die man in türkischen oder vietnamesischen Trödelmärkten kaufen kann.

Vielleicht hätten wir uns doch für eine sehr, sehr große Leinwand am Potsdamer Platz oder so entscheiden sollen, schaue ich schon eher skeptisch einer sehr sichtbar dem Computer entsprungenen Schlacht zu, bei der das Zwergenreich Erebor gegen einen in der Tat sehr feurigen Drachen verliert. Möglicherweise sieht das in 3D besser aus.

Leider findet 3D in dem kleinen Filmtheater am Friedrichshain bei mir um die Ecke nicht statt. Überhaupt hat man sich aus obskuren Gründen entschlossen, diesen ausgesprochen gigantomanen Film ausgerechnet im kleinsten Kinosaal 3 zu zeigen, in dem sich die Zuschauer nun wie gepackt drängen. Ich nehme an, woanders wäre es weniger eng. So habe ich drei Stunden lang meinen Mantel auf den Füßen.

Als die drei Stunden vorbei sind, kann ich über den Film erstaunlich wenig sagen. Ja, es ist, soweit ich mich der mehr als zwei Jahrezehnte zurück liegenden Lektüre des Kleinen Hobbits erinnere, alles drin, was reingehört, und – soweit ich mich nicht täusche – auch noch Einiges mehr. Sieht man von der merkwürdigen Künstlichkeit der Bilder ab, so sieht der Film auch wirklich gut aus: Es ist Peter Jackson einwandfrei gelungen, jeden Effekt aus dem Buch im Film erstaunlich originalgetreu umzusetzen. Als beispielsweise mitten in der größten Not – der böse Ork hat den Zwergenkönig schon fast am Schlafittchen – Adler kommen, um die Zwerge samt Zauberer Gandalf und Hobbit einzusammeln, so sieht die Szenerie genau so aus, wie man sich das halt so vorstellt. Auch die unterirdischen Trollhöhlen sind gut getroffen. Den einen oder anderen Disney-Effekt hätte man sich sparen können, so habe ich singende Protagonisten schon seit Schneewittchen gehasst, aber nun singen die Zwerge halt schon bei Tolkien, und so lasse ich den Gesang eben über mich ergehen.

In der Summe bleibt gleichwohl fast so etwas wie Enttäuschung, als ich mit dem J. langsam nach Hause gehe. Vielleicht hat man sich selbst an sehr großartige Bilder schon zu schnell gewöhnt? Vielleicht ist die Story doch ein bißchen dünn, um gedrittelt einen Film in Überlänge zu tragen? Vielleicht fehlt es, wie der J. meint, an einer Identifikationsfigur, mit der man ein wenig mitfiebern könnte? Vielleicht liegt es aber auch an mir, die ich mich mit den Jahren immer schlechter auf etwas Anderes einlassen kann. seien es Menschen, seien es Bücher, sei es ein Film.

Die Uhr tickt

Sehen Sie, es ist nicht direkt Geiz. Es ist mehr so eine Art abstrakter Ärger über die Vergeblichkeit, aber wenn ich schon für jede Stunde abendliche Abwesenheit ohne Baby 12 Euro zahlen muss, will ich mich wenigstens amüsieren.

Natürlich ist das ein blödsinniger Anspruch. Mein Gott, ich habe in den letzten Jahren unglaublich langweilige, sinn- und geschmacklose Abende verlebt, und dass auch noch nachdem ich aufgehört habe, auch noch zur Eröffnung des letzten Klamottenladens hinzulaufen. Was ich an öden Lesungen, miesen Vernissagen und leeren Parties erlebt habe, reicht für gleich mehrere Personen völlig aus.

Es hat ja auch niemand was davon, wenn ich bei jedem Abend mit Babysitter zu viel erwarte. Letzten Samstag beispielsweise, in der Volksbühne mit Kollegen vom J. Ich saß da also in Reihe 14 ganz links, vor mir schrien und geiferten die wie immer sehenswerten Schauspieler des Ensembles in dem dort ja üblichen Zustand höchster emotionaler Erregung, und ich habe vergeblich versucht, mir den Handlungsstrang halbwegs zu erschließen. Allein die simple Frage, wer in dieser Inszenierung Castorfs von Dostojevskijs „Wirtin“ nun eigentlich wahnsinnig ist, war mir eigentlich zu viel.

„Was hat diese Ameise zu bedeuten?“, wispere ich dem J. irgendwann zu und schaue Kathrin Angerer zu, wie sie betet, schreit, in einen Brunnen fällt, woanders wieder auftaucht und so weiter. „Weiß nicht.“, antwortet der und vertieft sich wieder in die seltsam unkonzentrierte Inszenierung. Immerhin das Bühnenbild ist schön: Eine lange, dunkle Hütte vor einer schneeweßen, feindlichen Bühne.

Zwei Stunden später in der bar3 gewinnt der Abend wieder ganz erheblich. Ich trinke sehr schnell zwei Glas Grünen Veltliner auf Eis, denke über Haare, Gesichter, Kleider und Taschen nach, spreche über Suhrkamp und Rainald Goetz, stolpere mit dem J. durch den wärmeren Abend und lächele mich selbst aus, als ich im Bett liegend den Abend bilanziere.

Es ist nicht Geiz, sage ich mir. Es nimmt nur den Nächten das Leichte, Fließende, bei dem es nicht darauf ankommt, ob es elf Uhr abends ist oder morgens um vier. Ich werde mich dran gewöhnen, sage ich mir dann, und mache Pläne für die nächste Woche und schärfe mir ein, so zu planen, als sei ich allein.

Ach, ach. Federpuschel

„Halt!“; rufe ich direkt nach dem Eingang und bleibe stehen. Hinter mir ziehen fremde Frauen mit Einkaufstaschen scharf die Luft ein und weichen taumelnd aus. Ich wende mich nach rechts. Da hängen sie: Grobgestrickte Wollmützen in bunten Farben mit einem großen Federpuschel in der Mitte.

„Haben, haben!“, singe ich und setze mir begeistert eine Mütze nach der anderen auf den Kopf. Mein Favorit ist rot mit einem lila Puschel.

Peinlich berührt steht der J. ein paar Meter von mir entfernt zwischen Tüchern und Taschen. Es ist voll im Lafayette, sehr voll sogar, und der J. sucht sichtbar nach den richtigen Worten im Umgang mit den Mützen, die mir irgendwie schöner zu sein scheinen als ihm.

„Findest du 199 teuer?“, frage ich ihn und setze eine safranfarbene Mütze mit einem grünem Puschel auf und bewundere mich im Spiegel. Okay, man könnte schlanker, gepfleger und besser frisiert sein. Die Mütze aber sitzt.

„199!“, ächzt der J. und nimmt erkennbar Anlauf zu den richtigen Worten. Ihm ist klar, ein falsches Wort kann die Statik dieses Nachmittags zum Einsturz bringen. Ich habe nicht sonderlich viel gegessen, außerem ist es uns beiden zu voll hier, aber dann traut er sich doch. Betroffen schaue ich ihn an. Einen Moment stehe ich leicht begossen und ziemlich traurig vor dem Spiegel.

Dann fällt es mir auch auf. Ich bin tatsächlich 37. Ich bin nicht 15. Die Zeit der bunten Mützen ist vorbei und kehrt nimmermehr wieder.