Ein paar Worte zur Evolution

Wer bin ich, dem großen Darwin, dem verdienten Schöpfer der Evolutionslehre, zu widersprechen! Gleichwohl sei an dieser Stelle einmal schüchtern ausgesprochen, dass mich nicht alle Aspekte seiner Evolutionslehre, soweit mir in groben Zügen bekannt, vollkommen zu überzeugen in der Lage sind.

Im Tierreich, so zwischen Fell und Federn, da geht es meinetwegen noch halbwegs an: Frau Giraffe nämlich liebt immer den Giraffenmann mit dem längsten Hals, der am meisten Futter aus den Bäumen klauben kann, und so werden pro Generation die Hälse länger und länger. Die Pfauendame gibt sich dem prächtigsten Gefieder hin, und die schwachen Störche fallen ins Mittelmeer, ersaufen und geben ihre schwächlichen Gene im nächsten Sommer nicht mehr weiter.

In meiner unmittelbaren Umgebung jedoch sind Tiere – abgesehen von den beiden kastrierten Katern im zweiten Stock – schon eher selten, und bei den Menschen mag es einfach nicht hinhauen. Ginge es nach Darwin, dann müssten doch die Frauen den besten Ernährern hinterherlaufen, die Seniorpartner großer Kanzleien und Vorstände international agierender Konzerne müssten sich vor paarungswilligen Damen kaum mehr retten können, und vor der Deutschen Börse in Frankfurt am Main würden leicht bekleidete Mädchen versuchen, die Aufmerksamkeit der anzugjackerten Investmentbanker zu erregen.

Aber nichts.

Diejenigen Männer meines Bekanntenkreises, die aus der Schar ihrer Anbeterinnen wohlgestaltete weibliche Fußballmannschaften zusammenstellen könnten, können, soweit ich das beurteilen kann, nur auf spärliche Qualitäten als Ernährer verweisen. Und die meisten erwecken noch nicht einmal optisch den Eindruck, optimale Gene zu besitzen. Welche Qualitäten etwa mögen es sein, die ausgewachsene Frauen dazu bewegen, sich um die Gene eines maximal mittelgroßen, dünnen und meistens arbeitslosen Romanisten mit spärlichem schwarzen Haar zu schlagen? Und wieso verschmäht die weibliche Welt einen im Großen und Ganzen wohlgestalteten Richter am Finanzgericht, der Geige spielen kann?

Andersherum indes schaut es auch nicht besser aus: Von den beiden schönsten Frauen, die ich kenne, ist augenblicklich eine Single, und die andere schlägt sich herum mit einem Mann, der sich hartnäckig gegen die Weitergabe seiner und ihrer Gene sträubt. Weibliche Ernährerqualitäten sind ohnehin nicht in der Lage, Männer zu betören, und bezeichnend ist überhaupt, dass nicht die schönsten, erfolgreichsten und klügsten Leute die meisten Kinder haben, sondern sozusagen das Gegenteil der Fall ist – zumindest aus meiner Abiturklasse haben sich bisher nur jene Menschen verheiratet und teilweise sogar reproduziert, die ich nicht ganz grundlos für aussichtslose Fälle auf dem Heiratsmarkt gehalten habe.

Darwin muss sich geirrt haben.

40 Gedanken zu „Ein paar Worte zur Evolution

  1. bei den meisten tieren erhöht sich automatisch die fruchtbarkeit wenn die infrastruktur passt, genug nahrung vorhanden ist und so weiter, ist es nicht der fall verringert sich die fruchtbarkeit.
    beim menschen ist es umgekehrt!

  2. REPLY:

    Das habe ich jetzt nicht verstanden: Man wird als Mensch fruchtbarer, wenn es weniger zu essen gibt? Kate Moss müsste dann doch so fruchtbar sein, dass schon fast Parthenogenese zu befürchten wäre? Die hat doch gar keine Kinder! Nein, nein, Herr Creature, das überzeugt mich jetzt irgendwie nicht.

    In Biologie war ich aber schon immer eher mäßig.

  3. REPLY:

    nein frau modeste, ich meinte nicht kate moss, die hungert freiwillig um ihr zartes figürchen zu erhalten.
    die geburtenrate in den armen und ärmsten ländern ist hoch, ebenso bei menschen mit geringerer bildung und status.
    so müßte nach darwin deutschland, schweiz oder luxenburg die höchsten geburtsraten haben, aber dem ist nicht so…!

  4. Frauen stehen angeblich nicht mehr auf den Draufgänger mit dem kantigen Kinn, sondern eher auf fürsorgliche Männer, die ein bisschen so riechen wie der Herr Papa. Das liege in den Genen, aber es gibt auch die Theorie, die Pille sei schuld daran, weil die den Geruchssinn durcheinander bringt (im Falle einer Schwangerschaft orientiere sich Frau nämlich geruchsmäßig mehr an der eigenen Mischpoke). Diesmal sind’s aber die Gene, die dafür sorgen sollen, berichtet jedenfalls heute der Tagesspiegel.

  5. REPLY:

    Fürsorgliche Männer, die wie Papa riechen? Gääääähn,
    also nein wirklich… Hin und wieder kann ein Porsche
    Defizite im prachtkerlhaften Heldenanblick mittelfristig
    kompensieren, aber auch nur dann, wenn der Kerl ins
    Fitnesstudio geht und Besserung gelobt.

  6. REPLY:

    Dass der eigene Vater die Suche nach dem Optimalgefährten prägt, kann ich nur bestätigen – schlanke, schwarzlockige Brillenträger werden im Modestinen Universum schon ziemlich hoch gehandelt. Und dicke Bücher machen Männer natürlich beinahe unwiderstehlich. – Die stimulierende Wirkung teurer Autos ist dagegen an mir komplett vorbeigegangen: Es mag gemein und unzutreffend sein, aber beim Anblick von Männern im Sportwagen frage ich mich immer, was der jeweilige Herr eigentlich für Probleme hat.

  7. REPLY:
    TheSource musste

    auch erst über 35 werden, bis das Anziehungsmuster ein Anderes war.
    Biologisch ist der Nestbautrieb und Ernährerqualitäten first sicher gegeben – aber er ergänzt sich doch mehr und mehr über spezifische Charaktereigenschaften, die ein Mann haben muss, gewiße Dinge nicht nur zu erreichen, sondern auch zu halten. Die Papa-Prägung ist abstrahierbar. Papa war dunkelhaarig – heute ist blond angesagt.
    Ein großes Glück aber für uns, dass mitlerweile auch die Männer verstanden haben: Attraktivität ist auch über 35 chic – im Gegensatz zum “ gemeinen Bierbauch“.
    @netbitch: yap *g

  8. REPLY:

    Ich habe auch noch nie einen Mann sagen hören, dass ihre Mutter ihr Frauenideal geprägt habe. Von Frauen dagegen hört man öfter den Verweis auf den besten Vater der Welt.

  9. Für Nichtinvestmentbänker wie mich ist es gar nicht so schlecht, dass die Frauen noch auf den alten Künstlertrick reinfallen. Ätsch, wieder nix mit Zukunft.

  10. REPLY:

    Sagen hören habe ich das auch noch keinen Mann, aber man kann es gar nicht einmal so selten bei Männern beobachten – und sei es, dass sie sich als Kontrastprogramm das genaue Gegenteil suchen. Mütter und ihre Söhne/Männer und ihre Mütter scheinen mir das noch heiklere Thema zu sein als die Vater-Tochter-Beziehung.

  11. Ein grundsätzlicher Fehler ….

    im Verständnis von Darwins Thesen führt zu dieser Verwirrung.
    Er hat an keiner Stelle behauptet, nur die Schönsten oder Kräftigsten vermehrten sich.
    Er hat gesagt: Die/der „Bestangepaßte“ hat einen Vorteil.

    Daraus folgt:

    1. Alle haben eine Chance zur Weitergabe der Gene.
    2. „Schönheit“ ist an sich kein Vorteil, wenn der Rest schwächelt ….
      Bei Vögeln z.B. ist das „schöne“ Gefieder der Männchen nur ein Ausdruck von Gesundheit, daher die besseren Chancen bei den Weibchen ….
    3. Nichts „wächst“ so wie im Beispiel „Giraffe“ angesprochen. Schon garnicht in einer Generation, sonst hätten die Giraffen längere Hälse als die Bäume hoch sind! (Vererbung erworbener Eigenschaften: Lamarck).
      Begrenzend ist immer die „Zweckmäßigkeit“, die eine Optimumskurve ist:

      • Zu lang ist schlecht wegen der Bruchgefahr,
      • zu kurz ist schlecht wegen des Mangels nicht an Nahrung zu kommen.
        Das Optimum liegt dazwischen ….

    Und damit nähern wir uns doch schon der von Ihnen beschriebenen Situation:
    Zu schön ist schlecht, zu häßlich auch – die Mitte macht das Rennen!

  12. die Seniorpartner großer Kanzleien und Vorstände international agierender Konzerne müssten sich vor paarungswilligen Damen kaum mehr retten können,

    Oft genug finden sich bei diesen sogenannte Trophy-Wifes. Wesentlich jüngere, mit Silikon getunte Damen. Alternativ die klassische Kombination: Gleichaltrige Representations-Ehefrau in der Villa und willige junge Geliebte im kleinen kuscheligen Stadtapartment sitzend.

    und vor der Deutschen Börse in Frankfurt am Main würden leicht bekleidete Mädchen versuchen, die Aufmerksamkeit der anzugjackerten Investmentbanker zu erregen.

    Sie kennen die Lage der Börse in Frankfurt? Nur wenige Gehminuten zum sündigen Bahnhofsviertel. Mittagspause ist Stoßzeit. In anderer Richtung wohnte Rosemarie Nitribit in der Stiftstraße, die unter einigen bekannten Bankern und Investoren ihrer Zeit gearbeitet hat. Noch heute sitzten in der Gegend so einige Mäuschen und warten darauf von ihren Banker-Sugar-Daddies gestreichelt zu werden. Von den gepflegten Landpuffs im Taunus wollen wir gar nicht reden.

    Hinzu komment, daß in den Bankentürmen das Verhältnis von Männlein zu Weiblein 1:2 ist. Da findet das Schlangestehen nicht vor der Börse, sondern im Büro statt.

    Mit Verlaub gesagt, der Frankfurter Banker ist im Durchschnitt recht gut g*f*ckt.

  13. REPLY:
    Eines

    bleibt aber noch: Die Dimension dessen, was wir „Liebe“ nennen – sic: eine Intimität, die so tiefgehend ist, dass mensch bei diesem Menschen ein Gefühl von Heimat erfährt, das sich der Beschreibung durch Worte nicht selten weitesgehend entzieht. (Wobei Liebe auch fordert).
    Ansonsten neige ich dazu, Herrn ra-aktio zuzustimmen… auf lange Sicht setzt sich auch in der Beziehungswahl nicht das „Mittelmaß“ durch, sondern der herausragend „Elastische“, der in dieser Elastizität ohne Authentizitätsverlust ist.

    Und: Was sonst ist ein Mann denn mehr als eine Amöbe?

  14. Viel einfacher

    Die Erklärung ist viel einfacher, liebe Modeste. Sie wohnen in Berlin un din Berlin funktioniert noch diese „Ich bin arbeitslöoser Romanist und schreiben den nächsten Berlin-Roman. Hier funktioniert Darwin ganz gut. Würde ich sonst verzagen?

  15. REPLY:
    @ TheSource

    Wenn Sie gegen die These „Mittelmaß“ sind, widersprechen sich unsere Standpunkte.
    So wie sie sich hinsichtlich der „Liebe“ widersprechen:
    Liebe ist eine Folge von chemischen Prozessen (Hormone sind chemische Substanzen), die nach einem (wahllosen) Zufallsmuster freigesetzt werden und den Menschen in bestimmte Zustände versetzen, von denen einer als „verliebt sein“ ein anderer als „fortpflanzen“ definiert werden kann ….

    Es tut mir leid, die Illusion von „Liebe“ zu zerstören – sofern Sie es nicht schon immer geahnt hatten – denn wer die Welt mit analytischen Augen betrachtet sieht den wahren Ablauf mehr als deutlich. Stündlich, täglich – jahrelang!

  16. REPLY:

    Sie haben doch keinen Grund zum Verzagen – oder schreiben Sie heimlich den großen Berlin-Roman? An Ihrer These mag trotzdem einiges dran sein, sicherlich ist die Wertschätzung männlicher Eigenschaften durchaus ortsabhängig. Für die Weiblichkeit dürfte dies indes nicht gelten – hier regiert weltweit das Primat der Schönheit. Alles andere egal (Sparen Sie sich den Widerspruch alle miteinander!).

  17. REPLY:

    Aber, aber – wer wird denn in diesem Hort reiner Romantik an chemische Prozesse auch nur denken! Und die Liebe, da sind wir uns hoffentlich alle einig, ist eine Himmelsmacht, nicht Herr WVS-etc.?

    Was die Frankfurter Banker angeht, kenne ich mich da nicht aus. Allerdings hört sich Ihre Schilderung, Herr Gibsmir, nicht so an, als sei der Frankfurter Banker besonders zu beneiden. Vermutlich sehen die Frankfurter Banker das anders – aber deswegen sind die ja auch Banker in FRankfurt, und ich Doktorandin in Berlin.

  18. REPLY:
    Liebe.

    Mit Sicherheit „die höchste Illusion von allen“. Aber eben darum auch mehr als nur eine blinde, chemische Re-aktion *s.
    Zum Mittelmaß: Der Hochangepasste ist nicht mittelmäßig.. das Mittelmaß kann sich nämlich schwer nur anpassen. Ferner bestätigen auch hier in Flora und Fauna Ausnahmen die Regel: Hochspezialisiertes dominiert nicht selten.

    Und wenn ich es ganz simpel auf Männer übertrage, wird der Mittelmäßige es niemals sein… no way.

  19. REPLY:

    @ Modeste
    Wenn „Himmelsmacht“ als Wirken von Naturgesetzen interpretiert wird ist Liebe natürlich auch eine Himmelsmacht ….

    @ TheSource

    1. „Hochangepaßt“ ist – biologisch betrachtet – eine Nischenbesiedelung. Solche Organismen sind die Ersten die aussterben, wenn es zu Umgebungsveränderungen kommt ….
    2. Nur davon, daß Sie es behaupten, wird Liebe nicht „mehr als eine chemische Reaktion“!
  20. „Liebe als Passion“

    von Niklas Luhmann ist zum Thema ein ziemlicher Spaß. Jedenfalls, wenn vor ein bisschen Soziologie keine Angst hat.

  21. Auch wenn ich endlos zu spät komme, muss ich hier eine Lanze für die Frankfurter Banker, Controller, Manager, whatever brechen. Wer wird denn so oberflächlich sein? Ich denke nur an die vielen unglaublich spießigen pseudo-szenigen Kreativ-wannabies, die ich in Berlin schon getroffen habe. Die alle so individuell und anders sind und irgendwelche Drecksmusik oder Schrottkunst machen oder in irgendeíner miesen Bar auflegen und denken, sie wären der kreative Nabel des Universums, die kleinstädtischen Quellen scheinen nicht zu versiegen. Und Spießertum de Luxe verbirgt sich meiner Erfahrung nach recht häufig hinter der bunten Pappmacheé-Front.

    Dann doch lieber mal einen Anzugtypen, der mich überrascht. Der „wild at heart“ ist. Und FFM ist voll von Männer, die danach dürsten zu leben als Ausgleich zu ihren gradlinigen Jobs. Vielleicht binich auch geblendet von diesem einen Mann, der mich seit Monaten gedanklich nicht verlässt, weil hinter der Karriere-Business das größte und wildeste Herz steckt, das ich kenne. Mag sein. Aber trotzdem. „Don´t charge a book by its cover“. Wer mich in Business Klamotten sieht, erkennt sicher auch nicht den Menschen in mir, der ich bin, wenn ich durch die Nacht ziehe. Aber die, die einen 2 Blick riskieren, sehen vielleicht, dass da mehr ist.

  22. REPLY:

    Die zerföhnten Männer in den Bars der Stadt gehen natürlich auch gar nicht. Was die Banker und Anwälte etc. angeht, habe ich da allerdings auch einige ganz konkrete Exemplare vor Augen, die gar nicht gehen. Berufshalber laufen solche Leute ja immer wieder durch mein Leben – da gebe ich bei Gelegenheit vielleicht noch die eine oder andere Geschichte zum Besten. – Aber natürlich hast Du recht: Unter dem Anzug kann auch ein wildes Herz schlagen. Und ich mag Anzüge an Männern. Sieht einfach gut aus.

  23. REPLY:
    Nur eine ….

    kleine Anmerkung:
    „Don’t judge* a book by it’s cover!“ – nein, das sollte man nicht tun.
    Das Äußere ist oft durch berufliche Konvention bestimmt und daher wenig aussagekräftig. Wer hat schon immer Lust nach einem 10-12-Stunden-Tag erst nach Hause zu fahren, sich umzuziehen um dann „in der Masse aufzugehen“ ….

    * to charge = aufladen (Batterie); angreifen (Attacke).
    * to judge = beurteilen, Recht sprechen über.

  24. Bio-psycho-sozial sind wir

    Liebe Namenskollegin,

    erst mal muss ich dir ein Kompliment machen für deine Netattraktivität. Dein Fanclub ist unheimlich, deine Art zu schreiben auch. Das passt alles zusammen.

    Nach so vielen witzigen und gescheiten Beiträgen traue ich mich kaum noch, probier’s aber doch:

    Darwin’s Theorie ist im wesentlichen eine biologische-und-sonst-nichts-Theorie. Selbst wenn man auf dem biologischen Nieveau bliebe, dann ist seine Theorie noch immer sehr einseitig, aber das gehört wohl nicht hierher.

    Jedenfalls gibt es biologische Attraktoren im Paarungsverhalten. Einige davon funktionieren optisch zB eine Spalte zwischen zwei Rundungen (meistens vorne und hinten zu sehen zB unter http://bettgefluester.twoday.net/stories/807085/) wirkt stark anziehend auf Männer. Andere biologische Attraktoren funktionieren über den Geruchssinn (erst unlängst entdeckter Spezialteil innerhalb der Nase) usw.

    Wenn es nur diese Arten von Attraktoren gäbe, dann würden wir uns vielleicht nach den gleichen Gesichtspunkten paaren wie (Säuge-)Tiere. Aber es gibt auch psychische Mechanismen, die anziehen z.B. bei Frauen, die ihre Väter mochten haben Männer eine größere Chance, die ähnliche Eigenschaften aufweisen. Wenn die Töchter ihre Väter nicht mochten, dann haben Männer eine Chance, die Eigenschaften aufweisen, die dem Vater entgegensetzt sind. Gilt natürlich vice versa für beide Geschlechter.

    Schließlich gibt es noch soziale Faktoren, die die PartnerInnenwahl beeinflussen können z.B. der „Stand“ also die „Schicht“zugehörigkeit und dergleichen. Ich mag das jetzt nicht alles aufzählen.

    Das Schöne an uns Menschen ist halt, dass wir viel komplizierter als Tiere sind und wenn man die Paarungsfaktoren erst mal alle schön durcheinander mischt, dann erlebt man das, was man aus dem Alltag kennt – und aus den obigen Beispielen zum Teil ersehen kann: es ist fast in jedem Paarungsfall anders gelaufen.

    http://oneworld.twoday.net/stories/795952/

  25. REPLY:
    Ich kann gut verstehen ….

    daß es Ihnen besser gefällt, den Menschen abgesetzt von anderen Spezies zu sehen – aber genau das ist der Fehler! Diese Sicht vernachlässigt völlig unsere geringe Entfernung vom ursprünglichen Verzweigungspunkt. Deswegen hier nochmals der Hinweis, daß das gemeine Hausschwein genetisch zu97% mit uns übereinstimmt …. daraus ist zu erkennen:
    So unterschiedlich wie wir gern wären sind wir in Wirklichkeit nicht.

    Sie haben selbst das Ansprechen der Spezies Mensch auf basale Reize (Silhouette) eingebracht. Warum denken Sie dann nicht konsequent weiter?
    Alle anderen Faktoren, die Sie genannt haben sind sicher im zweiten oder dritten „Auswahlschritt“ von Bedeutung.
    Tatsache bleibt jedoch:
    Erster Schritt ist eine von Intellekt oder ähnlichen Leistungen völlig unabhängige Wahl ….

    Diese Sicht der Evolution und der damit zusammenhängenden Kriterien läßt sich, mit Verlaub, nicht geisteswissenschaftlich, sondern nur naturwissenschaftlich erklären.
    Obwohl es immer wieder versucht wird …. was hielten Sie davon, wenn ein Naturwissenschaftler sich anschickte, das Wesen der Kant’schen Philosophie zu erklären?

    PS
    Es gibt übrigens – um des geschlechtsspezifischen Ausgleiches Willen – auch eine Silhouette, auf die Frauen ansprechen, nämlich eine „Dreiecksform“, breite Schultern, schmale Taille, dazu gestreckte Gesamtform ….

    2. PS
    @ CHE: „.. (vom) Diskurs in den Biowissenschaften
    …, der zur Selektionsrampe von Auschwitz führte, dem direkten Ergebnis
    gelehrter Diskussionen der Elite deutscher Anthropologieprofessoren .. „

    Das Darwin anzulasten bedeutet, seine Bedeutung für die Biologie ins Gegeteil zu verkehren.
    Arme irregeleitete Seelen haben Interpretationen benutzt, die zeigen, daß sie den wahren Gehalt von „Origin of Species“ nicht verstanden haben.
    Gerade deswegen warne ich ja (weiter oben) davor, auf unbekanntem Boden zu dilettieren ….

  26. REPLY:
    @WVS Schwierig..

    ist’s gleich mehreres zu beackern.

    Ad Naturwissenschaft
    Auch für mich ist die Frage nach dem Paarungsverhalten von Menschen und Säugetieren eine empirische. Ich vermute einmal, dass Sie das mit „naturwissenschaftlich“ gemeint haben. Wenn nicht, dann warte ich gerne auf eine nähere Erklärung.

    Die Unterscheidung zwischen natur- und geisteswissenschaftlich finde ansonsten ich persönlich reichlich überholt. Ein Naturwissenschaft, die nicht weiß, was ihre (geglaubten oder gesetzten) Grundannahmen sind, ist für mich ebenso abwegig wie eine Geisteswissenschaft, die nicht kompromisslos der Empirie huldigt.

    Ad Vergleichbarkeit Mensch-Tier
    Aus meiner Sicht verbindet uns mit den Säugetieren wesentlich mehr als uns von ihnen trennt. Insofern irren Sie sich, wenn sie meinen, dass es mir GEFÄLLT, mich von den Tieren abzuheben oder mich gar über sie zu eheben. Wenn wir irgendetwas zu erklären haben, dann müssen wir uns an (sog. oder vermeintliche) Realitäten halten. Und da stellt sich die Frage, ob die Psyche oder das Sozialverhalten des Menschen auch eine beforschbare Realitäten sind…

    Die moderne Ethologie nach Konrad Lorenz zeigt, dass es grundsätzlich sehr schwierig ist, Verhaltensweisen von Tieren auf das Verhalten von Menschen zu übertragen.

    Ad Paarungsverhalten
    Ich stimme mit Ihen überein, dass das menschliche Paarungsverhalten in Selektionsstufen abläuft. Zunächst wird im Normalfall aus der großen Masse ausgesiebt. Dafür eigenen sich visuelle oder olfaktorische Reize, aber bereits in der nächsten Runde beim Reden miteinander, beim Betrachten der Mimik (verbale und nonverbale Kommunikation) gelten ganz andere Regeln, die man eben im Tierreich (fast) nicht oder ganz anderes vorfindet.
    Vielleicht haben Sie das auch schon mal erlebt: Mann sieht von hinten oder von der Seite eine Frau, die einen ganz tollen Eindruck macht. Mann spricht sie an und zuckt im gleichen Augenblick enttäuscht zusammen. Bei diesem Anblick hätte er sich eine andre Sprache, Mimik etc. erhofft. Ende der Szene,

  27. REPLY:

    Die moderne Ethologie nach Konrad Lorenz zeigt, dass es grundsätzlich sehr schwierig ist, Verhaltensweisen von Tieren auf das Verhalten von Menschen zu übertragen.

    Da fällt mir doch gleich das Geschwurbel von Herrn Irenäus Eibl-Eibesfeld wieder ein. Der fabrizierte auch recht abenteuerliche Theorien über das Liebesleben der
    !Kung.

  28. REPLY:
    @ Modest

    Annahmen:
    Es ist ein Grundsatz der Naturwissenschaften, keine Annahme als absolut zu sehen. In Versuchen wird eine These aufgestellt – ergebnisoffen! – man forscht also nicht um zu beweisen, daß die These richtig oder falsch ist, sondern zu beweisen, daß entweder richtig oder falsch vorliegen ….

    K. Lorenz:
    hat gezeigt, daß es zusätzlich zu angeborenem geprägtes Verhalten gibt – mir ist nicht bekannt, daß er die Übertragbarkeit in Zweifel gezogen hat. Was Sie ansprechen hat sicher seine Berechtigung in der pharmazeutischen Forschung. Da ist die Übertragbarkeit – wegen der unterschiedlichen Verstoffwechlung – in vielen Fällen zweifelhaft ….

    Ritualisierung:
    Auch unser Paarungsverhalten ist „ritualisiert“ – das ist der Grund, warum es so viele Scheidungen gibt. Wir haben verlernt, die Signale zu deuten – und die Signale sind durch Zivilsation verfälscht. Scheitern vorprogrammiert! ….

    PS
    Geistes- vs. Naturwissenschaften:
    Auffällig ist für mich, daß es immer die Geisteswissenschaftler sind, die versuchen, eine gemeinsame Basis zu beschwören.
    Ich nehme als Beispiel ‚mal die Psychologen:
    Sie bedienen sich der Statistik, einer naturwissenschaftlichen Methode, um nicht greifbare – da abstrakte – Sachverhalte in Zahlen zu fassen. Ergebnis ist eine – scheinbar – zu beweisende These, nicht etwa ein Beweis!

    2 PS:
    Interessante Diskussion auch HIER

  29. REPLY:
    @WVS Dialog

    Leider ist im Zuge der Aufklärung der Zusammenhang zwischen Geistes- und Naturwissenschaften weitgehend verloren gegangen. Nur bewußt-lose Naturwissenschaftler leiden nicht darunter. Ich kenne viele Natur- UND Gesteswissenschaftler, die sich verzweifelt bemühen, wieder eine gemeinsame Sprache zu finden. Schließlich leben wir alle in EINER Welt. Und wenn wir nicht lernen, wieder voneinander zu lernen, gehen wir alle unter.

  30. REPLY:
    Ich wollte ….

    auch nicht der Trennung das Wort reden! Es ist aber wichtig, auch den Keller des Hauses gesehen zu haben, bevor man die Geschosse plant …. oder: man überläßt denen, die den Keller gebaut haben auch die anderen Etagen und sieht sich nach Fertigstellung darin um. So halte ich es mit den Geisteswissenschaften: Ich lasse mich gern – sachkundig – durch das Haus führen ….

  31. REPLY:
    @WVS Schönes Bild,

    das vom Haus. Die interessante Frage ist, wer – oder vielleicht besser: welches Team – hat den Keller gebaut und hält in instand?
    Ich denke: die Wissenschaftstheoretiker.

  32. REPLY:

    Ja, Herr WVS-etc., bestimmt ist die Liebe zu einem großen Teil biologisch bedingt. Aber jenseits der schwirrenden Hormone, dort, wo nicht Bedürfnis, sondern Sehnsüchte eine Rolle spielen, schaut es doch ganz anders aus. Natürlich ist das Hausschwein nicht etwas grundsätzlich anderes – weniger kompliziert mag es aber sein, und seine Suche nach dem anderen Teil, der es komplettieren soll, mag deswegen eben einfacher sein. Es wäre ihm zu wünschen.

    Herr oder Frau Modest (?) – ich stimme Ihnen ja zu, so im Großen und Ganzen. Aber ist die Frage nach der Kellerurheberschaft nicht, mit Verlaub, ein wenig die Sache mit dem Huhn und dem Ei?

  33. REPLY:

    „Hier reproduzieren sich nicht Gene, sondern hier treffen sich Individuen und tauschen ihre unterschiedlichen Erfahrungen aus. Und wenn ich einen Partner finde als Mensch, dann tausche ich nicht nur Keimzellen aus und die darin enthaltenen Gene, sondern dann geht es eigentlich immer darum, dass Erfahrungen zusammen wachsen, dass man die Möglichkeit bekommt, in solch einer Beziehung über sich hinauszuwachsen. Und das ist das eigentlich spannende. Und wenn dabei Kinder entstehen, dann wäre das Kind Ausdruck dieser Transzendenz, die jeder Begegnung steckt. Und insofern glaube ich, dass man mit solchen einfachen biologistischen Modellen die Erfahrungswelten sehr reduziert.“

    – Gerald Hüther, Professor für Neurobiologie an der Universität Göttingen –

    Zitat aus dem Hörfunkfeature „NUR EIN BIOCHEMISCHER REFLEX? – Wie Wissenschaftler versuchen, die Liebe zu entschlüsseln“ von Burkhard Reinartz (DLF 2005)

  34. REPLY:

    @ Che: Es ist zwar lange her, aber ich hab unter anderem auch Ethnologie studiert und zwar zu einer Zeit, als sich manche Ethologen ganz gern als die neuen, besseren Ethnologen gesehen hätten. Ich sag nur Die Biologie des menschlichen Verhaltens. Grundriß der Humanethologie (München 1984). Ums zu kritisieren, mussten wir es schließlich lesen.

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